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Foto: Inga Kjer / dpa

An diesem Wochenende wird im niedersächsischen Oldenburg der erste Grünkohl-Weltmeister gekürt. Ja richtig, eine Jury bewertet, wie kreativ und originell die 21 Teilnehmer ein Essen aus Grünkohl zubereiten. Das Winter-Gemüse, das klassisch mit Pinkel-Wurst serviert – und jetzt immer mehr von Hipstern entdeckt wird. Mit der WM haben die aber gar nichts zu tun. Ein Anruf bei Veranstalter Tilmann Pröllochs.

jetzt: Herr Pröllochs, haben Sie für die WM sämtliche Grünkohl-Bestände der Umgebung aufgekauft?

Tilmann Pröllochs: (lacht) Ich kann die Bevölkerung Nidersachsens beruhigen: Man kann auch trotz unserer Veranstaltung am Wochenende noch ausreichend Grünkohl bekommen. Der Sinn unseres Wettbewerbs zielt ja sowieso nicht auf Massen-Zubereitung ab.

Warum veranstaltet man denn eine Grünkohl-Weltmeisterschaft?

Der Wettbewerb ist die charmante Idee eines Zusammenschlusses ehrenamtlicher und kreativer Oldenburger, die ihre Heimat etwas bekannter machen wollen.

Was hat Grünkohl mit Oldenburg zu tun?

Na alles! Wir sind die "Kohltourhauptstadt". Hier ist es eine sehr beliebte Traditionen, Grünkohl-Touren zu machen. Da geht man mit seinen Freunden und einem Bollerwagen spazieren.

... und zieht da den Grünkohl hinter sich her?

(lacht) Nein, im Wagen befinden sich feingeistige Getränke. Wenn man dann richtig schön durchgefroren ist, kehrt man in einer der vielen Gaststätten ein und isst Grünkohl mit Pinkel, der groben Schweinswurst. 

Dieses Gericht soll dann auch bei der WM zubereitet werden?

Nein! Würde auch viel zu lange dauern, man müsste den Grünkohl lange einkochen. Unsere Teilnehmer haben aber nur 40 Minuten Zeit zum Kochen. Sie sollen kreative und innovative Gerichte zaubern.

Grünkohl mit Pinkel

Grünkohl mit Pinkel

Foto: imago

Wie "kreativ und innovativ" lässt sich Grünkohl überhaupt zubereiten?

Sehr sogar. Mein Lieblingsgericht zum Beispiel ist ein Salat aus Grünkohl, den man dafür blanchieren muss, um den Blättern ihre Härte zu nehmen. Orangen reinschneiden und schon hat man einen herrlich fruchtig-erfrischenden Salat.

 

Sieht man sich Ihre Teilnehmerliste an, scheint der Grünkohl nicht nur Niedersachsen, sondern weltweit Menschen zu schmecken. Die 21 Bewerber kommen zum Beispiel aus den USA, Libanon, Brasilien und dem Kongo?

Wir haben eben großen Wert auf ein internationales Starterfeld gelegt. Aber zugegeben: Die Teilnehmer haben schon alle einen deutschen Wohnort. Aber internationale Wurzeln! Und gerade in den USA wird Grünkohl gerade auch gefeiert. Haben Sie von "50 Shades of Kale" gehört?

 

Nein.

Ein ganz tolles Kochbuch mit lauter Grünkohl-Rezepten aus den USA.

 

Was macht ein US-Amerikaner denn mit einem hauptsächlich deutschen Gemüse?

Beweisen, dass er mehr als nur Pommes und Burger zubereiten kann, zum Beispiel.

 

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum hierzulande Grünkohl hauptsächlich in Norddeutschland gegessen wird? Bei uns im Süden kennt das kaum jemand.

Dafür habe ich leider keine Erklärung. Aber wir hoffen, dass der Grünkohl durch unsere Weltmeisterschaft seinen internationalen Siegeszug weiter nehmen wird. Vielleicht ja auch bis in den Süden. Genügend Pflanzen haben wir hier, wir können noch jede Menge exportieren!

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