Ein Burger hilft natürlich beim Zunehmen. Aber ist er auch das Richtige, wenn man gesund zunehmen will?

Ein Burger hilft natürlich beim Zunehmen. Aber ist er auch das Richtige, wenn man gesund zunehmen will?

Foto: przemekklos / photocase.de

Anfang des Jahres sind die Fitness-Studios traditionell voll mit Menschen, die mal wieder was für ihren Körper tun wollen. Die meisten, die sich an den Maschinen abrackern, haben denselben Wunsch: Sie wollen ein bisschen bis sehr viel abnehmen. Manche Menschen aber haben das entgegengesetzte Problem: Sie wollen zunehmen, weil sie zu dünn sind. Manchmal aus ästhetischen Gründen, aber oft auch einfach, um fitter und leistungsfähiger zu werden. Allerdings ist dieses Vorhaben oft schwieriger, als es klingt.

Monika Bischoff ist Diplom Ökotrophologin und arbeitet als Ernährungsberaterin im Münchner Krankenhaus Barmherzige Brüder. Zu ihr kommen Menschen, die ihre Ernährung umstellen wollen oder müssen. Zum Beispiel aufgrund einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder weil sie stark übergewichtig sind. Manchmal kommen auch Menschen zu ihr, die sich zu dünn fühlen. Mit denen erarbeitet sie dann einen Plan, der ihnen dabei helfen soll, dauerhaft und gesund Gewicht zuzunehmen.

Zunächst einmal schickt Bischoff diese Menschen jedoch zu einem Arzt. Der muss ausschließen, ob der Patient nicht vielleicht schwer erkrankt ist oder es eine andere organische Ursache für das Untergewicht gibt, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion. Bei einer solchen Überfunktion sind die Betroffenen häufig stark untergewichtig, egal, wie viel sie essen, weil ihr Kalorienverbrauch sehr viel höher ist. Das kann man aber mit Medikamenten regulieren.

Sobald organisch alles abgecheckt ist, bekommen Bischoffs Patienten eine Hausaufgabe: Sie müssen ein Ernährungsprotokoll anlegen. „Man muss sich immer das Essverhalten anschauen, und so ein Protokoll gibt sehr gut Aufschluss darüber, wie sich jemand ernährt.“ Anhand dieses Protokolls sieht Bischoff, ob ihr Patient genug Kalorien zu sich nimmt, ob darunter auch genügend Proteine sind und welchen Stellenwert das Essen für diesen Menschen hat. Denn viele untergewichtige Menschen haben kein besonders großes Interesse an Essen, es bereitet ihnen keine Lust, sondern ist eher eine lästige Aufgabe, die sie erledigen müssen.

Die Dünnen sind vom Aussterben bedroht

Es gibt tatsächlich Menschen, die essen können, so viel sie wollen, und trotzdem spindeldürr bleiben. Das sind die schlechten Futterverwerter. „Evolutionsbedingt sind die allerdings vom Aussterben bedroht. Denn in früheren Zeiten haben sie den Winter oft nicht überlebt. Adipöse Menschen haben von den Genen her eine bessere Ausstattung. Aber ein paar von der Sorte gibt es natürlich noch – meist Männer, die berühmten Spargeltarzane“, sagt Frau Bischoff.

Doch die meisten untergewichtigen Menschen nehmen einfach nicht genug Kalorien zu sich, um zuzunehmen. Das muss aber kein Problem darstellen, sagt Monika Bischoff: „Wenn diese Menschen sich gesund fühlen und leistungsfähig sind, dann hat das keine negativen Folgen. Wenn jemand aber sehr wenige Kalorien isst, dann muss man schon schauen, ob auf Dauer genug Nährstoffe aufgenommen werden. Zum Beispiel Eiweiß oder Kalzium. Wenn das nicht der Fall ist, besteht die Gefahr, dass diese Menschen im Alter Osteoporose entwickeln. Im Extremfall kann es auch sein, dass bei solchen Menschen das Gehirn unterversorgt ist, wenn sie zum Beispiel zu wenig Omega-3-Fette zu sich nehmen.“

All diesen Menschen kann geholfen werden, wenn sie ihre Ernährung ein bisschen umstellen. Monika Bischoff hat einige einfache Regeln, nach denen sich solche Menschen ernähren sollten: „Ich empfehle, gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen, die eine hohe Nährstoff- und Energiedichte haben. Das sind zum Beispiel Nüsse, Öle oder Joghurt mit einer hohen Fett-Stufe.“

Sie rät Menschen, die gezielt zunehmen wollen, fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen. Die zusätzliche Menge an Kalorien muss dabei gar nicht so groß sein. 200 bis 300 Kalorien mehr am Tag reichen völlig aus. Wer normalerweise zwei Esslöffel Haferflocken am Morgen isst, kann einfach einen dritten nehmen. Oder einen zusätzlichen Esslöffel Öl in den Salat gießen. „Wichtig ist allerdings, dass man nicht so wahnsinnig viel Volumen zu sich nimmt, also nicht bergeweise Gemüse in sich hinein futtert, weil das schnell satt macht, ohne die benötigten Kalorien zu liefern.“

Sich darauf zu verlegen, nur noch Hamburger und Schokolade und Kekse zu essen, würde Frau Bischoff nicht empfehlen: „Das kann man natürlich schon machen, aber das Ziel ist ja, gesund zuzunehmen und Muskelmasse aufzubauen.“

Deshalb empfiehlt sie dünnen Menschen, Sport zu treiben, auch wenn das erst einmal kontraintuitiv klingt – denn beim Sport werden ja Kalorien verbrannt. „Sport ist immer gut, schon alleine für das Körperbewusstsein.“

Wenn man trotz der vielen Mahlzeiten immer noch nicht zunimmt, kann der Hausarzt auch hochkalorische Trinknahrung verodnen. Das sind Getränke in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die man in der Apotheke kaufen kann.

Nach einigen Wochen dieser Spezialdiät sollte sich der Körper dann in Richtung Wunschgewicht verändert haben. Und wenn nicht, hat man immerhin einen kleinen Trost:  Man ahnt, dass man zu einer seltenen Gattung gehört – den Spargeltarzanen und Spargeljanes. 

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