Horror-Urlaub: Blasenentzündung am See

Manchmal wird der ersehnte Urlaub zum Horror-Trip. In dieser Serie erzählen wir davon.
Von Melanie Maier

Illustration: Julia Schubert

Urlaubszeit: Sommer 2004

Urlaubsziel: Gardasee

Mitfahrer*innen: der damalige Freund

Horror-Stufe: 7 von 10

Auf Englisch wird eine Blasenentzündung auch „Honeymoon Disease“ genannt. Die Flitterwochen-Krankheit – das klingt fast schon wildromantisch. Nur war Sex leider nicht der Grund für die Blasenentzündung, die ich mir 2004 am Gardasee geholt habe. Sondern ganz einfach Dummheit.

Mein damaliger Freund und ich waren campen. Wir hatten unser Zelt in Torbole aufgeschlagen, auf einem Platz direkt am Seeufer. Der Tag, der meine zweimonatige Tortur auslösen sollte, begann eigentlich ganz schön: Nach dem Frühstück waren wir eine Runde schwimmen, danach spielten wir auf dem Klapptisch vor unserem Zelt ungefähr zehn bis 20 Runden Backgammon.

Mein Fehler: Ich hätte etwas Trockenes anziehen sollen. Nicht mal fünf Minuten hätte das gedauert. Stattdessen wickelte ich mir ein Handtuch um das nasse Höschen, würfelte gutgelaunt, versetzte Spielsteine. Am Abend begannen die Schmerzen. Ich rannte ständig aufs Klo, selbst wenn ich gar nicht musste. Es fühlte sich jedes Mal so an, als wäre es echt dringend.

„Das Pinkeln brannte, als würde ich extra scharfe Tabascosauce urinieren“

Ich war mir sicher: Morgen ist alles wieder gut. Ich hatte ja keine Ahnung. Ich hatte vorher noch nie eine Blasenentzündung. Am nächsten Tag war alles noch viel schlimmer. Das Pinkeln brannte, als würde ich extra scharfe Tabascosauce urinieren.

Da es auch am Tag darauf nicht besser wurde, ging ich zum Arzt. Der verschrieb mir ein Mittel, das noch nicht auf dem Markt war, aber sehr gut sein sollte. „Molto bene“, sagte er. Die Pastillen waren grün, rau und riesig. Ich konnte sie kaum schlucken. Zwei bis drei Tage könne es schon dauern, bis die Schmerzen besser würden, ließ der Arzt mich wissen. Ich wartete. Saß am Ufer, während mein Freund im Wasser planschte, ging so selten auf Toilette wie möglich, trank Wasser, literweise.

Trotz heftiger Unterleibsschmerzen quälte ich mich zum Wandern und – wieder nicht die schlaueste Entscheidung – in einen Wasserpark. Von dem bisschen Blasenentzündung wollte ich mir nicht den Urlaub vermiesen lassen. Also schwamm ich um künstliche Inseln, sonnte mich, rutschte Rutschen hinunter. So lange, bis ich auf einer steilen Rampe ein, zwei Meter durch die Luft flog und bei der Landung unsanft aufs Steißbein knallte. Der Schmerz war intensiv und stechend, aber immerhin schnell wieder vorbei.

„Sollen wir nicht heimfahren?“

Die Schmerzen von der Blasenentzündung blieben. Auch nach vier Tagen wurde es nicht besser. Und das, obwohl ich die grünen Pastillen dreimal täglich gewissenhaft hinunterwürgte.

Mein Freund und ich beschlossen, uns ein Zimmer in einem Hotel zu nehmen. Wenigstens wäre die Toilette dann ein bisschen näher als auf dem Campingplatz. Schon im Auto krümmte ich mich vor Schmerzen. Im Zimmer blieb ich in der Embryonalstellung auf dem Bett liegen. An Wanderungen und Wasserparks war nicht mehr zu denken.

„Sollen wir nicht heimfahren?“, schlug mein Freund vorsichtig vor. Ich wollte nicht. Wollte dem Brennen und Stechen nicht nachgeben, wollte uns die Ferien nicht ruinieren. Nach zwei weiteren Tagen fügte ich mich. Es hatte keinen Sinn mehr und war zu anstrengend, weiter gute Laune zu mimen.

Akutes Nierenversagen war kein unrealistisches Szenario mehr

In Deutschland ging ich direkt zu meiner Hausärztin. Sie verschrieb mir Antibiotika. Die grünen Pastillen sollte ich nicht mehr einnehmen. So viel zu „molto bene“. Nach einer Woche waren die Schmerzen fast weg. Ich konnte die Antibiotika absetzen und dachte, das Schlimmste sei vorüber.

Doch die Blasenentzündung ließ sich nicht so leicht abschütteln. Zwei Monate lang kam und ging sie, immer wieder. Während einer besonders schmerzhaften Episode ging ich erneut zur Ärztin, die mich nach einer Urinprobe sofort ins Krankenhaus einwies. Die Werte waren so schlecht, dass ein akutes Nierenversagen kein unrealistisches Szenario mehr war.

So weit kam es zum Glück aber nicht. Ich musste nur ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, bekam Flüssigkeit injiziert und neue Tabletten verschrieben. Komplett symptomfrei war ich allerdings erst Monate später. Versteht sich von selbst, dass ich seit diesem Urlaub beim Schwimmen immer einen Wechsel-Bikini dabei habe.

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