990 Euro brutto für die Hotelfachfrau-Auszubildende

Anna, 21, arbeitet in einem Fünf-Sterne-Hotel. Sie kennt das Hotelgewerbe schon von klein auf.
Protokoll von Charlotte Bastam

Foto: privat; Illustration: Jessy Asmus

Der Hotelbetrieb

„Ein Fünf-Sterne-Hotel besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Abteilungen, die man während seiner Ausbildung alle kennenlernt. Ich habe sowohl im Service, in der Spülküche, in der Verwaltung als auch an der Rezeption und im Spa gearbeitet. Man lernt das gesamte Haus von Grund auf kennen und kann dadurch seine eigenen Vorlieben entdecken. Ich habe auch schon zur jeder Tages- und Nachtzeit gearbeitet. Gerade bin ich ganz regulär von 9.30 bis 18 Uhr im Veranstaltungsbüro und unterstütze das Team in der Eventplanung. Mein Herz gehört aber dem Service, da ich das schnelle Arbeiten und den direkten Kontakt mit den Gästen sehr mag. Dort sind die Arbeitszeiten sehr unterschiedlich und Überstunden macht man auch leicht. Schließlich will man den Gästen den besten Service bieten.

Die Ausbildung

Meine Ausbildung endet im Juli nach drei Jahren mit einer letzten praktischen Prüfung. Bis dahin habe ich in einem Hotel in München gearbeitet und bin zur Berufsschule gegangen. Im ersten Jahr hatten wir noch recht viel Unterricht. Zwischen jeder Einheit im Betrieb von zwei bis drei Monaten lagen ein bis zwei Wochen Block-Unterricht. Dort habe ich, neben Service, Marketing und Verkauf auch viel über verschiedene Speisen, Getränke und Spirituosen gelernt. Neben den theoretischen Einheiten gab es auch sehr praktische Stunden, in denen wir gelernt haben einen Tisch einzudecken oder Getränke zu mixen.

Im zweiten Jahr hat man eigentlich einen festen Tag in der Woche Schule. Allerdings mache ich noch eine europäische Zusatzausbildung, die mir später bessere Möglichkeiten bietet, im Ausland zu arbeiten. Ich hatte deswegen noch Französischunterricht und habe Einiges über das internationale Hotelwesen gelernt. Sonst hätte ich wegen meines Abiturs die Ausbildung auch auf zwei Jahre verkürzen können.

Dass ich in die Hotelbranche möchte, war für mich eigentlich schon immer klar. Meine Eltern leiten das Hotel „Zur Post“ in Rohrdorf, in dem ich schon zu Schulzeiten ausgeholfen habe. Der Takt im Hotel ist daher auch irgendwie ein Stück Zuhause für mich. Und geholfen hat mir meine Vorerfahrung bei der Bewerbung auf den Ausbildungsplatz natürlich auch. Wenn man das Hotelgewerbe gar nicht kennt, würde ich auf jeden Fall ein Praktikum vorher empfehlen. Denn dieser anstrengende Job muss einem auch liegen.

Die Herausforderungen

Im Gegensatz zu einigen Mitschülern, die vor ihrer Ausbildung noch nie mit der Hotellerie in Berührung gekommen sind, hatte ich vor der Arbeit zwar immer Respekt, aber nie Scheu. An Feiertagen und Wochenenden zu arbeiten oder im Service Kunden zu bedienen, hat mich nie abgeschreckt. Ich glaube das kommt vor allem daher, dass ich schon damit aufgewachsen bin. Einmal hatten wir beispielsweise einen bekannten Fußballspieler da, bei dem sich niemand außer mir getraut hat, ihn an der Bar zu bedienen.

Auch in einem 5-Sterne-Hotel passieren Fehler. Gerade im Service fliegt öfter mal was runter. Das ist immer unglaublich peinlich, weil dich dann alle anstarren. Aber die erfahrenen Kollegen sind geschult, eilen dir zur Hilfe und schicken dich erst mal zur Beruhigung woandershin. Womit ich allerdings zu kämpfen habe, sind wechselnde Schichten. Vor allem Nachtschichten sind sehr anstrengend. Daran kann sich mein Körper nur schwer gewöhnen. Zum Glück kam das bei mir aber nicht so oft vor.

Die Motivation

Im Hotelgewerbe weiß man immer, woran man ist, da man sofort ein Feedback von seinen Gästen bekommt. Diesen direkten Umgang mag ich sehr gerne. Außerdem möchte ich später im Ausland arbeiten und mit meiner Ausbildung habe ich tolle Möglichkeiten. Das deutsche Ausbildungssystem aus Schule und Betrieb ist international sehr angesehen. Ich kann sogar in meiner Hotelkette bleiben, da wir viele Standorte haben. Auch sind die Aufstiegschancen in der Hotelbranche sehr gut. Man muss sich zwar bemerkbar machen, aber dann kann man immer weiter hochklettern und Positionen mit mehr Verantwortung übernehmen. Meine erste Station im Hotel war in der Spülküche. Da hat die Hotelmanagerin zu mir gemeint: „Da hab ich auch mal angefangen.“ Mit einer guten Ausbildung kann man es also tatsächlich von der Tellerwäscherin zur Hoteldirektorin schaffen.

Das Geld

Im dritten Jahr verdiene ich 990 Euro brutto im Monat. Wenn ich aber dann regulär anfange zu arbeiten, steige ich bei 2200 Euro brutto ein. Dabei ist es auch egal, in welche Abteilung ich gehe. Beim Service kommt allerdings noch das Trinkgeld hinzu. Das bekommen nicht nur die Kellner oder die Leute an der Bar, sondern auch die Spüler und Köche. Bei uns wird alles gerecht nach einem Schlüssel aufgeteilt, da alle zum Team gehören.

Die Frage, die immer auf Partys gestellt wird

Die meisten Leute gehen davon aus, dass ich genau wie sie auch studiere. Wenn ich dann sage, dass ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau mache, kommt oft ein blöder Spruch in die Richtung: „Ach, du putzt dann das Klo?“ Das finde ich sehr schade – als wäre eine Ausbildung weniger wert als ein Studium. Aber im Laufe der Party merken sie dann, dass ich mich mit allen möglichen Alkoholsorten auskenne und Cocktails mixen kann. Dann sind sie auf einmal ganz still.“