6000 Euro Brutto für die selbstständige Hundetrainerin

Jana leitet eine Hundeschule – sie ist täglich acht Stunden draußen unterwegs.
Foto: Sandra Vergien / natürlichfoto / Illustration: jetzt

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Was Hundetrainer:innen machen

Wir Hundetrainer:innen sind oft Dolmetscher:innen zwischen Hund und Mensch. Zum Beispiel, wenn der Hund stark an der Leine zieht. Dann treffen wir uns und erarbeiten gemeinsam Lösungen, damit meine Kund:innen ihren Alltag wieder entspannt bestreiten können und ihr Hund und sie ein Team. Außerdem beraten wir vor dem Hundekauf, oder helfen bei der Maulkorbauswahl. Manche Trainer:innen bilden auch Jagd-, Hüte-, Schutz-, Assistenz- oder therapiebegleitende Hunde aus.

Wie der Arbeitsalltag aussieht

Ab Mittag biete ich Einzelstunden an, für die ich mich mit den Familien am Hundeplatz, in der Trainingshalle, bei ihnen zu Hause oder im Park treffe. Abends biete ich Kurse für Welpen, Junghunde, fortgeschrittene Hunde und den Hundeführerschein an.

Beim Einzeltraining schaue ich zuerst, wie sich die Hundebesitzer:innen fühlen. Wenn sie wegen eines Streits oder der Arbeit aufgewühlt sind, können wir kein Training machen, weil sich ihre Stimmung auf den Hund überträgt. Anschließend überprüfe ich, ob das geübt wurde, was wir vergangene Stunde besprochen haben. Dann steigere ich den Schwierigkeitsgrad. Ich leite die Hundebesitzer:innen an, wo sie ihre Hände halten, wie sie stehen, wohin sie schauen und wie viel Druck sie ausüben sollen. In der Regel nehme ich die Hunde nicht selbst an die Hand. Manchmal bekommen die Hunde Aufgaben, zum Beispiel um ein Hindernis herumzulaufen.

Um einem Hund das Ziehen an der Leine abzugewöhnen, brauchen wir drei bis fünf Einzelstunden. Bis ein Welpe ein entspannter Alltagsbegleiter ist, circa eineinhalb Jahre. Manchmal stellen wir aber auch fest, dass das Mensch-Hund-Team nicht funktioniert – zum Beispiel, wenn ein Jagdhund nicht jagen soll, oder wenn Besitzer:innen zu große Angst vor ihrem Hund haben.

Welche Eigenschaften Hundetrainer:innen brauchen

Man muss Menschen sehr gerne mögen – noch mehr als Hunde. Weil Hunde für manche ein Kinderersatz sind, sollte man empathisch und geduldig sein. Man muss aber auch für seine Meinung einstehen können. Dadurch, dass Hundebesitzer:innen viel selbst lesen oder auf Youtube nachschauen, braucht man eine gewisse Standfestigkeit. Zum Beispiel behaupten manche, dass man stehen bleiben sollte, wenn der Hund an der Leine zieht. Aber das funktioniert in der Regel nicht. Wir sind Mutmacher:innen und oft vertraute Personen für unsere Kund:innen. Manchmal erzählen sie uns sogar familiäre Probleme, beispielsweise, dass sie sich wegen des Hunds streiten. Dann geben wir auch Tipps, wie man damit umgeht.

Wie ich Hundetrainerin geworden bin

Ich hatte schon als Kind zwei Hunde: einen Collie und eine deutsche Schäferhündin. Da ich während meiner Ausbildung zur Chemielaborantin keine Hunde haben konnte, war ich jeden Tag ehrenamtlich im Tierheim, um dort Gassi zu gehen. Später habe ich bei der Vermittlung geholfen. 2012 war ich auf einer Fortbildung von zwei Hundetrainerinnen. Die haben mich sehr beeindruckt, weil sie so viel über Hunde wussten. Ich informierte mich über sämtliche Ausbildungen für Hundetrainer:innen – allerdings konnte ich sie mir nicht leisten. Denn diese kosten je nach Dauer 4000 bis 15 000 Euro.

Ein Jahr später haben mein Mann und ich uns zwei eher schwierige Hunde geholt. Von da an habe ich viele Seminare von Hundetrainer:innen besucht. Eine Facebook-Bekanntschaft hat mir schließlich von einer Ausbildung mit Stipendium erzählt. Darauf habe ich mich 2017 beworben und ein Teilstipendium bekommen. Nach der Ausbildung war ich erst nebenberufliche Hundetrainerin. Als ich die Szene nach und nach besser kennenlernte, merkte ich, dass aggressive Hunde in vielen Hundeschulen nicht gern gesehen sind. Und das, obwohl es genau dafür einen großen Bedarf gibt. Daher habe ich meine Hundeschule gegründet, die langsam gewachsen ist. Vergangenes Jahr fiel die Entscheidung, nur noch das Hundetraining weiterzumachen und meinen Teilzeitjob als Chemielaborantin zu kündigen.

Pro Woche trainieren wir nun etwa 100 Hunde aller Rassen – von Chihuahuas bis hin zu deutschen Doggen. Etwa die Hälfte davon ist verhaltensauffällig. Einige greifen Radfahrer:innen und Jogger:innen an, manche lassen Gäste nicht aufs Grundstück und wieder andere verteidigen ihr Futter vor den Besitzer:innen. Vor diesen Hunden habe ich einen gesunden Respekt, aber keine Angst.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Für die meisten Menschen sind Hunde eine Freizeitbeschäftigung. Für mich sind sie aber meine Arbeit. Natürlich ist es schwierig, wenn ich abends mit Freund:innen zusammensitze, die Hunde haben, denn immer wieder kommen Fragen wie: „Mensch, Jana, was kann man da machen?“. Oft erhalte ich spätabends auch Whatsapp-Nachrichten von Kund:innen. Samstags ist außerdem ein Haupttag im Hundetraining, weil die Leute an diesem Tag Zeit haben. Möchte ich mich mit meiner Familie oder Freund:innen am Wochenende treffen, kann ich erst ab Samstagabend. Und wenn ich mit meinen Hunden unterwegs bin, schaue ich immer, ob ich alles so mache, wie ich es anderen erkläre.

Was die größten Herausforderungen sind

Das Wetter ist ziemlich anstrengend. Oft ist es kalt und nass. Als Hundetrainerin bin ich sieben bis acht Stunden am Tag draußen. Keine Jacke und kein Schuh halten so lange durch. Nicht zu unterschätzen sind auch alle Aufgaben: Ich bin nicht nur Hundetrainerin, sondern auch Buchhalterin, Marketingprofi und Social-Media-Expertin. Außerdem ist es sehr schwierig, einen Standort für eine Hundeschule zu finden. Man darf nicht direkt in eine Ortschaft, weil die Hunde bellen. Man darf aber auch nicht ins Außengebiet, weil da oft kein Zaun aufgestellt werden darf, wenn man keine Landwirtschaft betreibt.

Was ich auf Partys immer gefragt werde

„Kann man davon leben?“, fragen viele. Für sie ist mein Beruf ein Hobby. Die wissen nicht, dass das ein Vollzeitjob sein kann. Dann lächle ich und sage: „Ja“. Als Chemielaborantin hat mich das nie jemand gefragt. Von meiner Haupttätigkeit erzähle ich oft, aber ich möchte nicht die ganze Nacht über Hunde reden, weil ich mich tagsüber schon acht Stunden mit ihnen beschäftige.

Wie viel man als Hundetrainer:in verdient

Wenn man angestellt ist, verdient man 1200 bis 1600 Euro netto im Monat, je nachdem, ob man in Teilzeit oder Vollzeit arbeitet. Als Selbstständige verdiene ich etwa 6000 Euro brutto. Aber ich muss selbstverständlich Miete und Pacht für den Hundeplatz und die Halle, Stromkosten, Betriebshaftpflicht, mein Auto und Materialien fürs Hundetraining bezahlen. Und auch die Angestellten, Buchhaltung und Steuerberatung kosten Geld. Die Trainingspreise hängen davon ab, ob man ländlich oder städtisch lebt. Ich lebe in der Nähe vom Ballungsgebiet Frankfurt. Daher nehme ich 75 Euro pro Einzelstunde und 20 Euro pro Gruppenstunde.

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