3880 Euro brutto für die Croupière im Casino

Ekaterina spielt selbst ab und zu, allerdings nicht im eigenen Casino.
Foto: Privat / Illustration: Samira Roll

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Wie der Arbeitsalltag als Croupière aussieht

„Nichts geht mehr!“ – Mit diesem Satz beende ich Abend für Abend beim Roulette die Runden, sodass keine neuen Einsätze mehr gemacht werden können.

Als Croupière arbeite ich in der Spielbank Mainz und leite die verschiedenen Spiele.  Meistens bin ich „am Tisch“ und betreue dort die klassischen Spiele wie Poker, Blackjack und Roulette. Am Roulette-Tisch sammle ich die Einsätze, werfe die Kugel und moderiere das Spiel. Bei den Kartenspielen teile ich die Karten aus und passe auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht, am Ende des Spiels zahle ich die Gewinne aus. Manchmal arbeite ich auch an der Rezeption oder an der Kasse. Ich bin immer dort, wo ich gebraucht werde, denn nachts ist in den Casinos ziemlich viel los.

Wie ich Croupière geworden bin

Nach meinem Realschulabschluss habe ich im Internet viel über den Job als Croupiere gelesen. Das hat mich sofort total gereizt. Vor meiner Ausbildung war ich selbst noch nie im Casino, habe nie zuvor Blackjack, Poker oder Roulette gespielt. Die Atmosphäre im Casino hat mich dann aber sofort überwältigt. Ich mag das Klackern der Kugeln, ich mag, wie sie ihren Platz in den Zahlenfächern der Roulettekessel suchen, das Geräusch beim Karten austeilen und die spannungsvolle Stille. Für mich ist das Casino wie eine andere Welt.

Meine Ausbildung habe ich in dem Casino gemacht, in dem ich jetzt arbeite. Die Ausbildung besteht aus verschiedenen Kursen. Man lernt natürlich die Regeln der Spiele, wird aber auch im Umgang mit den Kunden geschult. Für jedes Kartenspiel wurde ich zehn bis 15 Tage lang ausgebildet. Zusätzlich besuchen wir regelmäßig Kurse zum Thema Spielsucht. Daher bin ich auch geschult, problematische Spieler zu erkennen: Sie kommen immer öfter, sind sehr emotional oder nervös. Wenn mir ein Gast auffällt, der sich so verhält, melde ich ihn an einen Zuständigen im Haus. Dieser bespricht dann mit dem Gast die Situation, vermittelt Beratungs- und Hilfsangebote oder verhängt eine Spielersperre. Ein gesperrter Spieler darf in keinem deutschen Casino mehr spielen.

Im Casino gibt es auch Aufstiegsmöglichkeiten: Beispielsweise zum Pit Boss. Das sind diejenigen, die erhöht hinter den Tischen sitzen und das Geschehen von oben beobachten. Zusätzlich gibt es die Saal-Chefs, die im Saal zwischen den Spielenden umhergehen und aufpassen, dass alles richtig abläuft.

Ich bin im Moment total glücklich als Croupière.

Was der Job mit dem Privatleben macht

Durch meinen Job arbeite ich zu ganz anderen Tageszeiten als die meisten anderen in meinem Umfeld. Das ist manchmal nicht so leicht und es ist viel Planung nötig. Wenn meine Freunde am Wochenende etwas unternehmen, kann ich oft nicht mitkommen, weil ich arbeiten muss. Aber sie wissen Bescheid und haben viel Verständnis. Seit ich in diesem Job bin, gehe ich auch selbst gerne gelegentlich ins Casino. In der Spielbank Mainz, wo ich arbeite, darf ich natürlich nicht spielen. Aufgrund meiner Erfahrung nehme ich nur so viel Geld zum Verspielen mit, wie ich es mir leisten kann. Ich weiß, dass am Ende meistens das Casino gewinnt.

Vorstellung vs. Realität

Viel Geld, reiche Menschen, teure Drinks und qualmende Zigaretten: Den Beruf des Croupiers kennen die meisten nur aus Hollywoodfilmen, doch so wie in „Ocean's Eleven“ oder wie in „Casino Royal“ ist die Realität nicht. Meistens geht’s im Casino ziemlich ruhig zu: Die Menschen kommen, um in Ruhe zu spielen. Sie haben keine teuren Kleider an und sind keine James-Bond-Bösewichte. Viele spielen auch an den Spielautomaten, weil sie da ihre Ruhe haben. Tatsächlich wird der ein oder andere Cocktail oder Sekt getrunken, manchmal aber auch nur eine Tasse Tee. Geraucht wird tatsächlich viel, aber nicht an den Spieltischen.

Im Casino ist es nicht gefährlich. Wenn ein Kunde, der gerade verloren hat, mal lauter wird, haben wir einen Securitydienst, der ihn beruhigt. Ich fühle mich im Casino immer sicher, auch wenn es manchmal um große Summen Geld geht. Ich habe schon Gäste erlebt, die an einem Abend mehr gewonnen haben, als ich in einem ganzen Jahr verdiene.

Welche Eigenschaften man für den Job als Croupière braucht

Um den Job machen zu können, muss man sehr engagiert sein. Denn neben den Aufgaben des Berufs muss man stets gepflegt aussehen und auch an schlechten Tagen freundlich sein. Man muss immer sehr präsent sein und sich auch über längere Zeiträume konzentrieren, man hantiert ja schließlich mit großen Geldsummen. Zusätzlich sollte man gut Englisch können.  

Zu den Kunden muss ich immer höflich sein, auch wenn sie mal wütend oder ausfällig werden, weil sie vielleicht gerade eine große Menge Geld verloren haben. Ich kann ihre Gefühle in diesen Momenten verstehen und bleibe daher freundlich und zuvorkommend. Ich habe in meinem Berufsleben gelernt, auch schwierige Situationen auszuhalten. Inzwischen kann ich damit umgehen. Viele unserer Kunden sind Stammkunden, die kenne ich schon und kann ihr Verhalten besser einschätzen.  

Welche Frage auf Partys immer gestellt wird

Viele meiner Freunde waren schon im Casino, daher wissen sie so ungefähr, was man als Croupière so macht. Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, ob ich die Regeln von Poker kenne oder ob ich gut mit Karten umgehen kann. Die meisten finden es ziemlich cool, dass ich im Casino arbeite.

Wie viel man als Croupière verdient

Ich verdiene im Durchschnitt 3 880 Euro brutto im Monat, das variiert jedoch immer ein bisschen. Da wir nachts, zwischen 19.00 und 03.00 Uhr und am Wochenende arbeiten, bekommen wir Zuschläge. Ab 20 Uhr bekommen wir gewöhnlich 25 Prozent mehr. An Feiertagen sind die Zuschläge höher als an Werktagen, deswegen bekomme ich nicht jeden Monat genau dieselbe Summe. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass wir Trinkgelder nicht behalten dürfen, sondern in den sogenannten Tronc abführen müssen, so wird die Trinkgeldkasse in Spielbanken bezeichnet. Früher reichte der Tronc, um alle Angestellten zu bezahlen. Das ist aber heute nicht mehr der Fall. Mit meinem Gehalt bin ich sehr zufrieden, ich kann davon auch gut in meiner Heimatstadt Mainz leben.

  • teilen
  • schließen