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Foto: Privat / Collage: jetzt.de

Der Job

Den Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich im Auto. Zweimal die Woche gebe ich Theorieunterricht. Da meine Mutter die Besitzerin der Fahrschule ist, sitze ich sonst viel im Büro, mache Abrechnungen und berate Leute, die mit dem Führerschein anfangen wollen. Als Fahrlehrer muss man sehr geduldig sein, wie in jedem pädagogischen Beruf. Der Führerschein ist ein komplexes Thema, da kommen viele Fragen auf, die man beantworten muss.

Fahrlehrer haben das Problem, dass sie den ganzen Tag im Auto sitzen. Spätestens mit 50 bekommt man deshalb gesundheitliche Probleme. Die Bänder haben sich bis dahin meist schon verkürzt, man hat wenig Bewegung und wegen der Arbeitszeiten ist es schwierig, sich ausgewogen zu ernähren. Viele Fahrlehrer sind deshalb übergewichtig. Damit mir das nicht passiert, mache ich in meiner Freizeit viel Sport.

Die Ausbildung

Zuerst einmal muss man fünf Monate auf eine Verkehrsschule gehen. Man stellt einen Antrag auf die Fahrlehrerlaubnis, dazu darf man maximal einen Punkt in Flensburg haben und muss ein polizeiliches Führungszeugnis und den erweiterten Sehtest einreichen. Außerdem musste ich nachweisen, dass ich bis zum Ausbildungsbeginn mindestens 30.000 Kilometer mit dem Auto gefahren bin. Zusätzlich muss man eine ziemlich hohe Anmeldegebühr bezahlen. Bei mir waren das damals 9.500 Euro. Man kann aber auch Bafög beantragen oder sich das über das Arbeitsamt finanzieren lassen. 

Ein typischer Arbeitsalltag

Mein Arbeitstag fängt meistens so um 11 Uhr an, wenn die ersten Fahrschüler Mittagspause oder Schulschluss haben. Man hat selbst oft keine Mittagspause, da das oft der Zeitslot ist, in dem die meisten Fahrschüler Zeit haben. Das Ende des Tages ist eigentlich offen. Meistens kommen noch die Nachtfahrten hinzu. Im Sommer, wenn es spät dunkel wird, kann mein Tag schon mal bis um 24 Uhr gehen.

Die Motivation

Meine Motivation ist pädagogischer Natur, ich will Leuten das Fahren beibringen. Viele Fahrlehrer sind leidenschaftliche Autofahrer, da würde ich mich jetzt nicht dazu zählen. Ich fahre nicht mal gerne. Man sollte nur Fahrlehrer werden, wenn man Spaß dabei hat, anderen Menschen etwas beizubringen. Wenn man nur Bock aufs Fahren hat, hilft das den Schülern wenig.

Die Berufsaussichten

Der durchschnittliche Fahrlehrer in Deutschland ist 60 Jahre alt, mehr als die Hälfte aller Fahrschulen sind Ein-Mann-Betriebe. Deshalb kann man sich in Deutschland aussuchen, wo man arbeiten möchte. Es werden überall Fahrlehrer gesucht. Ich habe neulich ein Jobangebot bekommen, in dem eine Fahrschule eine Einstellungsprämie von 5000 Euro geboten hat.

Die Fahrschüler

Ich habe gerade Fahrschüler im Alter von 16 bis 57 Jahren. Man merkt zwischen dem Alter einen krassen Unterschied, was die Fähigkeit angeht, sich neue Dinge anzueignen. Man merkt aber auch Unterschiede in der Motivation. Ältere Leute wollen wirklich ihren Führerschein und sind oft sogar darauf angewiesen. Die Jüngeren haben meistens andere Dinge im Kopf und machen den Führerschein, weil die Eltern ihn bezahlen.

Ohne selbst Vater zu sein – die Fahrlehrer sind für mich ein bisschen, wie meine Kinder. Es ist ja ein pädagogischer Beruf, da ist ein Vertrauensverhältnis einfach wichtig. Wenn jemand durch die Prüfung fällt, geht mir das immer sehr nahe. Genauso ist es, wenn jemand in der Ausbildung stagniert. Neulich sollte eine 17-jährige Fahrschülerin einen Abbiegevorgang üben und hat das mehrmals nicht richtig hinbekommen. Ich habe sie immer wieder freundlich aber bestimmt auf ihre Fehler hingewiesen. Ihr Kopf wurde auf einmal immer röter. Als ich mit ihr an den Rand gefahren bin um zu fragen, was mit ihr los ist, hat sie richtig angefangen zu heulen. Sie war einfach überfordert mit der Situation. Die Leute bauen sich im Stress oft so einen Druck auf, dass sie darunter zusammenbrechen. Ich habe sie dann beruhigt und ihr gesagt, dass jeder Fahrschüler so seine Probleme hat: Bei manchen ist es das Einparken, bei manchen eben das Abbiegen.

Das Privatleben

Die Arbeitszeiten schränken das Privatleben schon ein. In meiner WG sind alle schon aus dem Haus, wenn ich aufstehe und wenn ich abends nach Hause komme, schlafen die meisten schon. Ich arbeite auch immer Samstags, weil da die meisten meiner Fahrschüler Zeit haben. Auf der anderen Seite kann man seine Zeit völlig flexibel einteilen. Wenn ich einen anderen Termin habe oder in den Urlaub gehen will, kann ich einfach in dieser Zeit keine Fahrstunden anbieten.

Das Geld

Durchschnittlich verdienen Fahrlehrer in den ländlichen Gebieten mehr. Das liegt an dem höheren Konkurrenzkampf in der Stadt. Die Preise für Fahrstunden variieren zwischen 30 und 50 Euro. Der Lohn für einen Fahrlehrer liegt zwischen 12 und 18 Euro. Ich verdiene bei einer Fahrstunde, also in 45 Minuten, 16,50 Euro. Dazu gibt es Prämien für erstbestehende Fahrschüler und bezahlte Weiterbildungstage. Wenn ich normal arbeite, verdiene ich im Monat brutto so um die 5000 Euro.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die erste Frage ist immer: „Schläfst du mit deinen Fahrschülerinnen?“ Das ist ein Klischee, aber auch nicht ganz ohne Grund. Bei Fahrlehrerkongressen, sieht man schon einige, die mit ehemaligen Fahrschülerinnen auftauchen. Da ich die Frage immer verneine, erzählen die Leute Geschichten darüber, wie ihre Fahrlehrer so drauf gewesen sind. Das finde ich immer lustig, da kann man Einiges lernen.

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