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Collage: Daniela Rudolf / Fotos: freepik / pixabay

Wir haben mit fünf Menschen gesprochen, die alle auf etwas verzichtet haben und sie gefragt, welche Erlebnisse sie in dieser Zeit gemacht haben. Eine Sache sagen sie alle: Das Fasten bringt sie vor allem persönlich weiter.

Patrick*, 35, fastet Alkohol

„Ich faste jedes Jahr die vollen 40 Tage Alkohol und Fleisch. Das ist jetzt das fünfte Jahr, aber ich faste immer anders. Alkohol ist meistens mit dabei, das mit dem Essen variiert. Eine vegane Fastenzeit habe ich auch schon gemacht, aber das Fleisch-Fasten ist irgendwann geblieben. Während dieser Zeit bleibe ich wirklich komplett enthaltsam – eine Ausnahme am Sonntag ist nicht drin.

Ich bin Atheist und mache es zur Fastenzeit, weil in meinem Freundes- und Bekanntenkreis viele fasten und es sich so anbietet. Alleine wäre es blöd und man muss sich auch sonst immer etwas erklären.

Inzwischen freue ich mich wirklich aufs Fasten. Ich arbeite in der Gastronomie, dementsprechend ist in meinem Alltag Alkohol jeden Tag ein Thema. Da tut es mal ganz gut, das Ganze zu überdenken. Generell ist schön, dass man seine Muster immer wieder überdenkt und das dann nachhallt –  egal, ob es jetzt um Alkohol, Fleisch oder was anderes geht. Deswegen finde ich es auch jedes Jahr gut, um mich selbst zu hinterfragen. Ich habe zwar grundsätzlich kein Problem mit meinen Mustern. Aber das Fasten hilft mir, darüber nachzudenken, ob ich willenlos konsumiere. Das gilt sowohl für den Fleisch- als auch für den Alkoholkonsum.

Beim Alkohol-Fasten ist es außerdem sehr spannend, sich in Situationen zu begeben, in denen man normalerweise Alkohol trinkt. Zum Beispiel im Club, um zu gucken: Was passiert denn da eigentlich? Nüchtern tanzen zu gehen ist am Anfang irgendwie absurd, weil es ja kaum einer macht, aber ich kann mich dann beobachten: Ist das lustig, ist es leichter, bin ich müde? Man kann sich fragen: Wie bin ich, wie sind die anderen? Mir ist dann auch schon passiert, dass ich es total scheiße fand und dachte: „Was will ich denn jetzt eigentlich hier unter den ganzen komplett Dichten?“ Es gibt eben einfach Orte, da geht man nur hin um zu trinken.

Auf der anderen Seite: Ich kann auch zwei Stunden nüchtern im Technoclub sein, wenn die Qualität der Musik richtig gut ist. Es ist gut zu sehen, dass es nicht nur daran liegt, dass man den Rausch da verbringt.“

*Name von der Redaktion geändert, ist der Redaktion aber bekannt

Georg, 25, fastet Frauen:

„Ich verzichte in der Fastenzeit auf Frauen. Die Idee kam mir ganz spontan. Alkohol habe ich schon vor ein paar Jahren gefastet, das war mir zu langweilig. Ich wollte dieses Jahr auf etwas verzichten, das mir wirklich fehlen wird. 

Die Regeln sind einfach: Mit keiner Frau reden, keine Frau anschauen, keine Facebook-Profile anschauen, keine WhatsApp-Nachrichten beantworten. Ich darf nicht einmal an Frauen denken. Ich habe mir nach ein paar Tagen noch mehr Regeln ausgedacht. In den letzten beiden Fastenwochen durfte ich keine Pornos anschauen und in der letzten Woche nicht mehr masturbieren. Das ist wie ein Kick für mich.

Zu Beginn ist mir der Verzicht sehr schwer gefallen und ich musste mich mit Arbeit ablenken. Aber mittlerweile ist es viel einfacher geworden und ich denke nicht mehr oft an Frauen. Ich habe dadurch erst gemerkt, wie oft ich Frauen hinterher schaue, mit ihnen flirte und wie viel sich in meinem Leben um sie dreht.

Mir ist bewusst, dass ich Frauen dadurch diskriminiere. Eigentlich bin ich ein total freundlicher und offener Mensch und ich hoffe, dass ich Frauen durch mein Fastenprojekt mehr wertschätzen kann. Ich war während der Faschingszeit viel feiern. Ich bin ständig in einer anderen WG aufgewacht und wusste nicht, wie ich dorthin gekommen bin und bin dann einfach abgehauen. An einem Abend habe ich mit vier Mädels rumgeknutscht. Da wollte ich dann einen Schlussstrich ziehen. Die meisten Frauen denken gerade von mir, dass ich ein Frauenheld bin, dabei stimmt das nicht. Ich hatte sechs Jahre lang eine Freundin.

Für mich ist das ein Experiment. Ich möchte wissen, wie sehr mir der Kontakt zum anderen Geschlecht fehlt. Ich merke mittlerweile schon, dass ich mich sehr verändert habe. Beim Feiern unterhalte ich mich jetzt mit Freunden. Das habe ich sonst nie gemacht. Das Interesse an Frauen hat sich deutlich abgebaut. Das finde ich gut.

Nach dem Fasten möchte ich langsam beginnen, wieder mit Frauen zu reden. Ich möchte das nicht überstürzen.“

Veronica, 23, fastet Fleisch und Süßigkeiten:

„Ich faste jedes Jahr von Aschermittwoch bis Karsamstag. Für mich, als Christin, ist das die Zeit, in der ich an die Passion Christi denke und mich vor allem auf die Auferstehung am Ostersonntag vorbereite. Die sechs Wochen spiegeln die Zeit wieder, die Jesus in der Wüste verbracht und dort gefastet hat.

Fasten ist für mich ein Weg, inneren Frieden und Glück zu finden. Es bedeutet für mich, Gott näher zu kommen und wahre Freude zu finden.

Das Fasten kann aber manchmal echt schwer fallen, vor allem am Anfang, da ist die Versuchung groß. Aber wenn man die beseitigt, ist das Gefühl umso besser. Oft hilft mir die Fastenzeit auch über die Dinge hinweg, die zwischen mir und Gott stehen. Und wenn es wirklich schwer ist und die Versuchung groß ist, ist es am besten, sich abzulenken und zu beschäftigen.

Ich faste jedes Jahr Süßigkeiten, genauer gesagt Schokolade, weil Ostern sonst nichts Besonderes ist – zu Ostern schmeckt Süßes dann viel besser. Das Süßigkeiten-Fasten habe ich natürlich aus meiner Kindheit mitgenommen. Dieses Jahr habe ich auch auf Fleisch und Fisch verzichtet, weil mir das so gut schmeckt. Es ist mir extrem wichtig etwas zu fasten, was mir wirklich fehlt und es wäre schön gewesen, wenn ich es geschafft hätte das Rauchen aufzugeben, das ging aber in der stressigen Uni-Phase nicht.

Ich finde es wichtig, sich in der Fastenzeit nicht auf das Fasten zu fokussieren, sondern auf den tieferen Sinn. Es hilft, um auf nüchterne Gedanken zu kommen.

Man will sich verbessern und die Freundschaft zu Jesus stärken. In der Fastenzeit geht es im Essentiellen ja nicht um die Disziplin des Fastens oder darum etwas aufzugeben, denn vorübergehendes Verlangen nach Schokolade oder Fleisch ist nicht einmal annähernd ähnlich zu dem Leiden, das Jesus für uns erduldet hat.

Die Fastenzeit soll mich meinen Schwächen gegenüberstellen und mir dadurch zeigen, dass ich Jesus Tag für Tag brauche. So komme ich ihm durch das tägliche Gebet um Hilfe und Stärke und durch die Heilige Messe immer näher. Ich möchte das Geld, das ich für Fleisch, Fisch oder Dinge für mich selbst ausgeben würde, für eine gute Sache spenden oder sparen.

Ich bestrafe mich nicht, wenn ich mal einen Ausrutscher habe, denn Gott ist barmherzig und ich bin nur ein Mensch. Sonntags darf man sich mal was gönnen und denkt an die Auferstehung. Ich haue aber ungerne beim Essen rein, weil es dann Montags umso schwerer ist, wieder ins Fasten reinzukommen. Auf den Ostersonntag freue ich mich schon seit Aschermittwoch, denn der ist bei uns in der Familie riesengroß und ein super schönes Fest.“

Katharina, 38, machte Heilfasten:

„Ich habe Heilfasten gemacht. Das macht man bis zu 14 Tage. Da isst man dann wirklich gar nichts und nimmt in der Zeit nur Wasser zu sich. Es gibt verschiedene Fastenkuren für verschiedene Gründe. Ich habs gemacht, weil ich viele Allergien habe und es heißt, dass das gut dagegen ist. Hat bei mir aber nicht geholfen.

Beim Heilfasten isst man nach und nach weniger und dann irgendwann gar nichts mehr. Und das hält man dann aus, so lange wie man es eben aushält. Man soll aber mindestens fünf Tage wirklich gar nichts essen. Einmal am Tag darf man ein bisschen Gemüsesaft trinken, das hat aber mit einer Suppe nichts zu tun, das ist einfach ausgekochtes Gemüse. Bevor man das anfängt, muss man ein Abführmittel nehmen, und dann ist man komplett leer und hat überhaupt keinen Hunger. Es ist schwierig, sich das vorzustellen, aber es stimmt.

Hinterher muss man sich langsam wieder rantasten. Wenn man so lange nichts gegessen hat, kann man natürlich nicht mit Schweinebraten weitermachen, sondern dann gibt’s eben, bei der Kur, die ich gemacht habe, das Fastenbrechen. Das ist ein gedünsteter kleiner Apfel. Hört sich total langweilig an, kann aber das beste Essen der Welt sein.

Erstaunlicherweise ist man total fit und hat viel Energie– ich weiß, das kann man sich nicht vorstellen. Nach sieben Tagen musste ich aufhören, weil ich so stark abgenommen hatte. Bei mir hat das nichts mit Fastenzeit im christlichen Sinne zu tun. Das Heilfasten kann man immer machen. Es gibt Leute, die das viermal im Jahr machen.

Ich will es gerne wieder machen, weil man sich dadurch wahnsinnig gut fühlt. Man ist wie neu, wenn man anfängt, wieder zu essen und man schmeckt anders. Das letzte, was man tun würde, ist eine Tafel Schokolade aufzureißen und die aufzuessen. Man hat dann an einem ganz normalen, einfachen, gesunden Essen so eine wahnsinnige Freude, dass man diese ganze Industriekacke eine ganze Weile lang nicht mehr in sich reintun will. Man fühlt sich so sauber und aufgeräumt. Ich kann die Aspekte des Fastens von Aushalten und Etwas-wieder-zu-schätzen-wissen sehr gut nachvollziehen. Alkohol zu fasten fände ich aber zum Beispiel deutlich schwieriger. Das ist aber, finde ich, auch ein Frauenproblem: Da muss man sich permanent rechtfertigen, warum man keinen Alkohol trinkt.“

Alexander, 22, fastet Computerspiele:

„Es gibt ein Spiel, League of Legends, das ich die letzten zwei Jahre viel zu exzessiv gespielt habe. Darauf verzichte ich jetzt. Dass das mit der Fastenzeit zusammenfällt, war eher Zufall. Ich hatte mir auch kein Limit gesetzt, denn das eigentliche Ziel für mich ist, dieses Spiel nie wieder zu spielen.

Ich ,faste‘ also, weil ich an diesem Computerspiel viel zu viel Zeit vergeudet habe, die ich so viel besser hätte nutzen können. Wirklich verzichten tue ich seit einem Monat, das läuft wirklich ganz gut, weil ich es konsequent geschafft habe in dieser Zeit kein einziges Computerspiel zu spielen.

Ich habe auch versucht, andere Sachen zu fasten. Speziell Filme, weil ich die viel zu viel schaue. Das heißt Youtube, Netflix und so weiter. Das habe ich aber nie so stark durchgezogen, denn ich finde ein bisschen Rumtrödeln im Internet kann man immer.

Im Alltag merke ich einen klaren Unterschied, da bin ich viel ausgelassener. Als ich noch gespielt habe, habe ich das teilweise 12 Stunden am Tag gemacht – dann vergeht die Zeit immens schnell – plötzlich ist der ganze Tag rum und man denkt: ,Wow, ich hätte diesen Tag so viel produktiver nutzen können.‘ Und wenn man dann ins Bett geht, ist man auch nicht ausgeruht, weil es für das Gehirn sehr anstrengend ist, das zu spielen. Am schlimmsten ist eigentlich der Sucht-Faktor. Ich fühle mich viel besser, weil ich jetzt ausgelasteter und glücklicher bin.

Ich würde die Fastenzeit auf jeden Fall wieder machen, wenn das mit dem Aufhören nicht klappt. Es ist jetzt schon das fünfte oder sechste Mal, dass ich es versuche. Ich habe mindestens schon viermal meine Maus weggeschmissen und bestimmt zehn Mal dieses Spiel gelöscht und dann doch wieder heruntergeladen, weil mir so langweilig war oder ich nicht wusste, was ich sonst machen soll mit meiner Zeit. Dann dachte ich immer: ,Ok, du machst das jetzt kurz.‘ Aber dann hat es mir wieder ein paar Tage meines Lebens weggenommen. Da bin ich auch nicht stolz drauf, aber jetzt bin ich umso glücklicher, dass ich das hoffentlich endlich mal hinter mir gelassen habe.“

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