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Foto: Privat / freepik / Collage: jetzt.de

Der Weg

Ich habe einen Bachelor in Digitale Medien an der Hochschule Darmstadt mit Schwerpunkt Sound gemacht. Damals wusste ich aber noch gar nicht, was ich genau damit anfangen will. Ich habe mich einfach für Musik und Geräusche interessiert. Auch Videospiele fand ich spannend, aber dass ich gerade in diesem Bereich mein erstes Praktikum gemacht habe, war eher ein glücklicher Zufall. Denn gleich bei der ersten Bewerbung hat es geklappt und nun arbeite ich in genau dieser Firma auch heute noch. Nach meinem Praktikum und meinem Bachelor habe ich dort während meines Masters als Werkstudent gearbeitet und wurde dann nach meinem Abschluss übernommen. Hätte mich die Firma damals nicht genommen, hätte ich auch genauso gut in einem Tonstudio landen können.

Die Arbeitszeiten

Eigentlich haben wir eine ganz normale 40-Stunden-Woche mit Gleitzeit. Solange ich meine 40 Stunden arbeite, kann ich mir meine Zeit recht selbstständig einteilen. Das ist schon ganz praktisch. Es ist also völlig ok, dass ich meistens so gegen 10 Uhr anfange.

Der Stressfaktor

Gerade gegen Ende eines Projektes sind Überstunden eigentlich immer die Regel. Gerade arbeiten wir an einem Action-Rollenspiel und das muss nun mal ohne Fehler bis zur Deadline fertig werden. Die Arbeitstage sind dann oft sehr lang und es bleibt kaum noch Zeit für etwas Anderes. Oftmals handelt es sich um ein bis zwei Monate, in denen ich noch konzentrierter bin als sonst. Schließlich will ich auch ordentliche Arbeit abliefern. Diese Zeit kann schon sehr stressig sein. Aber das ist schließlich in vielen Medienberufen so. Dafür geht es dann zum Beginn eines neuen Projekts immer recht locker zu, sodass ich meine Überstunden problemlos abfeiern kann. Für mich funktioniert dieses System eigentlich sehr gut.

Das Geld

Von den 2700 Euro brutto kann ich eigentlich gut leben. Zurzeit wohne ich auch nicht in Frankfurt, sondern eher ländlich in der Nähe Heidelbergs. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich mir das Leben in der Stadt nicht leisten könnte – ich mag das Leben in einer kleinen Stadt einfach. Außerdem leben einige meiner Kollegen auch in Frankfurt und kommen gut klar.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

„Schmeißt du dann den ganzen Tag irgendwelche Sachen gegen die Wand und nimmst das dann auf?“ Ich glaube, viele Leute stellen sich meinen Job etwas zu bildhaft vor. Tatsächlich nehme ich gerade überhaupt keine Töne auf, sondern beziehe die Geräusche über eine riesige Datenbank. Allerdings kopiere ich die Töne dann nicht einfach nur raus, sondern mische sie neu zusammen, sodass immer ganz eigene Dinge daraus entstehen.

Die Musik komponiere ich auch nicht selbst. Wir diskutieren aber im Team, welche Art von Stimmung wir erzeugen wollen, und geben das dann an einen externen Komponisten weiter.

Die Kreativität

Bei meinem Job muss man sehr kreativ sein. Denn ich kümmere mich schließlich um alle Geräusche in einem Spiel. Dazu gehören Musiksequenzen, Hintergrundgeräusche, aber auch wie eine Figur geht oder beim Kämpfen schreit. Gerade an den einzelnen Charakteren arbeite ich sehr ausführlich. Das kann sich schon mal ein paar Monate hinziehen, bis man alle Geräusche beisammen hat. Denn es ist wichtig, dass man den Charakter und die körperlichen Eigenschaften heraushört. Wenn es zum Beispiel eine sehr große Figur mit einer schweren Rüstung ist, tritt sie lauter auf und stöhnt wahrscheinlich früher im Kampf als eine kleine, zierliche Figur. Aber genau auf diese Details zu achten, macht mir an meinem Beruf so viel Spaß.

Gleichzeitig ist es aber auch sehr anstrengend, nonstop kreativ zu sein und auf die kleinsten Dinge zu achten. Da bin ich auch manchmal froh, wenn ich zwischendurch einfach nur Excel-Tabellen ausfüllen muss. Denn irgendwann wird es dann auch im Privatleben schwer, weiterhin kreativ zu sein. Hier versuche ich es aber nicht zu erzwingen, wenn ich bereits einen sehr kreativen Arbeitstag hinter mir habe.

Die Aussichten

Die Firma wächst gerade und es besteht die Überlegung, auch den Soundbereich auszubauen. Das wäre aus mehreren Gründen toll: Es geschieht zum einem gegen den allgemeinen Trend – viele Firmen haben nicht mal einen eigenen Soundbereich und sourcen alles aus. Zum anderen hätte ich dadurch die Möglichkeit, auch eigene Geräusche aufzunehmen, um damit zu arbeiten und zu experimentieren. Das würde den Sound unserer Spiele noch origineller machen.

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