Mädchen, wie findet ihr das perfekte Verhütungsmittel?

Und wie lange dauert diese Suche?
Von Kolja Haaf und Patricia Friedek
jm frage verhuetungsmittel

Foto: CL. / photocase.de; Bearbeitung: jetzt

Liebe Mädchen,

abgesehen von dem gelegentlichen Kondom in unserem Geldbeutel ist Verhütung für uns eigentlich eine unsichtbare, wohlwollende Macht, die irgendwie dafür sorgt, dass heutzutage vergnügter Penetrationsspaß möglich ist, ohne irgendwelche plärrenden Konsequenzen. Bedeutet: Wir leben größtenteils in seligem Nichtwissen. 

Und damit kommen wir ziemlich gut durch, weil die Verhütungs-Forschung sich bisher vor allem auf Methoden konzentriert hat, die für Frauen gedacht sind. Aber lassen wir einmal außen vor, dass das eine räudige Ungerechtigkeit ist. Was uns interessiert, ist: Wie entscheidet ihr, wie ihr verhütet?

Auch wir haben mitbekommen, dass die Pille Nachteile hat

Denn – kurze Internetbefragung – da gibt es ja einen bunten Strauß an Mittelchen: Natürlich die Pille, dann die Mini-Pille, diverse Spiralen, die FemCap, die Kupferkette (das klingt schmerzhaft, übrigens), das Diaphragma und das war’s sicher auch noch nicht. 

Und mittlerweile haben auch wir mitgekriegt, dass etwa die Pille eben nicht wirklich ein Wunderding ganz ohne Nachteile ist. Mal ganz abgesehen davon, dass man sie diszipliniert nehmen muss – was ich mir an sich schon absolut nervtötend vorstelle – kann die Pille den Hormonhaushalt zerschießen und Nebenwirkungen mit sich bringen, die von Kopfschmerzen, über Libidoverlust bis hin zu Depressionen reichen. Und wir vermuten mal, dass auch keines der anderen oben genannten Konzepte völlig ohne Haken ist. Sonst hätte sich ja eins gegen alle anderen durchgesetzt. 

Aber woher wisst ihr, welche Verhütungsmethode für euch die beste ist? Lasst ihr euch da von Erfahrungsberichten leiten? Hört ihr auf den Rat von Freundinnen? Studiert ihr ausführliche Metastudien inklusive Sekundärliteratur? Probiert ihr einfach alles durch? Verlasst ihr euch auf Kondome? Versucht ihr es mit natürlicher Verhütung und berechnet immer eure fruchtbaren Tage? 

Oder ist es am Ende sowieso das Romantischste überhaupt, wenn wir uns für euch den Samenleiter durchschnibbeln lassen?

Erzählt doch mal. 

Eure Jungs

Die Mädchenantwort:

Liebe Jungs, 

wenn wir das erste Mal Sex – oder „Penetrationsspaß“, wie ihr das nennt – haben wollen, dann gehen wir zum Frauenarzt oder zur Frauenärztin. Und dort wird uns meist geraten, die Antibabypille zu nehmen. Aus der Sicht vieler Gynäkolog*innen hat das Verschreiben der Pille mehrere Vorteile: eine regelmäßige Periode, leichtere Schmerzen, weniger starke Blutung und sichere Verhütung. Angesichts der kurzen Behandlungszeit (ungefähr elf Minuten), die für Kassenpatientinnen vorgesehen ist, ist das natürlich praktisch. Zudem bringen manche Pillen den zusätzlichen netten Side-Effekt mit, die Haut reiner zu machen – verlockend für pubertäre Teenies. 

Manche finden sich mit den Nebenwirkungen von hormoneller Verhütung ab

Weil wir das in unserer 14-jährigen Naivität erst mal nicht groß hinterfragen, ist die erste Hormonpille oft schnell geschluckt. Viele junge Frauen bemerken erst nach Monaten oder sogar Jahren, dass die Pille uns auch verändern kann: Gewichtsprobleme, Stimmungsschwankungen oder keine Lust auf Sex sind noch die harmlosesten Nebenwirkungen. Oft folgt dann die ungesündeste aller Möglichkeiten: Manche von uns fangen an, die Pille auf eigene Faust abzusetzen, nehmen eine andere oder probieren den Hormonring aus. Wir wissen, dass das schlecht für unsere Körper ist. Wir machen es trotzdem. Andere nehmen die Pille weiter, sie ist das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland. Einige von uns müssen die Pille wegen gesundheitlicher Beschwerden nehmen, zum Beispiel aufgrund von Stoffwechselerkrankungen oder Endometriose. Das macht die Suche für die Betroffenen leichter, trotzdem nehmen sie die Pille häufig nicht gerne.

Und dann reden wir natürlich miteinander: „Eine Freundin von mir hat die Kupferspirale und ist schwanger geworden, das Kind ist jetzt behindert!“ oder „Kondome? Ich kenne jemanden, dem ist das gerissen und jetzt ist er ungewollt Vater geworden!“ Solche Storys beeinflussen uns natürlich. Trotzdem reagieren wir ganz unterschiedlich darauf. Manche finden sich mit den Nebenwirkungen von hormoneller Verhütung ab, andere damit, dass sie immer ein Kondom zur Hand haben müssen, um Sex zu haben. Wieder andere lassen an sich herumoperieren, um für ein paar Jahre durch den Einsatz von Kupferspirale oder -kette Ruhe zu haben. 

Deswegen lautet unsere Antwort leider: Die perfekte Verhütungsmethode gibt es nicht. Trotzdem suchen wir sie oft unser Leben lang. Das ist anstrengend. Dass ihr euch sterilisieren lasst, das verlangen wir trotzdem nicht – vor allem nicht, solange wir irgendwann vielleicht noch Kinder haben möchten.

Eure Mädchen  

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