10 000 Euro brutto für den Hufschmied

Marcus, 31, hat viele reiche Kunden aus dem Pferdesport.
Protokoll von Matias Kamp
jobkolumne hufschmied

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Wie wird man Hufschmied?

Zunächst habe ich eine Ausbildung zum „Pferdewirt“ gemacht. Meine Hauptaufgabe war es, junge Pferde zu bereiten, also auszubilden und ins Wettkampfleben zu integrieren. Da ist man festangestellt, trainiert unter der Woche und hat am Wochenende Turniere. Entweder reitet man da die Pferde selber oder bereitet sie für einen Amateur vor. So oder so verbringt man die meiste Zeit auf dem Pferd. Das hat mir zwar Spaß gemacht, ich wollte aber mehr. Schließlich hat mich die Abhängigkeit vom Arbeitgeber und die schlechte Bezahlung den Schritt in die Selbstständigkeit wagen lassen. Ich wollte weiterhin etwas mit Pferden machen, also habe ich anderthalbjähriges Praktikum bei einem erfahrenen Hufschmied gemacht. Das war quasi meine Lehre, denn eine klassische Ausbildung gibt es heute nicht mehr. Pferde dienen nicht mehr wie früher als Transportmittel, sondern für den Sport und sind in der Zahl weniger gefragt. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es einen Nachwuchsmangel an Hufschmieden. 

Was macht ein Hufschmied?

Letztendlich ist ein Hufschmied für die Gesundheit von Pferden verantwortlich. Für die Stabilität der Tiere und eine geringe Abnutzung der Hufen müssen alle fünf bis sieben Wochen Pferde neu beschlagen werden. Dafür schmiede ich Hufeisen und befestige diese am Huf. Ein Beschlag kann dabei für Sport und Leistung konzipiert sein oder für orthopädische Zwecke. Wichtig ist, dass das Pferd die richtige Balance und einen gesunden Bewegungsablauf hat. Für Turniere, sei es Spring- oder Dressurreiten, fertige ich die Hufeisen im Vorhinein an, dann müssen die Pferde am Wettkampfwochenende nur noch beschlagen werden. Ein Hufschmied hat in der Regel Kunden und Reiterhöfe in einem Umkreis von ungefähr 60 Kilometern. Ich habe allerdings durch meine langjährigen Erfahrungen in der Branche meinen Kundenkreis erweitern können und habe Kunden in ganz Europa und Amerika. Jeder Hufschmied ist viel unterwegs, so weit wie ich kommen jedoch die wenigsten. Manchmal bin ich an sechs von sieben Tagen in der Woche auf Reisen. Pferdesport ist Luxus und reiche Kunden lassen einen einfliegen.

Was gefällt dir am meisten an deinem Job?

Das ist in erster Linie die Selbstständigkeit. Ich bin mein eigener Boss und mache die Sachen so, wie ich es für richtig halte. Außerdem ist es der Umgang mit den Pferden, der mich jeden Tag antreibt. Ich arbeite, damit die Tiere gesund bleiben und viele Jahre beritten werden können. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich durch das Reisen viele Teile der Welt kennenlerne und unglaublich viele neue Menschen treffe.

Und – ohne arrogant klingen zu wollen – mir gefällt der Status, den ich in der Branche habe. Ich habe viele Stammkunden, die mich als Experten schätzen. Das ist eine tolle Bestätigung.

Welchen Herausforderungen muss sich ein Hufschmied stellen?

Es kommt häufiger mal vor, dass ein Pferd stur ist und einfach keine Lust hat, beschlagen zu werden. Junge Pferde sind bei den ersten Malen nervös und können auch mal zutreten oder kein Bein heben. In so einer Situation muss man die Tiere genau einschätzen und beruhigen können. Erfahrung und Geduld zahlen sich da aus.

In meinem Fall ist das Kundenmanagement teilweise sehr schwer. Ich möchte immer pünktlich sein und sympathisch auftreten. Es ist teilweise sehr anstrengend, wenn du innerhalb einer Woche ein Pferd in den USA, eins in Spanien und eins in Deutschland beschlagen musst. Danach bist du völlig erschöpft von den Reisestrapazen und musst trotzdem mit Pferd und Kunden richtig umgehen. Generell ist das viele Reisen eine Herausforderung. Ich hatte vergangenes Jahr, trotz Corona, mehr als 40 Flüge und Wochen, in denen ich mehr als 110 Stunden gearbeitet habe.

Hast du in deiner Freizeit überhaupt noch Lust auf Pferde?

Tatsächlich verbringe ich auch meine Freizeit mit Pferden. Auf Turnieren reite ich nur noch als Hobby, das macht mir aber immer noch großen Spaß. Am Wochenende bin ich häufig auf dem Reiterhof meiner Freundin. Die ist auch mit Pferden groß geworden. Zum Glück hat sie deshalb Verständnis für meine Leidenschaft und für das, was mich antreibt. Ich denke, jemand, der nichts mit den Tieren am Hut hat, würde nur schwer verstehen, warum ich dafür so häufig unterwegs bin.

Wie viel verdient ein Hufschmied?

Ein Hufschmied, der die Woche 40 Stunden im Umkreis von 60 Kilometern arbeitet, bekommt ungefähr 10 000 brutto pro Monat. Pro Pferd kostet das Beschlagen bis zu 120 Euro, vier bis fünf Pferde pro Tag sind der Durchschnitt. Ich arbeite in der Regel deutlich länger und habe viele wohlhabende Kunden, deshalb verdiene ich in der Regel auch mehr. Das ist aber nicht wirklich repräsentativ für meinen Berufsstand.

Was stellst du dir für deine Zukunft vor?

Ich habe ein klares Ziel: Die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2021. Da habe ich einen Kunden. Es wäre unglaublich, wenn ich da mitfliegen könnte. Eine Akkreditierung für die Olympischen Spiele zu bekommen, ist zwar sehr schwer, scheint aber nicht unmöglich. Zudem möchte ich mein Unternehmen wirtschaftlicher gestalten. Ich möchte weniger Stunden arbeiten und mit besserer Qualität mehr Geld verdienen. Mit 31 macht man sich aber auch Gedanken um anderes. In der Zukunft will ich mehr Zeit für mich und meine Freundin haben und etwas weniger reisen.

Ich habe mir aber auch als Ziel gesetzt, eines Tages der beste Hufschmied der Welt zu sein.

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