Diese Comics verdeutlichen Rassismus gegenüber Asiat*innen

Seit Ausbruch des Coronavirus wird die Leipziger Illustratorin Le noch häufiger mit Anfeindungen konfrontiert.
Von Sophie Aschenbrenner

Le ist 26 Jahre alt und in Leipzig geboren und aufgewachsen. Trotzdem hört sie immer wieder eine Frage: „Woher kommst du WIRKLICH?“ – denn ihre Eltern stammen aus Vietnam. Derzeit studiert sie Druck- und Medientechnik in Berlin. Auf ihrem Hauptaccount auf Instagram teilt sie ihre Zeichnungen. Daneben betreibt sie seit kurzer Zeit den Account „woherkommstduwirklich“. Dort postet sie Comics, in denen sie sich mit rassistischen Vorurteilen gegenüber Asiat*innen in Deutschland beschäftigt. Auch das Coronavirus hat schon einen Comic bekommen. (Einige dieser Comics sind im Text eingebettet, du kannst dich einfach durchklicken.)

comic rassismus asiaten portrait

Le lebt in Berlin, wurde in Leipzig geboren. Dennoch wird sie ständig gefragt, woher sie kommt.

Foto: privat

In kleinen gezeichneten Geschichten erzählt Le in den Comics, was viele Asiat*innen kennen dürften. Das Projekt entstand, um persönliche Erfahrungen mit Rassismus zu verarbeiten, erzählt Le gegenüber jetzt. „Was ich zeichne, ist mir auch selbst passiert. Ich habe damit angefangen, um mich mit anderen auszutauschen und um auf Alltagsrassismus aufmerksam zu machen.“

In einem Comic geht es um die namensgebende Frage des Accounts: die immer gleiche Frage nach der Herkunft. „Ich hab mich erst gefragt, ob es eigentlich übertrieben von mir ist, wenn ich auf diese Frage genervt reagiere“, erzählt Le. Doch mitterweile wisse sie, dass es vielen Menschen so geht. „Erst sage ich immer, dass ich aus Leipzig komme. Doch die meisten sind mit der Antwort nicht zufrieden und bohren weiter. Ich versuche zwar dann, weiter höflich zu bleiben und sage, dass meine Eltern aus Vietnam kommen. Aber es stört mich“, sagt Le.

In anderen Zeichnungen verarbeitet sie eine bedrohliche Situation, die schon eine Weile zurückliegt: Ein Nazi bedrängte sie in Leipzig in der Straßenbahn. „Da war ich 17 oder 18 Jahre alt, er sagte zu mir, dass meine Eltern Schmarotzer seien und meine Familie Abschaum. Ich habe mich ruhig verhalten und nicht gewusst, was ich antworten soll. Irgendwann stand er auf und ging.“

Am schlimmsten war für Le, dass die Umstehenden zwar alles mitbekamen, aber nicht reagierten: „Ich verstehe, wenn man Angst davor hat, einen Nazi zu konfrontieren. Aber es wäre schön gewesen, wenn danach jemand zu mir gekommen wäre und mir Beistand geleistet hätte.“ 

Durch das Coronavirus, so erlebt Le es, hat sich der Rassismus ihr und anderen Menschen mit asiatischen Wurzeln gegenüber noch einmal verstärkt. In einem Comic verdeutlicht sie ihre Anstrengung, bloß nicht zu husten, aus Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen. „Gestern war ich in der Bahn, habe telefoniert und ein Mann hat mir ,Virus‘ hinterhergerufen“, erzählt die 26-Jährige. „Ich kann nicht verstehen, wenn Menschen das Virus mit einer Menschengruppe zusammenbringen und Asiatinnen und Asiaten unter Generalverdacht stellen.“ Sie habe keine Angst vor dem Virus, aber vor den Anfeindungen.

Andere rassistische Vorurteile, die asiatische Menschen immer wieder hören, sind laut Le zum Beispiel, dass asiatisches Essen streng rieche. Auch dazu zeichnete sie einen Comic. „Außerdem gibt es das Klischee, dass asiatische Frauen sich immer gut um ihren Partner kümmern, gefügig sind, auf das hören, was Männer sagen, dass sie nicht laut sind und eher zurückhaltend“, sagt Le.

„Weiße müssen sich klar machen, dass sie in unserer Gesellschaft privilegierter sind als Menschen mit Migrationshintergrund. Vielen ist das nicht bewusst, und wenn man sie darauf aufmerksam macht, dann reagieren sie mit einer großen Abwehrhaltung“, sagt Le. Sie hofft, mit ihrem Account vielleicht einige Menschen zu sensibilisieren. Vor allem ist er aber auch ein Ventil für sie selbst: um das zu verarbeiten, was ihr hier in Deutschland immer wieder passiert.

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