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Illustration: Janina Schmidt

Drei typische Sätze, die man zu hören bekommt, wenn man als Paar zusammenarbeitet: Erstens: „Könnte ich ja NIE“, Zweitens: „OH GOTT, und wenn ihr euch trennt?“, Drittens: „Das stelle ich mir als das BESTE AUF DER WELT VOR!“

Ich halte es natürlich mit Satz Nummer 3.

Mit niemandem arbeite ich lieber als mit meinem Freund. Ich finde ihn klug, interessant, begabt, aufregend, beruhigend, einfühlsam. Ich vertraue ihm wie niemandem sonst. Er hat sehr viele Eigenschaften, die ich nicht habe und ich habe viele, die er nicht hat. Was uns zu perfekten Teampartnern macht.

Menschen, die sich so nah sind und die soviel miteinander rumhängen, wie wir es tun, sagt man gern nach, sie seien eins. Ich sehe das anders. Wir sind eigentlich drei. Zuerst einmal gibt es meinen Freund und es gibt mich. Wir tragen auch als Einzelpersonen schon jeweils genügend Schaffenskraft in uns, um uns zu beschäftigen. Er ist Fotograf, ich bin Autorin. Er verfolgt seine eigenen Fotoprojekte und ich schreibe meine eigenen Bücher und Texte. Aber weil sich unsere Fähigkeiten zufällig gut ergänzen und wir außerdem unzählige Interessen teilen, taucht eine dritte Taskforce auf, sobald wir Zeit miteinander verbringen. Ein enorm schaffenskräftiges, aus uns beiden bestehendes Hybridwesen, das uns unablässig zu gemeinsamen Projekten anstiftet. Wir können gar nichts dagegen tun.

Und wer wären wir, diese Taskforce zu ignorieren? Sie schlägt ja immer so lustige Sachen vor! Sie hat uns im Laufe der Jahre schon einige gemeinsame Webseiten beschert, uns Aufträge an Land gezogen und diverse fiktive Businesspläne schreiben lassen.

Unser neuestes gemeinsames Projekt ist ein Essensmagazin. Dafür haben wir sogleich eine GbR gegründet. In deren Vertrag natürlich auch festgelegt ist, was geschieht, falls wir uns trennen und diese GbR auflösen wollen. Kann passieren. Besser also, man hat einen Notfallplan. Ansonsten halten wir es mit dem Leitsatz: Das größte Risiko ist es, kein Risiko einzugehen. Menschen trennen sich. Paare, Ehen, Geschäftsleute, Vereinsbrüder. Passiert dauernd. Wer Eltern hat, die sich getrennt haben, weiß, dass es schmerzhaft und anstrengend ist. Und? Es deshalb gar nicht erst drauf ankommen lassen, was ist das für eine Lebenshaltung? 

Es hat sich ergeben. Wie unsere Liebe

Dabei war es anfangs sowieso keine bewusste Entscheidung, zusammenzuarbeiten. Es hat sich ergeben. Wie unsere Liebe. Man kann sich gar nicht für so wahnsinnig viel entscheiden, wie man immer glaubt. Das Liebes-Beispiel zeigt das ganz gut: Entweder hängt man eh die ganze Zeit miteinander ab und will es nicht anders, oder man lässt es bleiben. Ob man es „Zusammensein“ nennt oder einander „die Treue schwört“, ist zweitrangig.

Und das gilt auch fürs Zusammenarbeiten. Man macht es und es klappt, oder man lässt es bleiben, weil es nicht klappt. Braucht man sich nicht lange den Kopf drüber zerbrechen. 

Als Paar zusammenzuarbeiten, bedeutet, sehr gut miteinander streiten und Kompromisse schließen zu können. Hätte ich mir früher nie nachsagen lassen, scheint aber in diesem Fall zu funktionieren. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Kausalität andersherum ist: Hat man einen Partner gefunden, mit dem man sehr gut streiten und Kompromisse schließen kann, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass man auch gut zusammenarbeiten kann. Man muss sich gut miteinander langweilen können, darf aber nicht schnell voneinander gelangweilt sein. Man verbringt schließlich mehr Zeit miteinander als alleine. Was mich zum vierten Satz bringt, den man oft hört, wenn man als Paar zusammen arbeitet: „Geht ihr euch nicht schrecklich auf die NERVEN, wenn ihr euch andauernd seht?“

Erstens wohnen wir in zwei getrennten Wohnungen, darauf bestehen unsere Egos. Und zweitens: Gibt es nicht eine Million berufstätige Paare, die sich nur ein paar Stunden am Tag sehen, diese Zeit hauptsächlich mit Müll rausbringen verbringen, mit Wäsche waschen und mit Drübereden, ob man am Wochenende für den Besuch Lasagne machen kann, obwohl der Freund von der Amelie Vegetarier ist? Neben der Arbeit bleibt selten viel Zeit fürs Paarsein. Umso besser, man arbeitet zusammen.

Außerdem ist so ein Doppelverhältnis – einerseits Paar, andererseits Kollegen – extrem beziehungserhaltend. Man begegnet sich unseriös im Privaten und seriös im Beruflichen. Möglicherweise spielen andere Paare deshalb Rollenspiele: weil es aufregend ist, einander in unterschiedlichen Versionen seiner selbst zu begegnen. Außerdem hält einen die berufliche Professionalität immer wieder aufs Neue zu Empathie und Respekt an. Arbeitet also mit euren Partnern, wenn es funktioniert. Es ist das Beste der Welt!

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