Rund 1000 Euro für die Glühweinverkäuferin

Nicki mag ihren Nebenjob so gerne, dass sie freiwillig mehr arbeitet, als sie müsste.
Protokoll von Mercedes Lauenstein

Foto: privat; Illustration: jetzt

Die Liebe zum Weihnachtsmarkt

Ich liebe einfach alles an Weihnachten: Weihnachtsfilme, Weihnachtsdekoration und natürlich Weihnachtsmärkte. Ich habe schon früher in meiner Heimat in der Nähe von Stuttgart mal einen Winter lang am Glühweinstand gearbeitet und fand es bereits damals total cool. Man steht einfach mal auf der anderen Seite vom Standl und hat eigentlich ausschließlich mit netten und gut gelaunten Leuten zu tun. Außerdem riecht es gut und man verdient sich ein bisschen was dazu. Denn eigentlich habe ich ja schon einen Job. Ich arbeite nämlich bei der Landeshauptstadt München. Aber weil ich vor dem Jahreswechsel noch einige Überstunden abzubauen hatte, habe ich gerade frei und habe nach einem Zeitvertreib für diese Zeit gesucht.

Der Weg

Ich habe einfach bei Google eingegeben: „Christkindlmarkt, Glühweinstand, Marienplatz, Jobs“ und habe gleich eine Stellenausschreibung gefunden und eine E-Mail hingeschrieben, in der ich ein bisschen etwas über mich, meine Hobbys und was ich beruflich mache erzählt habe und warum ich gerne auf dem Christkindlmarkt mithelfen möchte. Die Chefin hat sich direkt am Abend noch gemeldet und wir hatten ein super nettes Telefonat. Dass ich noch relativ jung bin, fand sie gut, weil dadurch wieder etwas frischer Wind ins Geschäft kommt und das auch junge Leute als Kunden anzieht. Für Studenten ist der Job perfekt, man kann schnell viel Geld verdienen und es macht auch viel Spaß, weil man mit den Kunden so nett quatschen kann. Außerdem kann man all seinen Freunden sagen, dass sie vorbeikommen sollen, das macht die Arbeit auch noch lustiger.

Was die Freunde sagen

Einige meiner Freunde, vor allem die, mit denen ich studiert habe, verstehen überhaupt nicht, wieso ich meinen Überstundenabbau ausgerechnet mit einem Nebenjob am Christkindlmarkt verbringe. Die sagen dann sowas wie: „Da würden mir ja 1000 bessere Sachen einfallen!“ Oder: „Ist das nicht total anstrengend?“ Ich glaube, man versteht das echt nur so richtig gut, wenn man es schon mal gemacht hat und etwas mit dieser Christkindlmarkts-Atmosphäre anfangen kann. Aber ich habe auch Freunde, die es lustig finden und cool. Und die unbedingt wissen wollen, wie ich an den Job gekommen bin und sagen: „Vielleicht mach ich das nächstes Jahr auch mal.“ Sogar meine Mutter ist ein bisschen neidisch geworden, als ich ihr davon erzählt habe, wie viel Spaß mir das macht und wie stimmungsvoll der Job ist. Sie hat mit dem Gedanken gespielt, sich bei uns in der Heimat auch gleich an einem Glühweinstandl zu bewerben.

Die Arbeitszeiten

Meine Arbeitszeiten sind super flexibel, das konnte ich mir so einrichten, wie ich es gebraucht habe. Ich mache das jetzt ja nur knapp zwei Wochen, weil dann mein normaler Job wieder anfängt. Dafür arbeite ich aber auch jeden Tag. Wir arbeiten in Schichten. Die erste Schicht beginnt um 9.30 Uhr, die zweite um 12 Uhr und die dritte um 13 Uhr. Abends geht es bis um 21 Uhr und dann kommen noch so 20, 30 Minuten dazu, um den Stand aufzuräumen. Mit den Morgenschichten wechseln wir uns ab, damit jeder mal ausschlafen kann.

Das Geld

Ich bekomme elf Euro die Stunde plus Trinkgeld, was im Schnitt auch nochmal so fünf, sechs Euro für jeden sind am Tag. Der Christkindlmarkt hat von Montag bis Sonntag von 10 bis etwa 21 Uhr offen. Und dann eben noch mal so 20 bis 30 Minuten aufräumen, putzen, alles zusammenpacken. Ich arbeite die eineinhalb Wochen jetzt fast jeden Tag voll durch, das werden dann also insgesamt vielleicht so um die 1000 Euro.

Wie man sich warmhält

Wir haben – ein Hoch auf meine Chefin – Heizplatten auf dem Boden, damit wir warme Füße haben. Das ist Gold wert, denn warme Füße sind wirklich das Wichtigste. Ich habe dicke Stiefel an und warme Kuschelsocken drunter. Ganz normale Jeans, also keine Skiunterwäsche oder so, und dann noch die Schürze drüber, die wärmt auch. Obenrum habe ich ein T-Shirt an, einen Rollkragen-Wollpulli drüber und da drüber noch einen leichteren Pulli und dann noch das warme Fließ, das wie die Schürze zu unserer Arbeitskleidung gehört. Gefroren habe ich darin bisher noch nie.

Das Fazit

Ich muss wirklich sagen, ich hatte ja schon hohe Erwartungen, aber ich finde den Job diesmal sogar noch viel cooler, als ich ihn aus meiner Heimat in Erinnerung habe. Und auch wirklich gar nicht so anstrengend. Meine Mama hat mir nach dem ersten Wochenende gleich besorgt geschrieben: „Und, Wochenende gut überstanden?“ Dabei war das Wochenende echt am allerbesten, denn wenn viel los ist, bewegt man sich viel, die Zeit fliegt und man ist auf Zack. Besonders gut gefällt mir, dass hier in der Innenstadt echt viele Touristen unterwegs sind und viele kein einziges Wort Deutsch sprechen. Oft kommunizieren wir deshalb nur mit Händen und Füßen und das ist dann immer ziemlich nett und sorgt für viele Lacher. Das Schlimmste ist wirklich nur, wenn mal nichts los ist und ich mir die Beine in den Bauch stehe. Aber das passiert hier am Marienplatz sowieso eigentlich eher selten.

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