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Foto: dpa; Bearbeitung: jetzt

Seit dem 17. Oktober 2018 laufen die Kiffer in Kanada lachend über die Straße. Das Land hat als zweites weltweit, nach Uruguay, Cannabis für den Freizeitkonsum legalisiert. Findige Menschen könnten jetzt behaupten, dass Weed in den Niederlanden doch schon seit Ewigkeiten legal ist. Das stimmt so aber nicht ganz. Zwar ist der Konsum seit 1976 für Personen ab 18 Jahren erlaubt – auch kleinere Mengen bis zu fünf Gramm darf man besitzen – Anbau und Ankauf von Cannabis im großen Stil ist aber verboten. Die Coffeeshops beziehen ihr Gras meist von illegalen Dealern. Der Weiterverkauf wird von der Regierung nur toleriert.

In Kanada, Uruguay und einigen Bundesstaaten der USA gibt es nun hingegen einen staatlichen Gesetzesrahmen. Hier dürfen Konsumenten seit Legalisierung kleinere Mengen der Pflanze völlig straffrei in speziellen Verkaufsstellen erwerben. Der Andrang war erwartungsgemäß riesig. Die Aktien von Cannabis-Produzenten wie Tilray, Canopy Growth und Aurora erleben einen Höhenflug. Passiv high, sozusagen. Zeit darüber nachzudenken, ob man sich nach alter Bitcoin-Manier selbst an dem Boom bereichern sollte.

Wir haben mit Sven Vogel, Analyst der auch in Deutschland aktiven US-Finanzberatungsfirma The Motley Fool, gesprochen und ein paar Tipps zur Frage gesammelt, ob und wenn ja wie du in die Industrie investieren solltest.

Sollte ich in Cannabis-Aktien investieren  ?

„Grundsätzlich ist die Cannabis-Industrie eine interessante Branche“, meint Vogel. „Einige Marktforscher sehen das weltweite Potential für den Marihuana-Markt in Summe bei 57 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2027.“ Solche Wachstumschancen machen die Cannabis-Unternehmen für Investoren natürlich besonders interessant. Außerdem bestehe die Chance, dass andere Länder dem Beispiel von Kanada und einigen US-Bundesstaaten folgen und Cannabis ebenfalls komplett legalisieren. In dem Fall wäre sicherlich noch einmal mit einem ordentlichen Schub zu rechnen, der dein Werkstudenten-Gehalt ein wenig aufpoliert.

Muss ich Kiffer sein, um genug vom Produkt zu verstehen ?

Dumme Frage, das hättest du wohl gerne! Natürlich musst du dir nicht selbst hin und wieder einen anstecken, um die nötige Einsicht in die Branche zu haben: „Viel wichtiger ist ein grundsätzliches Verständnis über die unterschiedlichen Strategien der Unternehmen“ sagt Vogel. Ganz wie bei jedem anderen Investment auch: „Auch, wenn man in Unternehmen aus anderen Branchen investiert, muss man das Produkt nicht selbst getestet haben“ sagt Vogel. Ganz zu schweigen davon, dass man in Deutschland höchstens Einblick in die Geschäfte des Dealers im Park bekommt und eher spärlich nachvollziehen kann, wie seriöse Cannabis-Unternehmen agieren. Schau also darauf, wie sich die Unternehmen in letzter Zeit auf dem Markt geschlagen haben und ob es gerade Marktteilnehmer gibt, die sich besonders von ihren Konkurrenten abheben. Sei es durch besondere Anbauarten, überzeugende Unternehmenspolitik oder, oder, oder.

Was gibt es für Besonderheiten auf dem deutschen Markt ?

Deutschland liebt Besonderheiten. „Es gibt einige Werte, die man an deutschen Börsen nicht mehr handeln kann“ erklärt Vogel. „Diese Liste wurde von Clearstream veröffentlicht.“ Clearstream ist eine Tochterfirma der Deutschen Börse und wickelt Wertpapiertransaktionen für sie ab. Da Clearstream unter luxemburgischen Recht agiert – und Cannabis in Luxemburg verboten ist (momentan wird dort aber diskutiert, Gras zu legalisieren, Anm. d. Red.) – verbietet Clearstream auch den Handel mit einigen Aktien. Die Liste wird von dem Unternehmen regelmäßig aktualisiert. Wer die aktuelle Version haben will, sollte sich per Stichwortsuche auf der Clearstream-Website erkundigen. Da aber nur Wertpapiere von Unternehmen verboten sind, deren Hauptgeschäft nicht (!) im medizinischen Cannabis liegt, hält sich die die Einschränkung in Grenzen: „Diese Liste vom September 2018 umfasst derzeit lediglich 15 Aktien und ist damit sehr überschaubar.“

Muss ich Angst vor einer Bubble haben?

Als alter Börsen-Hase musst du natürlich immer Angst vor einer Bubble haben. Und ja, auch hier kann eine gesunde Skepsis nicht schaden. Den Vergleich zum Bitcoin kann man nämlich nicht nur in die eine Richtung machen: „Ich denke, dass die Möglichkeit einer starken Übertreibung tatsächlich besteht“ gibt Sven Vogel zu bedenken. Man müsse sich nur mal Tilray anschauen. Tilray ist ein Cannabis-Unternehmen das in den letzten Wochen aus den Schlagzeilen nicht wegzudenken war. „Der aktuelle Börsenwert von Tilray beträgt heute rund 10 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten aber nur etwas mehr als 30 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt.“ Selbst einem Laien fällt da eine gewisse Diskrepanz auf. „Die Bewertung vieler Marihuana-Unternehmen berücksichtigen also bereits heute einen Großteil – teilweise sogar noch mehr – des eingangs erwähnten, erwarteten Marktwachstums.“  Wenn jetzt ein Unternehmen, wenn auch nur leicht, hinter den Erwartungen zurückbleibt, kann das massiven Einfluss haben und zu signifikantem Kursrückgang führen.

Kann ich mit 100 bis 500 Euro Kapital reich werden?

„Nicht so voreilig, du kleiner Gordon Gekko, wirklich reich wirst du mit solchen Summen erstmal nicht. Jedenfalls nicht über Nacht. Vor allem nicht, wenn du es ein bisschen sicherer angehen lässt.“ Vogel rät dazu, einen Grundsatz beim Investieren dringlichst zu beachten: „Man sollte nicht alles auf eine Karte, also auf ein einzelnes Unternehmen oder eine Branche setzen, sondern Investitionen aufteilen.“ Besonderes für Cannabis-Aktien sei das aufgrund der bestehenden Unsicherheiten wichtig.

Sein Tipp: Monatlich investieren statt das ganze Geld auf einmal rauszuhauen. Da reichen auch schon 50 oder 100 Euro pro Monat: „Da bietet sich insbesondere der regelmäßige Kauf eines börsengehandelten Fonds (ETF) über einen Sparplan an, der eine Sammlung mehrere Unternehmen abdeckt.“ Einen Teil der monatlichen Einlagen könne man dann auch dafür nutzen, in Fonds zu investieren die keine Cannabis-Aktien enthalten. So ist das Portfolio diverser und man setzt sich weniger Risiken aus.

Cannabis ist in Deutschland immernoch illegal

Bevor du aber darüber nachdenkst, dein hart erarbeitetes Geld am Aktienmarkt zu verlieren, äh zu investieren: Deutschland tut sich in allem, was mit Cannabis zu tun hat, unglaublich schwer. Auch wenn man kein Fan der konservativen Hürden unseres Systems ist, muss man anerkennen, dass es sich bei Cannabis immer noch um eine Droge handelt, deren Freizeitkonsum hier (manche meinen nicht ohne Grund) strikt verboten ist. Wer Geld in diese Unternehmen investiert, muss sich im Klaren darüber sein, dass er Geschäfte unterstützt, die durch den Konsum der Droge legitimiert werden: „Wer aus persönlichen Gründen nicht in Marihuana-Aktien investieren möchte, der sollte tatsächlich die Finger davon lassen. Genauso wie es viele Investoren gibt, die beim investieren freiwillig auf Unternehmen aus der Tabak-, Alkohol-, Waffen-, oder einer anderen Branche verzichten“, rät Vogel.

Wer hingegen ein wenig Geld übrig hat und sich dazu entscheidet, in Cannabis-Unternehmen zu investieren, der kann mit etwas finanziellem Feingefühl gut fahren. Die Bewertungen des Marktes sehen ja nur allzu rosig aus. Vorsicht ist natürlich trotzdem geboten. Ein Hype ist schnell überschätzt und Blasen können platzen. Das hat uns zuletzt der Bitcoin gelehrt.

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