Horror-Urlaub: Lost in Laos

Manchmal wird der ersehnte Urlaub zum Horror-Trip. In dieser Serie erzählen wir davon.

Illustration: Julia Schubert

Urlaubszeit: Frühjahr 2016

Urlaubsziel: Südostasien

Horror-Stufe: 7 von 10

„Während meiner Weltreise hatte ich im vietnamesischen Hanoi ein Mädchen aus Frankreich kennengeIernt. Wir verstanden uns auf Anhieb gut, allerdings wollte ich weiter nach Kambodscha reisen, sie hingegen nach Laos. So trennen sich unsere Wege zunächst. Später schrieb mir allerdings besagte Französin, dass sie mit einer Freundin in Nordlaos, genauer in Vang Vieng wäre, und ob ich nicht doch dazukommen wolle. Da überlegte ich natürlich nicht zwei Mal und kaufte mir ein Busticket von Siem Reap in Kambodscha nach Vang Vieng. Dies ist eine untypische Route. Die meisten Reisenden aus Kambodscha bereisen Laos von Süden nach Norden, nicht umgekehrt. Insgesamt sollte die Reise etwa einen Tag dauern, im südlaotischen Pakse sollte ich umsteigen. 

Jedoch gab es bereits zu Beginn der Reise mehrere Komplikationen. Noch in Kambodscha hielt der Bus mehrfach bei irgendwelchen Restaurants und fuhr dann einfach ohne uns weiter. Die meisten meiner Mitreisenden waren wie ich Touristen, uns wurde nur mitgeteilt, dass wir warten sollen. So verbrachten wir teilweise mehrere Stunden in der Ungewissheit, wann und ob es weitergehen würde. Zum Sonnenuntergang erreichten wir schließlich die kambodschanisch-laotische Grenze, die sich interessanterweise einfach mitten im Nirgendwo befand, ohne Dorf oder Stadt drumherum. 

Der Busfahrer ließ uns an der kambodschanischen Seite raus und erzählte, dass heute ein besonderer Feiertag sei, weswegen wir unsere Visa nicht wie üblich selbst an der Grenze beantragen könnten, dies müsse er für uns erledigen.

„Bekämen wir keine Visa, wäre das unser Problem und nicht seins“

Da diese Art von Abzocke leider recht häufig in Südostasien vorkommt, erwiderten wir, dass wir von einem Feiertag nichts wüssten und unsere Visa schon selbst beantragen könnten. Daraufhin wurde der Busfahrer recht hitzig, meinte aber am Ende, er würde auf der laotischen Seite auf uns warten. Bekämen wir keine Visa, wäre das unser Problem und nicht seins.

Tatsächlich verlief die Ausreise aus Kambodscha unproblematisch. Bei der Einreise nach Laos wollten die Grenzbeamten allerdings auf einmal eine sogenannte „Stempelgebühr“ haben, von der wir wussten, dass sie nicht existiert. Um uns Ärger zu ersparen, bezahlten wir die „Gebühr“ von umgerechnet etwa einem Euro und trafen unseren Busfahrer auf der laotischen Seite wieder.

Nach einer kurzen Weiterfahrt sollten alle bis auf mich aussteigen – ich wollte ja weiter nach Norden.  Nachdem der Busfahrer alles Gepäck entladen hatte, kam er zurück zu mir in den Bus, fuhr allerdings nicht weiter. Als ich nachfragte, erklärte er mir, dass wir meinen Anschluss in Pakse eh nicht mehr bekommen würden, der nächste dort würde erst am nächsten Morgen fahren. 

„Nach einer kurzen, recht hitzigen Diskussion fuhr er weiter an einen Ort, den ich nicht kannte“

Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Ich beschwerte mich bei ihm, dass ich nach Vang Vieng wolle und dafür ein gültiges Ticket habe. Gleichzeitig wurde mir aber schnell klar, dass ich an der Situation jetzt nichts ändern konnte. Nach einer kurzen, recht hitzigen Diskussion fuhr er weiter an einen Ort, den ich nicht kannte. Es stellte sich aber heraus, dass dies sein Heimatdorf war, in dem er lebte. Widerwillig gab er mir ein verdrecktes Zimmer ohne Fenster mit 30 Grad Raumtemperatur, in dem Echsen und Insekten hausten. Für die Übernachtung verlangte er umgerechnet zwölf Euro, was in Laos tatsächlich relativ viel ist. Zum Vergleich: Eine Nacht im Hostel kostete damals ungefähr die Hälfte.

Wir fingen erneut an zu streiten, ich sah es überhaupt nicht ein, für etwas zu bezahlen, das ich gar nicht hatte haben wollen. Glücklicherweise kam irgendwann seine Frau dazu und trennte uns. Mit Gestik und Mimik gab sie mir zu verstehen, dass ich nichts bezahlen müsse und der Busfahrer mich am nächsten Tag nach Pakse fahren und mir ein Ersatzticket ausstellen würde. Zusätzlich gab mir seine Frau noch etwas zu essen, sie war wirklich sehr nett.  

Jedoch hatte ich allerdings immer noch das Problem, dass ich in diesem Zimmer nicht schlafen konnte und wollte. Also nahm ich meine Tasche und nächtigte vor dem Haus an der frischen Luft. Immerhin schaffte ich es, die Französin zu kontaktieren. Ich schrieb ihr, dass ich aufgrund unvorhergesehener Umstände einen Tag später in Vang Vieng ankommen würde (Originaltext : You won't believe what happened to me, but...).

In dieser Nacht drückte ich natürlich kein Auge zu und ich fragte mich, wie ich es geschafft hatte, in dieser Situation zu landen. Am nächsten Morgen fuhr mich der Busfahrer dann tatsächlich weiter nach Pakse und stellte mir ein kostenloses Ersatzticket aus. Am Ende kam ich nach zweieinhalb Tagen Reise in Vang Vien an und sah die Französin auch tatsächlich wieder. Wir reisten gemeinsam zwei Wochen durch Laos und hatten eine wunderschöne Zeit, im Nachhinein war es die Strapazen also absolut wert gewesen. Später traf ich noch andere Backpacker, die genau die selbe Route gefahren sind, wie ich. Von denen ist allerdings niemandem so etwas passiert.“

Dieser Text wurde uns über Facebook von Akram zugeschickt. Hast du auch einen Horror-Urlaub, von dem du erzählen möchtest? Dann schreib uns über info@jetzt.de, via Facebook oder Instagram.

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