Wie entschuldige ich mich richtig?

Manchmal macht man Fehler, bei denen nichts hilft außer einer guten Entschuldigung. Wie die aussieht und warum man aufhören sollte, sich zu rechtfertigen, erklärt das Lexikon des guten Lebens.
Von Dorothea Wagner
Foto: suze / photocase.de

Ich habe eigentlich alles falsch gemacht, was man in einer Freundschaft falsch machen kann: Einen Urlaub mit meiner besten Freundin geplant und ihn dann in letzter Minute abgesagt. Kurzfristig hatte ich eine Zusage für mein Traumpraktikum bekommen und musste mich entscheiden: Das Praktikum annehmen und endlich wissen, ob ich beruflich in diese Richtung gehen möchte? Oder an meinen Urlaubsplänen festhalten und eine tolle Zeit mit der Freundin verbringen? Meine Zukunftsängste waren größer – ich entschied mich für das Praktikum.

Als ich mich bei meiner Freundin entschuldigte und ihr zu erklären versuchte, wieso ich mich so entschieden hatte, konnte und wollte sie mich nicht verstehen. Ich versprach ihr, dass so etwas nie wieder passieren würde. Doch ihre Enttäuschung konnte ich ihr damit erst einmal nicht nehmen. Hätte ich mich besser entschuldigen müssen? Wie entschuldigt man sich überhaupt angemessen?

Zunächst einmal habe ich mit der schnellen Entschuldigung einen richtigen Schritt gemacht, sagt Silke Bittner. Die Sozialpädagogin arbeitet seit 1995 als Lebens-, Familien- und Eheberaterin beim pro familia Ortsverband München und hat in dieser Zeit als Außenstehende schon viele gute und schlechte Entschuldigungen miterlebt. Ihre wichtigste Erkenntnis aus der Praxis: Mit einer Entschuldigung sollte man nicht zu lange warten. Natürlich, je schneller eine Entschuldigung ausgesprochen wird, desto höher ist auch das Risiko, dass der andere noch wütend oder verletzt ist und sie nicht annehmen kann. Aber deswegen mit der Entschuldigung zu warten, sei keine Alternative: „Nur auf diese Weise erkennt der andere, dass einem der Fehler bewusst ist. Wenn da hingegen nichts kommt, kann sich die Situation verhärten, weil man das Gefühl hat, dass es dem anderen auch noch egal ist", sagt Bittner.

Die Entschuldigung sollte, wenn möglich, immer persönlich ausgesprochen werden. Und egal wie nachvollziehbar die Gründe sind, warum man den Fehler begangen hat: Rechtfertigungen schwächen eine Entschuldigung ab. „Das dient vor allem der Beruhigung des eigenen Gewissens. Damit hilft man aber nicht der Person, die man verletzt hat", sagt Bittner. Bei einer guten Entschuldigung komme es allein darauf an, das Gefühl zu vermitteln, dass man selbst seinen Fehler erkannt hat und das falsche Verhalten bereut. Je weniger diese Aussage durch Erklärungen abgeschwächt wird, desto ehrlicher wirkt sie. Hilfreich kann es hingegen sein, wenn der andere erkennt, dass man sich um ihn Gedanken gemacht hat, zum Beispiel indem man Lösungen präsentiert, wie sich eine Wiederholung des Konflikts in Zukunft vermeiden lässt. „Auch eine Geste wie ein Brief kann die Wirkung der Entschuldigung verstärken, weil sie zeigt, dass der andere einem wichtig ist und man sich Zeit genommen hat", sagt Bittner.

Nach der Aussprache sollte man den anderen fragen, wie es in Zukunft weitergehen soll: Will er bald noch einmal über die Sache reden? Oder braucht er erst einmal Abstand? „Nur so kann derjenige selbst aktiv mitbestimmen und muss nicht länger in einer Opferrolle verharren, die Beziehung kann wieder auf Augenhöhe geführt werden", sagt Bittner. Diese Entscheidung auch zu akzeptieren, kann aber ziemlich schwierig sein. Gerade wenn der andere erst einmal Zeit für sich haben möchte, ist die Angst umso größer, dass man durch sein eigenes Verhalten die Freundschaft oder Beziehung dauerhaft verschlechtert hat. „Viele begehen an dieser Stelle den Fehler, auf Harmonie zu drängen und dem anderen diesen Freiraum nicht zuzugestehen", erzählt die Sozialpädagogin aus ihrer Erfahrung. Doch so schlimm es sich auch anfühlen mag, wenn einem der andere nicht gleich verzeiht: Man muss die Situation aushalten. „Entweder man ist demjenigen so wichtig, dass er die Freundschaft oder Beziehung weiterführen möchte, oder eben nicht. Eine Entschuldigung zu wiederholen hilft da nicht weiter", sagt Bittner. Wichtig sei es in diesen Momenten, sich den Fehler selbst zu verzeihen: „Jeder stellt sich mal selbst in den Mittelpunkt, verhält sich ungerecht oder hat sich Dinge im Vorfeld nicht ausreichend überlegt, das ist einfach menschlich", so Bittner.

Ähnlich bewertet sie auch die Geschichte mit der Urlaubsplanung: Sowohl meine Freundschaft als auch meine berufliche Zukunft waren mir wichtig, einem Bereich musste ich den Vorzug geben. Bisher habe sie es aber selten erlebt, dass sich jemand wirklich aufgrund eines einmaligen Streits dazu entschließt, eine Beziehung zu einem wichtigen Menschen zu beenden: „Freundschaften oder Beziehungen zerbrechen eher daran, dass es schon lange unterschwellige Probleme gab, die nicht angesprochen wurden."

Dorothea Wagner, 23, hat nicht selbst zwischen Urlaub und Praktikum entscheiden müssen, sondern die Geschichte von Elly, 24, protokolliert. Die Freundin hat Elly übrigens wieder verziehen, aber sie selbst fühlt sich noch ziemlich schlecht damit. Auch weil sie weiß, wie schön die Zeit zusammen gewesen wäre.

Fünf Tipps für eine gute Entschuldigung

  • Selbst, wenn der andere noch wütend oder enttäuscht ist, sollte man mit der Entschuldigung nicht lange warten. Sonst ist die Gefahr, dass sich der Streit festfährt, noch größer.
  • Am ehrlichsten wirkt eine Entschuldigung, wenn man nicht versucht, sich zu rechtfertigen oder die Gründe für sein falsches Verhalten zu erklären. Die goldene Regel: Immer persönlich entschuldigen, wenn es irgendwie geht.
  • Nach der Aussprache sollte man den anderen fragen, ob er erst einmal Zeit braucht oder ob wieder alles in Ordnung ist. Und seine Entscheidung in jedem Fall akzeptieren.
  • Wenn der andere die Entschuldigung nicht annehmen kann, hilft es nichts, sich immer wieder zu entschuldigen und Harmonie erzwingen zu wollen. Jemanden zu vergeben ist ein Prozess, der sich nicht künstlich beschleunigen lässt.
  • Wichtig ist in dieser Situation, dass man sich das eigene Fehlverhalten verzeiht. Jeder verhält sich mal ungerecht, falsch oder selbstsüchtig. Eine gute Beziehung oder Freundschaft zerbricht nicht wegen eines Streits, sondern höchstens, weil etwas viel Grundsätzlicheres nicht gestimmt hat. 

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