Junge Alternative: Es gibt kein Bündnis mit der Putin-Jugend

Aber ja: Man will sich kennenlernen.
Von Simon Hurtz
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Illustration: Julia Schubert

Die Junge Alternative, JA, bestreitet, ein Bündnis mit der Jugendorganisation der Putin-Partei „Einiges Russland“ eingegangen zu sein. „Ich kann mich nur darüber wundern, was der Spiegel schreibt“, kommentiert Markus Frohnmaier den Medienbericht. Frohnmaier ist Vorsitzender der Jugendorganisation der rechtspopulistischen AfD.  Er soll - laut Spiegel - gemeinsam mit seinem Co-Vorsitzenden Sven Tritschler am Mittwoch ein Bündnis mit der russischen "Junge Garde" vereinbart haben.

„Wir haben das Gespräch miteinander gesucht und wollten einander kennenlernen. Aber da kann man noch nicht von einer offiziellen Kooperation sprechen", sagt Frohnmaier im Gespräch mit jetzt.  Es stimme, dass er sich in Berlin mit Robert Schlegel, einem Duma-Abgeordneten und Spitzenfunktionär von Einiges Russland getroffen habe. „Doch bislang loten wir nur aus, in welcher Form eine Zusammenarbeit möglich wäre."

Momentan gehe es nur darum, die Junge Garde besser kennenzulernen. Die Junge Alternative spreche ebenso mit anderen europäischen Jugendorganisationen, etwa aus dem Baltikum, Norwegen und Schweden; auch mit libertären US-amerikanischen Verbünden habe die JA bereits Kontakt aufgenommen. "Wir gehen da nicht ideologisch vor", sagt Frohnmaier. "Das Element, das uns verbindet, ist souveränistisches Denken. Danach wählen wir unsere Gesprächspartner aus. Wir wollen Nationalstaaten stärken, andere Politikfelder spielen bei der Zusammenarbeit eine untergeordnete Rolle."

"Den Menschen in Russland nicht die Menschenrechte erklären"

Die Interpretation von "souveränistisch" dürfte dabei in den unterschiedlichen Ländern unterschiedlich ausfallen, ebenso wie die Haltung auf den "anderen Politikfeldern". Die Junge Garde ist für ihre antiwestliche und teils homophobe Ausrichtung bekannt. Sie erzwang zum Beispiel die Abschaltung einer Online-Beratung für LGBT-Jugendliche. Für Frohnmaier ist das kein Grund, auf Abstand zu gehen. Er müsse sich erst umfassend mit dem Programm der Jungen Garde beschäftigen. „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen in Russland zu erklären, was unsere Vorstellungen von Menschenrechten und Zusammenleben sind. Es geht um geopolitische Interessen.“

„Wir suchen Jugendorganisationen, die für ein Europa der Vaterländer stehen“, sagt Frohnmaier. „Wir sind begeisterte Europäer, sehen die EU und Brüssel aber kritisch.“ Auch die Nato-Mitgliedschaft stellt er in Frage, Sicherheitsarchitekturen dürften „nicht in Stein gemeißelt“ sein.

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg erreichte die AfD in einem Wahlbezirk in Villingen-Schwenningen 42 Prozent der Stimmen. Dort leben besonders viele deutsch-russische Spätaussiedler. Auch deshalb sieht Frohnmaier in der Annäherung an Russland parteipolitisches Potenzial. „Für uns gehört Russland zu Europa. Das Land ist ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. Da ist es doch selbstverständlich, dass wir den Kontakt nach Moskau suchen.“

Im Juni soll ein Parteitag über das Bündnis mit der Jungen Garde entscheiden

Im Februar hatte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der AfD vorgeworfen, sich teilweise von russischen Netzwerken finanzieren zu lassen und Putin bereitwillig zu helfen, Europa zu destabilisieren. Frohnmaier beteuert, dass Geld keine Rolle bei den Gesprächen mit der Jungen Garde gespielt habe. „Unsere Schatzmeister haben die Anweisung, Gelder aus dem Ausland zurück zu überweisen. Wir haben noch keinen Cent aus ausländischen Quellen angenommen.“

Bevor die JA ein offizielles Bündnis mit der Jungen Garde eingehe, müssten noch viele Gespräche geführt werden. Frohnmaier will die Kooperation auf dem kommenden Bundeskongress der JA besprechen. Der Parteitag soll im Juni in Baden-Württemberg stattfinden, ein genaues Datum steht noch nicht fest.

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