jobkolumne erschrecker cover
Grafik: jetzt; Foto: Erlebniswelt Grusellabyrinth NRW

Der Job

Ich bin Darsteller im Grusellabyrinth Bottrop und spiele da unheimliche Charaktere. Nebenbei arbeite ich dort auch noch als Assistent für Veranstaltungs- und Bürotechnik. Das heißt, ich baue neue Schockeffekte und überprüfe die Technik. In der Hauptsaison bin ich bis zu fünf Mal die Woche als Darsteller im Labyrinth unterwegs, in der Nebensaison überwiegt dann die Assistententätigkeit.

Der Weg

Vor dreieinhalb Jahren habe ich mich als Student für einen Nebenjob im Labyrinth beworben und auch schnell eine Einladung zum Casting bekommen. Dort wurde uns dann ein Zettel in die Hand gedrückt und wir sollten den Text darauf interpretieren. Anschließend haben wir ein bisschen Improtheater geübt und mussten dabei auf verschiedene Situationen reagieren. Danach wurde ich als Erschrecker und Darsteller in verschiedenen Rollen angenommen. Ich habe beispielsweise als Walking Act die Leute vor dem Eingang bespaßt oder als buckliger Igor den Einlass in die Hauptattraktion gemacht.

Das Kostüm

Wir schminken uns zunächst einmal alle selber. Wenn die Rollen von den Regieassistenten und vom Chef entwickelt wurden, dann bekommen wir eine Einweisung, wie dieser Charakter und das jeweilige Make-Up sein soll. Die Make-Up-Palette wird uns gestellt, wir gehen die Rolle zusammen durch und schminken sie ein paar Mal. Sich selber zu schminken ist gar nicht so schwer, wie man immer denkt. Wir arbeiten viel mit Fett- und Wasser-Make-Up, das ist ein bisschen wie mit Wasserfarbe malen. Man braucht nur etwas Geschick und viel Übung und dann klappt das.

Das Schminken ist dabei je nach Rolle sehr unterschiedlich. Es kann von einer Viertelstunde bis zu einer ganzen Stunde dauern. Eine meiner Rollen: der Alchemist. Der lebt alleine in einer Grotte, verkauft Zaubertränke und ist ein bisschen schizophren. Für die Rolle klebe ich mir verschiedene Maskenteile ins Gesicht: eine Nase, einen Kiefer und sehr wulstige Augenbrauen. Das Kostüm ist sehr korpulent mit einer unglaublich langen Dreadlockperücke. Ich bin 1,85 und die Perücke geht mir bis zum Knie. Es ist also alles sehr aufwendig.

Der Arbeitstag

Ein Arbeitstag sieht so aus, dass ich zunächst ein wenig Bürokram mache, bis ich dann anfange, mich für meine Rolle zu schminken und später im Labyrinth auftrete. Während ich das Make-Up auflege, fühle ich mich auch schon in meine Rolle hinein. Ich verändere mich also nicht nur optisch. Danach begebe ich mich in meinen Showraum und teste, ob alles funktioniert. Dort übe ich auch noch mal kritische Stellen aus meinem Text und dann kommen auch schon die ersten Gästegruppen. Dann legt sich quasi ein Schalter um und ich werde zu dem Charakter, den ich spiele.

Das Erschrecken

Die Leute reagieren sehr unterschiedlich, wenn sie erschreckt werden. Ich habe als Clown einmal eine Frau erschreckt, die mir dann aus Reflex mit der flachen Hand ordentlich auf die Schläfe geschlagen hat. Danach hat sie sich fünf Minuten lang bei mir entschuldigt. Solange die Leute das nur aus Versehen machen, ist das für mich aber kein Problem.

Wir haben auch Schockeffekte, die zielen auf die Füße ab. Da war mal eine ältere Gruppe und jemand sagte: „Elke, pass auf, die grabbeln dir an die Füße!“ Das hat sich so lustig angehört, wie sie das gerufen haben, ein bisschen so wie in einem Werner-Film. Da muss man aufpassen, dass man nicht lacht. Wenn die Leute sich erschrecken, machen sie auch verschiedenste Geräusche, von Schreien bis hin zu super lustigen Lauten. Das ist einfach toll!

Die Motivation

In unserem Team von rund 120 Leuten kennen sich alle und dadurch ist es super familiär. Die Kollegen sind nicht nur Kollegen, sondern oft auch Kumpels und wir machen privat viel zusammen. Das mag ich sehr. Als Darsteller kann man sich auf der Arbeit außerdem super austoben. Früher hatten wir in der alten Show einen Horrorclown namens Monti. Nachdem man in dieser Rolle den Gästen vier Stunden lang Angst eingejagt hatte, war man erstmal tiefenentspannt. Da waren alle Aggressionen raus. Und man muss auch keinen Sport nebenbei machen, weil man sich unter den Kostümteilen so viel bewegt. Wir hatten schon Darsteller, die nach ihrer Rolle in Kombination mit gesunder Ernährung fünf bis zehn Kilogramm abgenommen haben.

Die Nachteile

In der Freizeitindustrie hat man natürlich viel Wochenendarbeit. Mein Wochenende ist daher der Dienstag und der Mittwoch. Wenn man sich dann mit Freunden treffen will, die nicht die eigenen Kollegen sind, wird das zeitlich schon schwierig. Außerdem finden dienstags und mittwochs auch selten Partys statt. Als großer Festival-Fan verpasse ich vor allem in den Sommerferien natürlich auch einige Events, zu denen ich sonst gerne gegangen wäre.

Das Geld

Pro Monat bekomme ich insgesamt ungefähr 1500 Euro netto für meinen Job als Darsteller und Assistent. Davon kann ich in Bottrop sehr gut leben und meine Wohnung in der City finanzieren.

Die Frage, die auf Partys immer wieder kommt

Entweder finden die Leute das Grusellabyrinth cool oder sie fragen erstmal, was das überhaupt ist. Die zweite Frage ist: „Schminkt ihr euch auch selber?“ Dann muss ich erklären, dass ich mich schminken kann und wie witzig es ist, als Mann in der Drogerie Mascara, Lippenstift und Eyeliner zu kaufen. Ich hole mir nämlich auch gerne mal meine eigenen Sachen, da ich auch privat auf Conventions gehe. An der Kasse gucken die Verkäuferinnen dann schon etwas komisch und fragen, ob die Sachen für meine Freundin sind. Ich sage dann nur ironisch: „Jaja, für meine Freundin“. Die Geschichten finden die Leute immer sehr amüsant, genauso wie die Storys von Leuten, die sich erschrecken.

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