1000 Euro brutto für die selbstständige Schmuckdesignerin

Eigentlich arbeitet Josi als Psychologin. Zur Schmuckdesignerin wurde sie eher durch Zufall - dank eines Freundschaftsarmbands.
Foto: Privat / Illustration: Samira Roll

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Wie man zu seinem eigenen Schmucklabel kommt

Gestartet haben wir 2020 im Lockdown. Ich war in der Heimat zu Besuch und habe in meinem alten Kinderzimmer eine Bastelkiste mit Perlen gefunden, die ich als Kind benutzt hatte. Daraus habe ich zwei bunte Armbänder mit den Schriftzügen „Amore“ und „Prosecco“ gemacht. Als Lea die Bänder ein paar Tage später gesehen hat, habe ich ihr eines geschenkt. Sie hat gefragt, ob ich solche Armbänder nicht verkaufen wolle. Da musste ich lachen. Aber Lea hat nicht lockergelassen. Wir haben uns noch am gleichen Abend einen Namen überlegt und den Instagram-Account erstellt.

Am Anfang haben wir das Material in Münster im Bastelladen geshoppt. Jede von uns hat 50 Euro zum Starten investiert, seitdem können wir neues Material von unserem Gewinn bezahlen. Unsere ersten Armbänder waren bunt und mit Schriftzug. Ein bisschen trashig, aber cute, im Style der 2000er. Verkauft haben wir den Schmuck über unseren Instagram-Account mit Bezahlung per Überweisung. Relativ schnell ist eine kleine Boutique aus Münster auf uns aufmerksam geworden und hat 15 Armbänder bestellt. Das war acht Wochen nach unserem Start. Seitdem wachsen wir kontinuierlich, haben unsere Produkte in verschieden Läden ausliegen und organisieren Pop-up-Märkte.

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Josi und Lea haben ihr Label zusammen gegründet und teilen sich seitdem alle Aufgaben und Einnahmen 50/50.

Foto: Privat

Der Alltag als selbstständige Schmuckdesignerin

Einen richtigen Arbeitsalltag gibt es bei mir nicht. Eigentlich arbeite ich Vollzeit als Psychologin, dem Schmuckdesign widme ich mich nach Feierabend. Abends checke ich, was anfällt: Gibt es offene Rechnungen oder Bestellungen? Benötigen wir neues Material oder muss etwas zur Post? Wenn ich einen Überblick habe, nehme ich mir zwei Stunden Zeit und arbeite alles ab. Die Aufgaben teilen wir uns immer auf. Ich stecke gerade besonders viel Arbeit in Instagram und kümmere mich um Kooperationen und Marketing. Die Herstellung der Armbänder und Ketten machen wir beide, Materialbestellungen genauso. Rechnungen sind mein Job, während Lea gerade viel für unseren Pop-up-Markt organisiert. Unsere klare Aufteilung ist wichtig. Es funktioniert nicht, wenn alle alles machen.

Pro Monat planen wir zwei Produktionstage zusammen, zusätzlich nehme ich mir einen Abend pro Woche Zeit für die Schmuckherstellung. Für eine Kette brauche ich etwa 20 Minuten, für ein Armband circa zwölf. Wir machen nur Einzelstücke. Bis vor Kurzem haben wir nur auf Bestellung hergestellt, das genaue Design wurde in Absprache mit den Kund:innen erstellt. Doch mittlerweile kommen zu viele Bestellungen rein. Vereinzelt nehmen wir noch Einzelaufträge an. Generell produzieren wir die Sachen jetzt vor und laden die dann mit Foto zum Verkauf bei Instagram hoch. Irgendwann möchten wir einen richtigen Onlineshop und ein eigenes Atelier haben.

Was ich auf Partys immer gefragt werde

Oft werde ich gefragt, ob es schwierig ist, Schmuck selbst zu machen. Abgesehen davon, dass man natürlich kreativ sein sollte, muss man Bock auf Feinmotorik haben. Die Herstellung ist manchmal echt knifflig, gerade mit den Verschlüssen. Mit viel Geduld geht das aber. Man kann sich alles selbst beibringen.

Was der Job mit meinem Privatleben macht

Das Schmucklabel ist für mich der perfekte Ausgleich zu meinem „normalen“ Job. Ich liebe es, nebenher etwas Kreatives zu machen. Dabei ist mir die richtige Balance wichtig. Treffen mit Freund:innen muss ich seit Start des Labels gut planen, weil meine Freizeit knapp ist. Lea, die hauptberuflich als Krankenschwester arbeitet, geht das ebenso.

Vorstellung vs. Realität

Viel mehr Arbeit als das „Schmuck basteln“ sind die Organisation und der Papierkram. Das wird oft unterschätzt, haben wir am Anfang auch. Es gab natürlich Phasen, in denen wir Schwierigkeiten hatten. Die erste Steuererklärung oder die Marken- oder Gewerbeanmeldung zum Beispiel. Da waren wir für jede Unterstützung dankbar. Während der Pandemie sind viele kleine Labels entstanden, doch durch den Lockdown fehlte der Austausch. Die Vernetzung in der Small-Brand-Bubble ist noch ausbaufähig. Damit sich das bessert, haben wir einen Pop-up-Markt ins Leben gerufen, bei dem verschiedene Labels ihre Produkte ausstellen, verkaufen und sich miteinander connecten können.

Wieviel man als selbstständige Schmuckdesignerin verdient

Im Monat verdiene ich durch das Schmucklabel ungefähr 1000 Euro brutto, Lea auch. Wie auch unsere Aufgaben teilen wir auch unseren Gewinn genau zwischen uns auf. Die Summe schwankt monatlich, je nachdem wie viel wir produzieren. Wenn wir mehr Schmuck machen würden, würden wir mehr verdienen. Unser Schmuck liegt preislich zwischen 15 Euro für ein Paar Creolen und 60 Euro für eine Kette ausschließlich aus Süßwasserperlen und Natursteinen. Langfristig möchte ich meinen Hauptjob reduzieren, aber jetzt gerade bin ich erstmal happy.

Welche Eigenschaften man als Schmuckdesigner:in braucht

Vor allem Kreativität, Durchhaltevermögen und eine gute Fehlerkultur – man macht schließlich vieles zum ersten Mal. Als Inspiration für unsere Designs betrachten wir am liebsten Menschen: in der Fußgängerzone, in Filmen und auf Instagram. Doch mittlerweile ist die Konkurrenz in dem Business riesig. Jede Woche ploppen neue Schmuck-Labels mit wunderschönen Produkten auf. Mein Tipp: Einfach nicht angucken. Denn statt zu inspirieren, macht das nur Druck und bringt einen von der eigenen Linie ab. Vielmehr muss man darauf vertrauen, dass man etwas macht, das einzigartig ist. Wenn man genügend Durchhaltevermögen und Mut hat, kann man den Traum von einem eigenen Label realisieren. Auch dann, wenn man einen anderen beruflichen Background hat.

Welchen Schmuck ich selbst am liebsten trage

Ich selbst trage am liebsten eine Kombination aus einer schlichten goldfarbenen Kette und einer bunten Perlenkette, das ist unser Signature-Produkt. Dauerbrenner sind Süßwasserperlenketten und Armbänder mit dem Schriftzug „Amore“ – damit hat auch alles angefangen.

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