3200 Euro brutto für den Landschaftsgärtner

Leonhard, 22, erzählt in der Jobkolumne von hartnäckigen Klischees und darüber, warum er am liebsten Aufgaben delegiert.
Protokoll von Katharina Forstmair
jobkolumne landschaftsgaertner

Leonhard hat die beste Gesellenprüfung absolviert und mittlerweile auch seinen Meister gemacht.

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Wie der Alltag aussieht

Wir sind Männer und Frauen für alles, was rund ums Haus gemacht werden muss. Wenn wir an einem Neubau ankommen und wieder fahren, ist alles außen herum fertig. Dann ist der Rasen grün, der Baum eingesetzt, die Einfahrt gepflastert und die Terrasse gebaut. Man bezeichnet uns auch als ABC-Gärtner: Asphalt, Beton und Cotoneaster, das ist eine Pflanze, die auch Zwergmispel genannt wird. Viele Leute denken, Gärtner laufen den ganzen Tag mit ihrer Gießkanne herum und setzen Salatpflänzchen ein. Damit wird unsere Arbeit völlig falsch wahrgenommen. 

Wir sind immer mit zwei bis vier Leuten auf einer Baustelle. Wenn wir mit den Kunden alles abgesprochen haben, gehen zuerst die groben Arbeiten los. Da ist abends immer der ganze Garten verwüstet, weil wir alles mit dem Bagger umgegraben haben. Dann wird von unten her aufgebaut, also zuerst gegebenenfalls die Entwässerung, dann die Einfassung für die Einfahrt, dann das Pflaster. Am Schluss kommen der Rasen und die Pflanzen. Wenn wir zu viert unterwegs sind, hat jeder seinen festen Job. Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wer welche Aufgaben am besten und am liebsten macht. Können muss man aber theoretisch alles, weil man auch manchmal alleine auf der Baustelle ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich delegiere am liebsten. Das habe ich schon immer gerne gemacht. Es gibt keine Aufgabe, die ich nicht übernehmen würde, aber natürlich sucht man sich als Chef der Gruppe gerne mal die schöneren Sachen raus, zum Beispiel die Bepflanzung oder ausgefallene Naturstein-Terrassen. Außerdem weiß man irgendwann, wo viel schiefgehen kann. Dann ist es unentbehrlich, selbst mitzuarbeiten. 

Auch wenn ich das ganze Jahr über Arbeit habe, ist Landschaftsgärtner definitiv ein saisonaler Beruf. In der Sommersaison, von März bis November kümmere ich mich hauptsächlich um Neugestaltungen von Gärten von Privathäusern. In dieser Zeit kommt man oft erst heim, wenn es dunkel wird. 200 bis 300 Überstunden sind in dieser Zeit normal. Die kann man dann im Winter abbauen, wenn man nicht so viel Arbeit hat. Mit Resturlaub und Überstunden ist man da manchmal sogar ein bis zwei Monate daheim.

Wie ich Landschaftsgärtner geworden bin

In der Realschule hatten wir einen Berufsinformationstag. Ich habe mir danach Angebote schicken lassen, wo gerade Ausbildungsstellen frei sind. So habe ich mitbekommen, dass die Stadt Rosenheim Landschaftsgärtner ausbildet. Ein guter Bekannter meines Vaters hat einen kleinen Garten- und Landschaftsbaubetrieb, bei dem ich ein Praktikum machen konnte. Am ersten Tag musste ich zehn Stunden lang nur schaufeln. Da habe ich mir gedacht: „Das mache ich nie wieder“. Im Laufe der Woche haben wir dann aber noch Außenanlagen, Terrassen und andere coole Sachen gebaut. Weil das so Spaß gemacht hat, habe ich die dreijährige Ausbildung zum Landschaftsgärtner angefangen.

In der Lehre übernimmt man anfangs eher kleine Dinge wie Sträucher schneiden, Pflaster legen, betonieren und Holzterrassen bauen. Das kann manchmal sehr monoton sein, aber nach einer gewissen Zeit bekommt man viele verschiedene Aufgaben an einem Tag. Arbeitet man für die Stadt, kümmert man sich vor allem um die Parks und die Bepflanzung vor Schulen und anderen städtischen Gebäuden. Mein jetziger Hauptkundenkreis sind vor allem Menschen, die ein neues Haus gebaut haben und eben ihren Garten, ihre Einfahrt und ihre Terrasse gestalten wollen. 

Um die Meisterprüfung im Garten- und Landschaftsbau machen zu können, muss man zwei Jahre als Geselle vorweisen. Es gibt nur zwei Meisterschulen in ganz Bayern und nur eine davon bietet Winterschule an. Das bedeutet, dass ein Jahr Schule auf zwei Winter verteilt ist. In den Sommermonaten kann man so weiterhin arbeiten und Geld verdienen. Die Warteschlange für die Meisterschule ist sehr lang, teilweise wartet man drei bis vier Jahre. Weil ich die beste Gesellenprüfung Bayerns absolviert habe, habe ich direkt ein Stipendium bekommen und die Meisterprüfung vor Kurzem abgeschlossen. Gerade arbeite ich zwar noch 20 Stunden pro Woche im Betrieb weiter. Bald will ich mich aber selbstständig machen.

Die Standardfrage, die mir (vor der Pandemie) auf Partys gestellt wurde

Wenn man den Beruf des Landschaftsgärtners nicht kennt, hat man glaube ich oft das Klischee des Gärtners mit seiner Gießkanne und seinen Salatpflänzchen im Kopf. Das musste ich mir vor allem am Anfang der Ausbildung oft anhören. Mittlerweile weiß aber jeder, der mich kennt, was ich als Landschaftsgärtner mache. Deshalb werde ich extrem oft von Freunden, Verwandten oder Bekannten nach Tipps gefragt. Ich helfe immer gerne. Für mich ist das eine schöne Wiederholung und ich weiß, dass ich den Leuten was Neues erzählen kann. Nervig wird es erst, wenn ich dafür dauernd zu irgendwem nach Hause fahren muss. Dann sollen sie es lieber gleich mich machen lassen.

Das Schöne am Beruf

Man übernimmt als Landschaftsgärtner so viele verschiedene Aufgaben.  Als Kunde kann ich jemanden engagieren, der die Einfahrt pflastert. Der kann dann aber keinen Baum und keine Hecken pflanzen. Da beauftrage ich doch lieber gleich einen Landschaftsgärtner, anstatt drei unterschiedliche Firmen zu engagieren. Außerdem begeistert es mich immer, wenn ich mit der Arbeit fertig bin und sehe, was ich geschafft habe. Wenn ich durch einen Ort fahre und sagen kann: „Schau dir den schönen Garten an, den haben wir gemacht“. Das motiviert mich sehr. 

Die Schattenseiten

Als Landschaftsgärtner ist man das ganze Jahr über draußen, auch bei schlechtem Wetter. Im Winter und bei Regenwetter kann das sehr deprimierend sein, vor allem wenn man es noch nicht gewohnt ist. Das Nervigste sind aber die Gespräche mit schwierigen Kunden. Wenn zum Beispiel jemand sagt: „Ich will einen neuen Hauszugang. Nicht viel Aufwand, einfach nur einen kleines Weglein“. Da steckt aber ein Haufen Arbeit dahinter. Man muss ja erstmal alles ausbaggern, mit neuem Kies auffüllen und die Platten verlegen. Es kostet viele Nerven, wenn man als Fachmann etwas erklärt und das vom Kunden nicht angenommen wird. Und ich muss ich ganz ehrlich sagen, dass anfangs auch das niedrige Gehalt nervt. Wegen des Geldes braucht man die Ausbildung nicht machen. 

Wie viel man als Landschaftsgärtner verdient 

Ich habe am Anfang der Ausbildung 620 Euro auf die Hand gekriegt. Dafür, dass man 40 Stunden pro Woche – plus Überstunden – körperlich hart arbeitet, jeden Tag um fünf Uhr aufsteht und erst heimkommt, wenn es dunkel ist. Wenn man frisch ausgelernt ist, verdient man schon besser, zwischen 2600 und 2800 Euro brutto. Wenn man mit Meistertitel Vollzeit angestellt ist so wie ich, ist man schon bei 3200 Euro brutto, was im Handwerk der Durchschnitt ist. 

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