4000 Euro brutto für den Tonmann

Patrick, 25, arbeitet als Tonmann für Fernsehproduktionen. Seine Auftraggeber*innen sucht er sich am liebsten selbst aus.
Protokoll von Niko Kappel

Foto: Privat / Bearbeitung: jetzt

Der Job

Ich bin selbstständiger Tonmann für das Fernsehen. Der Job Tonmann impliziert bei Fernsehproduktionen meistens auch die Arbeit als Kameraassistent, die beim Film ja von einer extra Person ausgeführt wird. Wenn der Kameramann Hilfe braucht, bin ich also auch zur Stelle. Ansonsten bin ich am Set für den Ton verantwortlich. Ich arbeite mit meiner Tonangel, mixe den Ton live an einem Mischer und kümmere mich je nach Produktion auch um die Koordination der Funkmikros.

Ein typischer Arbeitsalltag

Morgens gehe ich in den Technikraum der Produktionsfirma, die mich gebucht hat. Dort treffe ich mich mit dem Kameramann und  wir suchen und testen zusammen die Technik. Danach holen wir den oder die Redakteur*in ab und fahren zum Drehort. Im Auto kriege ich dann gesagt, wie der Beitrag auszusehen hat, da haben die Redakteur*innen den Hut auf. Am Drehort haben dann alle ihre Aufgaben. Ich verteile die Funkmikros – wenn es welche gibt – und  checke alles, packe meine Tonangel aus und dann wird gedreht. Abends fahren wir zur Produktionsfirma zurück, räumen alles auf und schreiben einen Drehbericht.

Herausforderungen

Für den Job muss man auf jeden Fall gelassen sein. Teilweise muss ich mehrere Tonspuren koordinieren, da muss man den Überblick behalten können. Ich muss vorausahnen, was passiert. Wenn ich bei einer Reportage den Ton angle, weiß ich ja nicht, was passiert. Angeln bedeutet, dass ich schaue, wo ich das Mikrofon hinhalte, um den bestmöglichen Ton zu bekommen. Da redet eine Person, ich angle den Ton und falls jemand anderes anfängt zu reden, muss ich da schnell hinrennen, sodass man sie überhaupt auf der Tonspur hört. Am Set geht alles so schnell, da geht manchmal auch was schief. Ich habe mal ein Interview von einem Fischer aufgenommen, der stand an einem Bach. Den Bach hat man aber auf dem Kamerabild gar nicht gesehen. Das Rauschen des Baches war auf meiner Tonspur sehr laut, man konnte das Interview später nicht verwenden. Da ist ein Nebengeräusch, das die Zuschauer*innen nicht zuordnen können. Solche Dinge muss ich im Blick behalten: Alles was man hört, muss man auch sehen können.

Die Ausbildung

Man kann Toningenieur studieren. Ich habe aber bei einer Produktionsfirma eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton gemacht. Für mich war das besser, ich arbeite gerne praktisch. Ich hatte Blockunterricht, vier Wochen in der Arbeit und zwei Wochen in der Berufsschule. Während der Ausbildung kann man sich spezialisieren, ob man eher in die Ton- oder die Bildrichtung gehen will. Die Ausbildung geht drei Jahre.

Die Motivation

Ich wollte nie im Büro sitzen. Deshalb habe ich mir eine Arbeit gesucht, bei der ich meistens draußen bin. Mein Job ist geistig anspruchsvoll, aber auch körperlich. Außerdem finde ich es schön, dass ich bei jedem Dreh neue Leute kennen lerne. Durch meinen Job komme ich viel rum, 2019 war ich in 14 Ländern, um Beiträge zu drehen, darunter Japan, Indonesien, USA und Israel. Mit jedem Dreh tauche ich in neue Welten ein und lerne neue Dinge kennen. Um immer bessere Projekte zu bekommen, will ich mich immer weiter verbessern. Momentan machen mir Fernsehdrehs Spaß, ich könnte mir aber auch vorstellen, mal beim Film zu arbeiten. 

Die Selbstständigkeit 

Ich find es wichtig, dass ich mir meine Auftraggeber selbst aussuchen kann. Deshalb bin ich selbstständig geworden. Wenn du für eine Produktionsfirma fest arbeitest, dann musst du alles drehen, was die eben so machen. Ich hätte zum Beispiel wenig Bock, an sowas wie „Schwiegertochter gesucht“ mitzuarbeiten. Ich will mich mit dem identifizieren, was ich drehe. Ich würde auch nie einen Image-Film für die AfD mitmachen. Als Selbständiger muss ich das ja zum Glück nicht. Ich mache außerdem viel ehrenamtlich, zum Beispiel leite ich in einem Verein eine Kinderfreizeit im Sommer. Wenn ich da mal eine Vereinssitzung habe, ist es mir wichtig, dass ich mir das freihalte. Das geht als Selbstständiger viel besser, als noch früher im Angestelltenverhältnis.

Das Geld

Im Durchschnitt verdiene ich 4000 Euro brutto im Monat. Natürlich variiert mein tatsächliches Monatsgehalt stark, weil ich pro Monat unterschiedlich viel arbeite. Im Sommer arbeite ich sehr viel, weil da die meisten Drehs sind. In der Branche haben wir ein krasses Winterloch, im Winter wird kaum gedreht. Oft lohnt es sich im Winter gar nicht, überhaupt irgendwas zu drehen, weil es um 16 Uhr schon wieder dunkel wird. Von Dezember bis Februar arbeite ich deshalb sehr wenig. Als Freelancer kann man übrigens häufig mehr verdienen als in einer Firma – solange man Kund*innen hat.

Die Kund*innen

Meinen Stamm von Kund*innen habe ich mir größtenteils aus der Ausbildung heraus aufgebaut. Da habe ich mit Sendern zusammengearbeitet, bei denen ich mich danach gemeldet habe und gesagt habe, dass ich jetzt Freelancer bin: „Wenn ihr wollt, dann bucht mich!“ Das hat super geklappt. Wenn man sich eine Selbstständigkeit als Tonmann aufbaut, dann sollte man auf jeden Fall schon ein paar Kontakte mitbringen. Nur über ein Netzwerk bekommt man auch Aufträge.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die erste Frage ist immer: „Was machst du da genau?“ Dann erkläre ich, dass ich meistens mit einer Tonangel rumlaufe und aufnehme. Die sagen dann: „Ach, das was manchmal ins Bild reinfällt?“ Es ist oft lustig, weil die Leute mich ja nicht im Fernsehen sehen. Ein Tonmann wird eben nicht gefilmt. Man hört ja auch selten Leute nach einem Film sagen: „Mensch, der Ton war aber gut!“ Ich finde das nicht schlimm, das weiß man, wenn man den Job anfängt. Wir sind eben ein bisschen so wie Schiedsrichter: Wenn sich die Leute nicht beschweren, dann wissen wir, dass wir unseren Job gut gemacht haben. 

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