Harry-Potter-Stars kritisieren Joanne K. Rowling für Transfeindlichkeit

Daniel Radcliffe, Emma Watson, Eddie Redmayne – die Liste wird immer länger.
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AFP Fotograf: BENNETT RAGLIN

Der Streit um Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling und trans*Menschen geht in eine zweite Runde – nur, dass dieses Mal die Gegenstimmen um einiges lauter und prominenter werden. 

Bereits im Dezember 2019 hatte Rowling für eine große Diskussion gesorgt, als sie sich solidarisch zur britischen Wissenschaftlerin Maya Forstater zeigte. Diese hatte unter anderem öffentlich getwittert, dass es nicht möglich sei „das Geschlecht zu wechseln“ und war daraufhin von ihrem Arbeitgeber entlassen worden. Forstater klagte wegen Diskriminierung, verlor allerdings vor Gericht – was Rowling öffentlich kritisierte.

Bereits damals warfen viele LGBTQ-Organisationen Rowling vor, geschlechtliche Identität allein vom Vorhandensein eines Penis' oder einer Vagina abhängig zu machen – was als erfolgreiche Jugendbuchautorin mit Vorbildfunktion besonders problematisch sei. Viele trans*Menschen schrieben, die für sie so wichtige Geschichte um Harry Potter und seine Suche nach der eigenen Identität sei für sie durch Rowlings Verhalten nachhaltig kaputtgemacht worden. 

Mit ihren Tweets vom 6. Juni hat Rowling nun neuen Diskussionsstoff um ihre Haltung zu trans*Menschen geliefert. In Bezug auf einen Artikel, in dessen Titel von „Menschen, die menstruieren“ die Rede war, schrieb Rowling: „Menschen die menstruieren – gab es da nicht mal ein Wort für? Kann mir da jemand helfen? Wumben? Wimpund? Woomund“ – was offensichtlich Wortspiele zu dem Begriff „Women“ sein soll.

Auf die daraufhin entstehende Kritik (der verlinkte Text behandelte explizit Non-binäre-Personen) setzte Rowling noch weitere Tweets ab, in denen sie unter anderem schrieb, sie habe sich mit dem Thema seit vielen Jahren auseinandergesetzt, sei also nicht unwissend, und wer die Existenz von biologischen Geschlechtern infrage stelle, müsste auch gleichgeschlechtige Liebe als Konzept ablehnen. 

Auch dieses Mal gab es viel Kritik – allerdings auch von Menschen, die Rowling mit ihren Büchern groß gemacht hat und die sich somit offen gegen ihre „Schöpferin“ stellten. So veröffentliche Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe am 8. Juni ein langes Statement auf der Webseite „The Trevor Project“, die sich für Suizidprävention bei LGBTQ-Jugendlichen einsetzt. Darin schreibt er sehr deutlich „Transfrauen sind Frauen.“ Alle Aussagen, die das Gegenteil behaupteten, würden sowohl die Würde der betroffenen Personen angreifen, als auch sich gegen Expertenmeinungen stellen – die von dem Thema wohl mehr Ahnung hätten als er oder J.K. Rowling. In dem Text beschreibt Radcliffe auch, wie er selbst sich bemühe ein besserer Ally für trans*Menschen zu sein und warum es wichtig sei, diese Menschen vor Diskriminierung zu schützen und nicht weiter zu verletzen. Er entschuldige sich bei allen Menschen, die durch Rowlings Aussagen verletzt worden seien und hoffe, dass ihre Verbundenheit mit Harry Potter dadurch nicht gänzlich zerstört würde.

Tatsächlich hat Radcliffe mit seinem Post weitere Solidaritätsbekundungen ausgelöst. So sagte Schauspieler Eddie Redmayne, der in Rowlings „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ die Hauptrolle spielt, in einem Interview mit der Zeitschrift Variety: „Ich stimme nicht mit Jos Kommentaren übereinen. Transfrauen sind Frauen, Transmänner sind Männer und auch nicht-binäre Identitäten existieren.“ Und auch Hermine-Darstellerin Emma Watson twitterte am vergangenen Mittwoch: 

Auch die Darstellerinnen Katie Leung (spielte in den Potter-Filmen Cho Chang), Noma Dumezweni (spielte als Schwarze Frau Hermine Granger im Theaterstück „Harry Potter and the cursed child“) und Evanna Lynch („Luna Lovegood“) distanzieren sich öffentlich von Rowlings Tweets. 

Rowling selbst ist auf die Kritik ihrer Darsteller*innen bisher nicht eingegangen. Stattdessen betont sie allerdings immer wieder, dass ihre Kritik nicht als Hass auf trans*Menschen missverstanden werden dürfe - für diese würde sie sich immer einsetzen. Aber ihr Leben sei eben davon definiert worden, dass sie eine Frau sei – und das auszusprechen würde nicht von Hass zeugen.

chha

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