2000 bis 4000 Euro brutto für die Kinderbuchillustratorin

Franzi, 27, erzählt von der Herausforderung, einen Verlag zu finden - und warum ihre Eltern sie gerne in einem geregelten Angestelltenverhältnis sehen würden.
Protokoll von Matias Kamp
jobkolumne kinderbuchautorin

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Wie sieht deine Arbeit aus?

Hauptberuflich, wenn ich das als Studentin so sagen kann, bin ich Kinderbuchillustratorin und Autorin. Ich illustriere Kinderbücher, meistens die klassischen zwölf Doppelseiten-Bände. Bald darf ich mich aber auch Autorin nennen, denn es werden zwei Kinderbücher erscheinen, die ich alleine geschrieben und illustriert habe. Das eine Buch „Bertha hat Angst“ erscheint im Herbst. Es erzählt die Geschichte von einem Mädchen und einer Schlange, die zusammenleben. Die Schlange hat oft Angst und das Mädchen hilft der Schlange aus dieser Angst heraus. Das Ganze hat den Hintergrund, dass ich selbst an Angststörungen erkrankt bin und unter Panikattacken leide. Weil viele Kinder ähnliche Probleme haben, hat mich das inspiriert, ein Buch darüber zu schreiben. 

Wie wird man Kinderbuchillustratorin und -autorin?

Durch meine Mutter, die selber Hobbykünstlerin ist, habe ich mich schon in jungen Jahren für die Kunst und das Malen begeistert. Meistens hab ich das in meiner Freizeit gemacht und dann auch erstmal etwas völlig anderes studiert, nämlich Archäologie. Das Studium habe ich zwar mit Spaß zu Ende gemacht, doch schon währenddessen merkte ich, dass es schwer werden könnte, davon hauptberuflich zu leben. Nebenbei habe ich aber immer viel gezeichnet und illustriert. Über Instagram hatte ich dann einen kleinen Durchbruch. Ich habe dort meine Zeichnungen hochgeladen und eine unglaublich positive Resonanz und erste Anfragen für kleinere Aufträge bekommen. Das motivierte mich schließlich dazu, es als selbständige Illustratorin zu versuchen. Nebenbei studiere ich seit zwei Jahren „Multimedia Art“ an der FH Salzburg. Dadurch habe ich noch mehr Kontakte im Kunstbereich geknüpft, man lernt viel durch den Austausch untereinander.

Wie werden aus Ideen Bücher?

Meine Erfahrungen, ob gute oder schlechte, inspirieren mich. Deshalb haben die Ideen für meine Bücher fast immer mit mir oder meinem Umfeld zu tun. Man fängt jedoch nie einfach an zu zeichnen, sondern muss mit der Konzeption und Skizzen beginnen. Zudem steht man im ständigen Austausch mit Verlegern. Dann muss man ein Storyboard erstellen und sich in Ruhe überlegen, wie die Geschichte aufgebaut sein soll. 

Beim Zeichnen kommt es dann immer auf den Stil an. Wenn beispielsweise sehr detailreich gemalt wird, ist der Aufwand größer als wenn man „einfache“ Zeichnungen mit Stift und Papier und ohne großen Hintergrund macht. Für mein jetziges Buch würde ich den Arbeitsaufwand auf ungefähr 60 Stunden schätzen. 

Was sind die Herausforderungen?

Das Schwerste ist definitiv, Fuß zu fassen in der Branche. Man sendet viele Skripte bei verschiedenen Verlagen ein und dabei ist längst nicht klar, dass auch nur eins davon veröffentlicht wird. Du brauchst da Geduld und Ausdauer. Eine andere Herausforderung ist es bei mir, meine Eltern davon zu überzeugen, dass ich von meinem Beruf leben kann. Natürlich sind sie stolz auf mich und auf das, was ich geleistet habe. Und dennoch kommen da immer wieder Kommentare, ich solle lieber in eine Grafikagentur gehen und mich dort etablieren, das sei sicherer. Ich habe in solchen Agenturen bereits Erfahrungen gesammelt und weiß, dass das nichts für mich ist. Ich hoffe die Zweifel an meiner Selbstständigkeit hören irgendwann auf.

Einen Verlag zu finden, der deine Arbeit veröffentlichen möchte. ist auch nicht immer leicht. Wenn man schon mit einem Fuß in der Tür ist, ist es deutlich einfacher. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich einige interessante Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft. Vor zwei Jahren wäre beispielsweise fast ein Buch von mir erschienen, dann ist der Verlag doch noch in letzter Sekunde zurückgerudert. Solche Rückschläge passieren, man darf sich als Selbstständige nicht unterkriegen lassen. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass wenn man eine wirklich gute Idee hat, man auch als Anfänger ohne viele Kontakte einen Verlag finden kann.  

Wie viel verdient man als Kinderbuchillustratorin?

Pro Kinderbuch bekommt man ob als Illustrator oder Autor etwa 2000 bis 4000 Euro. Je nach Land variiert das ein bisschen. Verlage aus Österreich zahlen etwas weniger als solche aus Deutschland. Verlage aus Großbritannien, wo Kinderbücher ein enorm wichtiges Kulturgut sind, zahlen in der Regel besser. Es gibt ja sogar einen Kinderbuch-Illustration- Studiengang in Cambridge.

Natürlich kann man nicht jeden Monat ein Buch veröffentlichen, also ist das Einkommen häufig etwas geringer. Nebenbei habe ich aber auch häufig Einzelaufträge als Illustratorin. Beispielsweise habe ich für einen Bioladen in Salzburg Etiketten illustriert. Neulich kam eine Anfrage von einem BDSM-Club rein, ob ich deren Logo entwerfen möchte. So etwas passt überhaupt nicht zu einer Kinderbuchautorin, deshalb hab ich das Angebot abgelehnt. 

Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?

Ich möchte gerne nach meinem Studium kommendes Jahr nach Hamburg ziehen. In Hamburg gibt es eine große „Illustrationscommunity“, viel größer als hier in Bayern. Da will ich „Meinesgleichen“ suchen. Ich träume davon, irgendwann mit anderen Illustratoren ein gemeinsames Studio zu haben. Man könnte sich gegenseitig inspirieren und Ideen austauschen. 

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Wenn ich von meinem Beruf erzähle, sind die meisten immer verwundert und fasziniert zugleich. „Was, davon kann man leben?“ Die Leute haben das meistens gar nicht auf dem Schirm, dass diese Art von Job existiert. Wenn ich dann erzähle, ich mache Illustrationen, auch für Kinderbücher, dann merkt man, wie manchen klar wird: „Ach ja stimmt, irgendwer muss das ja auch machen“. Die Leute sind dann nicht nur verwundert, sondern man spürt auch oft Bewunderung.

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