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Fotos: Privat / freepik / Robert Haas / Collage: jetzt.de

Was ich wirklich tue

Die Menschen nennen uns „Bademeister“. Dabei sind wir viel mehr als nur die Typen, die am Beckenrand stehen. Mein Beruf heißt eigentlich „Fachangestellter für Bäderbetriebe“ bei den Stadtwerken München und bedeutet nicht nur Aufsicht am Beckenrand, sondern auch bei der Technik mitzuhelfen, die Qualität des Wassers zu überwachen, Aufgüsse in der Sauna zu machen, an der Kasse auszuhelfen, im Büro zu arbeiten und hin und wieder Dienstpläne zu schreiben.

Wie sich der Job nach Winter und Sommer unterscheidet

Eigentlich arbeite ich im Hallenbad. Aber weil gerade Sommer ist, bin ich ausnahmsweise im Freibad. Die Arbeitszeiten im Hallenbad sind angenehmer, weil ich dort zwar sieben Tage am Stück abwechselnd früh oder spät arbeite, dann aber drei bis vier Tage frei habe. Im Freibad arbeite ich sechs Tage die Woche zehn Stunden lang, derzeit in einer Bullenhitze. Im Hallenbad haben wir viel mehr Stammkunden, die jeden Vormittag kommen und ihre Morgengymnastik machen wollen. Im Freibad sind viele unterschiedliche Gäste da, oft auch Touristen.

Welche Herausforderungen sich stellen

Sowohl das Freibad als auch die Hallenbäder, in denen ich arbeite, sind Freizeitbäder. Neben den vielen Badegästen, die einfach nur Spaß haben wollen, sind da auch welche dabei, die Streit anfangen oder rumpöbeln. Ich muss den Schuldigen dann darauf ansprechen, was er falsch gemacht hat. Da hab ich manchmal ein mulmiges Gefühl, weil ich ja nicht für sowas ausgebildet bin. Entweder fordere ich ihn dann auf, das Bad zu verlassen, oder, falls er das nicht macht oder gar etwas Strafbares getan hat, halte ich ihn fest und rufe die Polizei.

Ein anderes Problem kann die Hitze sein. Dann ist nämlich die Hölle los in den Bädern, alle wollen was von einem und ich stehe zusätzlich noch den ganzen Tag in der Sonne.

Was mir am Besten gefällt

Ich mag die Vielfältigkeit meines Jobs sehr. Ich mache ja ganz unterschiedliche Aufgaben, manchmal auch so etwas wie an der Kasse sitzen. Manchmal kann ich aber auch eine Menge Verantwortung übernehmen, wenn ich bei Problemen hinzugezogen werde oder den Dienstplan schreibe.

Was der Job mit Retten und Schimpfen zu tun hat

In meinem Job muss man oft mehr schimpfen als retten. Vor allem halbstarke Jungs, die vor Mädchen cool wirken wollen, muss ich immer wieder ermahnen, nicht vom Beckenrand zu springen oder so. Natürlich brauchen Leute auch mal Hilfe. Die meisten aber eher außerhalb des Wassers, wenn sie was gestochen hat oder sie gestürzt sind. Es kommt zwar immer mal wieder eine Wasserrettung vor, ich selbst musste aber noch keine vornehmen.

Wie ich dort hingekommen bin

Ich wollte nach meiner mittleren Reife unbedingt etwas mit Sport machen. Nachdem es mit der Ausbildungsstelle zum Sport- und Fitnesskaufmann nicht geklappt hatte, bin ich beim Recherchieren auf die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe gestoßen. Ich fand sie vor allem interessant, weil man da drei Mal die Woche Schwimmtraining hat. Ich bewarb mich also und wurde schnell zum Vorschwimmen eingeladen. Da musste ich dann zeigen, dass ich ganz gut schwimmen und lange tauchen kann. Wenige Wochen später bekam ich die Zusage. Ich habe nie bereut, mich für den Beruf entschieden zu haben.

Wie viel ich verdiene

Ich verdiene ganz gut, rund 3000 Euro brutto. Ich bekomme also immer so um die 2000 Euro netto raus. Mir reicht das locker zum Leben, nachdem ich ja auch noch zu Hause bei meinen Eltern lebe.

Wie es weitergehen soll

Ich bin trotzdem gerade dabei, noch meinen Meister für Bäderbetriebe zu machen. Das kann man entweder über die Meisterschule machen oder sich selbstständig durch das Lern-Material durcharbeiten. Letzteres mache ich gerade. Ich fahre also nur zu den beiden Prüfungen hin und hoffe, dass ich sie bestehe. Mit dem Meister könnte ich dann Badleiter werden – was auch mein Ziel für die Zukunft ist.

Wie sich der Beruf mit dem Privatleben vereinbaren lässt

Mit der Schicht im Freibad, wo ich ja immer lange arbeite und nur einen Tag frei habe, ist es schon schwierig, noch ein Privatleben zu haben. Meine Freunde haben meist eine Fünf-Tage-Woche und machen dann immer am Wochenende etwas zusammen. Das ist für mich etwas schwieriger. Man lebt sich aber irgendwann rein in die unterschiedlichen Schichtpläne, plant besser. Ich mag es außerdem, dass ich auch mal unter der Woche frei habe und oft lange schlafen kann.

Was ein Bademeister können muss

Ein Bademeister muss schnell reagieren können und sehr vielseitig sein. Kontakt mit Menschen muss ihm liegen und Spaß machen, denn man hat viel mit Kollegen und Gästen zu tun. Es schadet auch nicht, handwerklich begabt zu sein und bei allem mit anpacken zu können. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass man sowohl manchmal viel Zeit im Büro verbringt, als auch manche Tage komplett draußen.

Wie ich mir keine dummen Sprüche auf Partys anhören muss

Ich bekomme auf Partys kaum Reaktionen auf meinen Job. Das kann auch daran liegen, dass ich mich dann als „Fachangestellter für Bäderbetriebe“ bezeichne und nicht als „Bademeister“. Ich will mich nicht unter Wert verkaufen und mich von den Leuten auf Klischees abklopfen lassen. Der Beruf des Bademeisters ist nämlich wie ein Eisberg: Man sieht beim Anblick der Bademeisters am Beckenrand nur ein Drittel des ganzen Jobs. Was aber noch alles dazu gehört, weiß fast keiner.

Warum ich privat nicht mehr im Bad schwimme

Am Anfang war es cool, einfach mal in der Pause ins Becken zu springen und danach weiterzuarbeiten. Inzwischen schwimme ich selbst aber fast gar nicht mehr in den Bädern. Denn wenn man dort jeden Tag verbringt und das Ganze einfach Teil des Jobs ist, hat man das Baden irgendwie einfach über. Das Freibad-Essen esse ich aber immer noch gerne.

Und so viel verdienen andere in ihren Berufen: