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Fotos: Privat / freepik / Collage: jetzt.de

Der Weg

Ich habe weder studiert noch Abitur gemacht. Doch Musik war schon immer ein sehr großer Bestandteil meines Lebens. Bevor ich angefangen habe, Rap zu unterrichten, hatte ich einen ziemlich eintönigen Nine-to-five-Bürojob, den ich einfach nicht mehr weitermachen wollte. Irgendwann kam dann ein Kumpel auf mich zu, der mich bat, für ihn als Breakdance-Lehrer einzuspringen. Ich kann aber nicht breakdancen –  und habe den Kindern stattdessen Rap-Unterricht gegeben. Das hat sie am Anfang ein bisschen irritiert, aber dann fanden sie es super und die Schule auch. Auf diese Weise kam ich an meinen ersten Auftraggeber. Dass ich jetzt Rap-Lehrer bin, basiert also eigentlich auf einem Zufall.

Der Einsatzort

Ich gebe Rap-Unterricht vor allem an Schulen, aber auch in Jugendhäusern in Brennpunktvierteln in Hamburg. Das sind solche Viertel wie Hamburg-Jenfeld, wo es hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität gibt. Meistens arbeite ich mit bereits älteren Jugendlichen zusammen, manchmal sind die Kinder aber auch erst zehn oder elf. Ich begleite eine Klasse oft über ein gesamtes Schuljahr hinweg, aber ich gebe auch mehrtägige Workshops.

Die meisten in meinen Kursen sind immer noch Jungs, was ich sehr schade finde. Gerade weil Hip-Hop immer noch so krass maskulin dominiert ist, freue ich mich immer über Mädels, die auch rappen wollen. Und ich habe auch schon welche erlebt, die die Jungs ganz schön an die Wand gerappt haben.

Die Motivation

Mir geht es um mehr als den Kids Taktgefühl und Texten beizubringen: Sie sollen Respekt und Integrität lernen. Rap ist dabei vor allem ein Werkzeug: für mich, damit sie mir zuhören und für sie, damit sie diese Dinge üben können. Denn die meisten Kinder, die ich unterrichte, kommen aus schwierigen Verhältnissen und bekommen wenig oder vor allem negative Aufmerksamkeit.

Für mich ist das besonders wichtig, weil ich selbst in einem solchen Stadtteil Hamburgs aufgewachsen bin, einen migrantischen Hintergrund habe und ein Problemkind war. Ich kenne also diese Kacke, mit denen viele der Kids zu tun haben. Ich will ihnen durch das Rappen Selbstbewusstsein vermitteln und das Gefühl geben, dass sie trotzdem etwas Eigenes schaffen können. Wenn wir dann am Ende einer Unterrichtseinheit eine Aufführung haben und die Kids ihre Texte vor Publikum performen, bekommen viele zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich positive Bestätigung. Mit so einer Erfahrung lernen sie, an sich selbst zu glauben.

Die Wertschätzung

Bisher habe ich vor allem sehr positive Rückmeldungen erhalten. Manchmal sind die Schulleitung oder manche Lehrer nicht ganz einverstanden mit meiner Vorgehensweise, die einfach lockerer und persönlicher ist. Ich bin ja auch kein  Lehrer im eigentlichen Sinn. Genau das gibt mir aber einen besonderen Zugang zu den Kids. Viele reden über Probleme mit mir, die sie niemals mit  ihren Lehrern oder Eltern besprechen würden. Das macht mich zu einer Art Vermittler zwischen den Schülern und den Lehrern, weil ich selbst ähnliche emotionale Zustände hatte und sie deshalb ganz gut verstehen kann.

Die Frustration

Frustriert bin ich eigentlich nur, wenn ich mitbekomme, dass es immer noch Lehrer gibt, denen es egal ist, was bei den Kids los ist. Ich habe das Gefühl, dass sie sie gar nicht verstehen wollen und ihnen lieber noch eins reindrücken, weil sie sie nicht leiden können. Dann kommt noch das dazu, was bei den Jugendlichen zu Hause oder in ihrem Viertel so abgeht. Eigentlich sind es immer die gleichen Storys, die ich damals selbst mitbekommen habe. Es sind bloß andere Namen.

Das Geld

Für eine Schulstunde bekomme ich in der Regel 45 Euro, also einen Euro pro Minute. Tatsächlich habe ich gerade auch keine Probleme, Aufträge zu finden, da Rap-Unterricht für viele Schulen noch etwas ziemlich Neues ist und es deshalb nur wenige Lehrer gibt. Eigentlich ist das komisch, da Rap nun schon seit einigen Jahrzehnten existiert. Es ist genauso eine Kunstform wie Singen oder Theaterspielen und kann eben auch unterrichtet werden. Das scheinen viele aber erst jetzt zu entdecken. Von daher muss ich mir eigentlich keine Sorgen machen

Die eigene Musik

Durch den Job bin ich zeitlich sehr flexibel  und kann genug Geld verdienen, um nebenher selbst Musik zu machen. Gerade arbeite ich an einem Projekt mit eigener Videoserie namens „GTA“. Das steht für „Grand Theft Audio“ und ist eine Anlehnung an das Computerspiel. Die Musikvideos werden durch eine Storyline miteinander verknüpft. Wenn alles planmäßig läuft, kommt das Ganze im Winter raus.  Wenn ich weiterhin meinen 40-Stunden-Bürojob machen würde, hätte ich dafür keine Zeit.

Die Aussichten

Der Job läuft gut und macht mir sehr viel Spaß. Ich glaube dennoch nicht, dass ich ihn für immer machen werde. Denn ich tue immer das, worauf ich gerade Lust habe. Außerdem will ich mich stets weiterentwickeln, also wird das nächste Kapitel irgendeine Herausforderung sein, auf die ich Bock habe. 

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