3135 Euro brutto für die Werkstoffprüferin

Danni, 23, erzählt von ihrem Alltag als Werkstoffprüferin und wie es ist, als Frau in einem ‚Männerberuf‘ zu arbeiten.
Protokoll von Hannah Berger
jobkolumne werkstoffprueferin cover

Foto: Privat / Illustration: jetzt

Wie reagieren die Menschen, wenn du erzählst, was du beruflich machst?

Das ist immer sehr witzig. Wenn Leute mich nach meinem Beruf fragen und ich dann sage, dass ich Werkstoffprüferin bin, schauen sie mich erstmal fragend an. Die nächste Frage ist dann meistens auch schon: Und was macht man da..? Die meisten Menschen können sich da überhaupt nichts darunter vorstellen. 

Was macht ein*e Werkstoffprüfer*in? 

Die Aufgabe von Werkstoffprüfer*innen besteht darin, die Eigenschaften eines Werkstoffs zu untersuchen, Proben zu entnehmen und daran Messungen und Prüfungen durchzuführen und das Ganze zu dokumentieren. Durch verschiedene Versuche oder Untersuchungen am Mikroskop können zum Beispiel Dichte oder Zugfestigkeit von Metallen oder Kunststoffen bestimmt werden. Manche Produktionsbetriebe beschäftigen eigene Werkstoffprüfer*innen – beispielsweise in einer Abteilung für Qualitätssicherung. Es gibt aber auch Labore, die als Dienstleister mit der Werkstoffprüfung beauftragt werden oder spezifische Schadensfälle untersuchen. 

Damit alles nach Norm läuft, müssen zu Beginn meiner Schicht erst einmal die Prüfgeräte kalibriert werden. Dann prüfe ich, ob die Teile, die stichprobenartig aus der laufenden Produktion kommen, den Kundenanforderungen entsprechen. Ich prüfe vor allem Motoren- und Getriebeteile, zum Beispiel in Form von Zahnrädern. Die Ergebnisse des Prüfprozesses werden dann genau dokumentiert.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Werkstoffprüferin zu werden?

Ich würde sagen, das war ein glücklicher Zufall. Die Firma, in der ich arbeite, ist ein relativ großer Arbeitgeber hier in der Region. Ich wollte schon immer lieber etwas mit Praxisbezug machen und nicht nur im Büro arbeiten, deshalb habe ich in den Schulferien dort ein Praktikum im Labor gemacht. Da wurde mir dann ziemlich schnell klar, dass das ein guter Beruf für mich wäre. Außerdem war es mir wichtig, in der Region zu bleiben, weil ich eher ein Familienmensch bin. Also habe ich mich nach meinem Realschulabschluss in derselben Firma beworben und den Job dann auch bekommen.

Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre. Mit guten Leistungen kann man aber auch verkürzen. Im Rahmen der Ausbildung musst du natürlich auch in die Berufsschule. Darüber hinaus kann man Kurse belegen, um zusätzliche Qualifikationen zu erwerben. 

Welche Fähigkeiten sollte man als Werkstoffprüfer*in mitbringen?

Zunächst einmal Grundkenntnisse in Mathe und Physik, vielleicht auch ein bisschen Chemie. Handwerkliches Geschick braucht man natürlich auch. Weil man sehr selbstständig arbeitet, sollte man außerdem in der Lage sein, immer selbst mitzudenken und schnell umzudenken. Vor allem aber sollte man sorgfältig arbeiten: Wenn du schlampig arbeitest, kann es sein, dass deine Ergebnisse gar nicht ausgewertet werden können und dann war die ganze Arbeit umsonst.

Was gefällt dir an deinem Beruf?

An meinem Beruf gefällt mir, dass er sehr vielseitig ist. Es ist kein reiner Bürojob, aber auch kein rein handwerklicher Job. Die Hälfte der Zeit stehst du in der Werkstatt und bereitest Proben vor, indem du schleifst, polierst und Stücke heraustrennst. Und den Rest der Zeit sitzt du am Schreibtisch und schreibst Berichte. Außerdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Ich mache zum Beispiel gerade meinen Techniker an einer Fernschule. Mit einer Hochschulreife kann man natürlich auch studieren.

Wie viel verdienst du im Monat?

Ich verdiene 3135 Euro brutto im Monat. Das unterscheidet sich allerdings von Betrieb zu Betrieb und ist außerdem davon abhängig, ob man Mitglied in einer Gewerkschaft ist.

Dein Berufsfeld gilt ja nach wie vor als eher männerdominiert. Kannst du das durch eigene Erfahrungen bestätigen? 

Zum Teil. Da Werkstoffprüfer*innen häufig in Metallwerken oder in der Automobilindustrie beschäftigt sind, ist der Männeranteil im Allgemeinen schon relativ hoch. Bei uns im Labor war es aber anfangs ziemlich ausgeglichen. Mittlerweile geht die Tendenz sogar eher zu mehr weiblichen Fachkräften. Das sieht natürlich nicht in allen Betrieben so aus. Aber auch in der Berufsschule waren die Frauen nur leicht in der Unterzahl. Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für diesen Beruf.

Um ehrlich zu sein, war mir lange gar nicht klar, dass Werkstoffprüfer*in als Männerberuf gilt. So richtig bewusst wurde mir das erst, als mein Lehrer in der Berufsschule darauf zu sprechen kam. Es hätte mich aber sowieso nicht in meiner Berufsentscheidung beeinflusst, schließlich macht der Job ja dadurch nicht weniger Spaß. Ich persönlich empfinde das nicht als Nachteil.

Warst du diesbezüglich schon mal mit Vorurteilen konfrontiert?

Klar gibt es immer einzelne Personen, die dich unterschätzen. Besonders während der Ausbildung wird man am Anfang eben oft als das junge Mädchen mit wenig Erfahrung wahrgenommen. Das legt sich aber mit der Zeit. Wenn du deine Arbeit richtig machst und allen zeigst, dass du es kannst, dann werden sie schnell merken, dass du genauso viel drauf hast wie ein Mann.

jobkolumne werkstoffprueferin cover
  • teilen
  • schließen