So geht Nachhaltigkeit mit kleinem Budget

Nachhaltigkeit muss man sich leisten können. Oder?
Collage: Daniela Rudolf-Lübke / Fotos: Asier / AdobeStock / The new york public library / Unsplash

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Statt mit dem Flugzeug nur noch mit der Bahn verreisen, mit ökologischem Reinigungsmittel putzen und neue Kleidung bei nachhaltigen Marken shoppen. Wer im Alltag auf Nachhaltigkeit achtet, muss dafür auch oft mehr bezahlen. Hat man als umweltbewusster Mensch nur ein kleines Budget zur Verfügung, stellt sich daher oft die Frage, wie viel Geld man für die Umwelt in diesem Monat überhaupt noch übrig hat. Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Alltag nachhaltiger zu gestalten und dabei zu sparen. Schon mit ein paar Umstellungen spart man sich Geld, das man dafür bei nachhaltigen Produkten verwenden kann, die nicht so leicht zu ersetzen sind. Hier sind einige Ideen.

Lebensmittel

Nachhaltige und fair produzierte Lebensmittel kosten im Supermarkt oft ein Vielfaches der konventionellen Alternativen. Eine bereits relativ bekannte Möglichkeit, um auch mit kleinem Budget bewusst einzukaufen, ist das Foodsharing. Über die Plattform Foodsharing oder Too Good To Go können Privatpersonen Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, teilen und abholen – kostenlos oder zumindest stark reduziert. Weniger bekannt ist bisher die Plattform Mundraub, die sich auf Obst, Kräuter und Nüsse konzentriert, die im öffentlichen Raum wachsen. Auf einer Karte, die die Mitglieder erweitern können, sind Bäume und Sträucher verzeichnet, an denen sich jede*r bedienen kann.

Im Supermarkt lohnt es sich auch, auf die Saisonalität zu achten. Außerhalb ihrer Saison sind Obst und Gemüse nämlich meist teurer – und durch beheizte Gewächshäuser oder lange Transportwege klimaschädlicher. Wer seine Mahlzeiten gut vorplant, vermeidet außerdem, dass Lebensmittel schlecht werden und im Müll landen. Falls man doch zu viel gekauft hat, lassen sich viele Lebensmittel auch gut einfrieren. 

In kleinen Mengen kann man Gemüse – mit etwas Platz und Muße – auch daheim auf dem Balkon oder in der Wohnung anbauen. Bei vielen Gemüsesorten oder Kräutern funktioniert das sogar im Winter. Paprika, Zucchini, Tomaten und Kartoffeln lassen sich in tiefen Töpfen anpflanzen. Aus den Resten mancher Gemüsesorten kann zu Hause sogar Nachschub wachsen. Das geht zum Beispiel bei Romanasalat, Lauch oder Kartoffeln.

Kosmetik und Hygiene

Bei Kosmetik und Hygiene lohnt es sich, auf wiederverwendbare Produkte zu setzen. Frauen in den USA verbrauchen in ihrem Leben etwa durchschnittlich mehr als 12 000 Tampons und Binden. Das verursacht nicht nur sehr viel Müll und CO2, sondern kostet auch viel. Mittlerweile kann man in jeder Drogerie nachhaltige Periodenartikel wie Menstruationstassen finden. Vorausgesetzt man fühlt sich mit diesen Produkten wohl, sind sie eine gute Möglichkeit, Müll zu vermeiden und dabei auf Dauer auch noch Geld zu sparen. Eine Alternative zu Abschminkpads aus Baumwolle sind Pads aus Stoff. Man kann sie kaufen oder aus Stoffresten nähen – und so auch noch das Geld und den Verpackungsmüll sparen. 

Allgemein sind die „Do It Yourself“-Möglichkeiten im Drogeriebereich sehr vielfältig. Im Internet kursieren die verschiedensten Anleitungen, um Shampoo, Duschgel, Spülung oder Haargel selbst herzustellen. Wer weniger DIY-affin ist, kann auf feste Shampoos, Spülungen und Duschgels umsteigen. Abgesehen davon, dass sie ohne Plastikverpackungen und meist ohne Konservierungsstoffe auskommen, berichten viele Selbsttests, dass die festen Versionen ergiebiger seien und somit seltener nachgekauft werden müssen.

Kleidung

Fast-Fashion ist eine der größten Klimasünden der heutigen Zeit. Jährlich werden durch die Textilindustrie 1,2 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt. Das ist mehr, als internationale Flüge und die Seeschifffahrt gemeinsam verursachen. Fair und nachhaltig produzierte Mode kostet aber natürlich auch mehr als die von H&M, Zara oder Pimkie. Bei einem kleinen Budget lohnt es sich daher, gebrauchte Kleidung zu kaufen. Besonders günstig sind Flohmärkte, etwas teurer sind Klamotten im Second-Hand-Laden. Dafür ist die Kleidung hier besser sortiert und man kann gezielter suchen.

Wer sich das Geld für neue Kleidung komplett sparen möchte, kann auch eine Kleidertauschparty im Bekanntenkreis organisieren (vorausgesetzt, es gibt gerade keine Kontaktbeschränkungen …). In vielen Städten gibt es auch Organisationen und Privatpersonen, die regelmäßig offene Kleidertauschpartys organisieren.

Haushalt

Konventionelle Reinigungsmittel sind für die Umwelt häufig extrem schädlich. Die darin enthaltenen Chemikalien gelangen über das Abwasser in Kläranlagen. Da nicht alle von ihnen abbaubar sind, können diese Chemikalien sich in der Umwelt anreichern und somit Gewässerorganismen schädigen.

Wer sich das Geld für die teureren nachhaltigen Putzmittel sparen möchte, kann sie gut durch Hausmittel ersetzen. So kann statt Entkalker einfach Essig, Essigessenz oder Zitronensäure benutzt werden. Ein verstopfter Abfluss kann auch mit Soda (Natriumcarbonat) gereinigt werden. Das kann außerdem auch als Spül- und Waschmittel dienen. Ebenso vielseitig einsetzbar ist Natron. Vermischt mit Wasser dient es als Backofenreiniger, vermischt mit etwas Kernseife als Allzweckreiniger oder Geschirrspülmittel. Und das Internet bietet noch viel mehr Anleitungen zur Herstellung von Putzmitteln. 

Urlaub

Urlaubsreisen sind Pandemie-bedingt derzeit zwar nicht möglich, die reisefreie Zeit lässt sich aber nutzen, um den nächsten Urlaub nachhaltig und möglichst kostengünstig zu planen. Das Problem dabei: Der klimaschädlichste Transport, nämlich das Flugzeug, ist oft der billigste. Wenn man frühzeitig bucht, kann man aber auch bei Zügen ein günstiges Angebot erwischen. Und wer körperlich nicht eingeschränkt ist und im Urlaub gerne Bewegung hat, könnte über einen Fahrradurlaub nachdenken. Nachhaltiger geht es quasi nicht und falls man bereits ein Fahrrad besitzt, spart man sich die Transportkosten komplett. Ein weiterer Vorteil: Man entdeckt Orte, die einem sonst unterwegs entgehen. Damit kommt man aber natürlich nicht sehr weit und nicht alle leben in einer Gegend, in der man direkt losradeln möchte. Eine Kombination aus Rad und Zug kann ein guter Kompromiss sein. 

Bei den Unterkünften gibt es mehrere Möglichkeiten, um beim nachhaltigen Reisen Geld zu sparen. Sinnvoll ist es etwa, auf Camping umzusteigen – vorausgesetzt, man nutzt das Camping-Equipment langfristig und verzichtet auf Einwegprodukte. Vieles, etwa Gaskocher und Zelte, kann man auch gebraucht kaufen oder leihen. Das spart nicht nur Geld, sondern auch viele CO2-Emissionen, die bei einem Hotelurlaub entstehen.

Besonders im Städteurlaub bietet sich auch die Möglichkeit des Housesittings. Hierbei passen Urlauber*innen auf Haus, Grundstück und oft auch Haustiere der eigentlichen Besitzer*innen auf und dürfen dafür in dem Zeitraum dort wohnen. Auf Plattformen wie Trusted Housesitters, Mind my House oder Nomador zahlt man in der Regel eine Jahresgebühr und findet dafür kostenlose Unterkünfte. 

In südeuropäischen Ländern sind auch Agritourismi sehr verbreitet. Hierbei handelt es sich um kleinere landwirtschaftliche Betriebe – häufig auch Bio-Bauernhöfe –, die Teile der Bauernhäuser zu Gästezimmern umfunktioniert haben. Diese Unterkünfte gibt es in verschiedenen Preisklassen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit einem Besuch einen lokalen Betrieb unterstützt statt eine Hotelkette.

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