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Ilustration: jetzt.de

Dating-Situation: One-Night-Stand nach Clubbesuch

Geschlecht und Alter des Dates: männlich, Anfang zwanzig

Horror-Stufe: 9 von 10

„Es war zwei Wochen nach meinem 35. Geburtstag. Am Tag selbst war ich noch im Urlaub in Indonesien und konnte deshalb nicht richtig feiern. Ich wollte zwar eh keine Party geben, aber zumindest mit meinen sechs Mädels mal wieder einen draufmachen. Das letzte Mal war schon ewig her, die meisten von ihnen sind mittlerweile in einer Beziehung und hängen daher lieber zu zweit auf dem Sofa ab statt im Club. Aber an diesem Samstag war die gesamte Gang dabei.

Es begann traumhaft: Erst essen bei unserem Lieblingsitaliener, dann in die Rooftopbar mit dem schnuckligen Typen hinter dem Tresen, der tatsächlich immer noch unsere Namen kannte. Und als er uns vor lauter Wiedersehensfreude dann auch noch den ersten Drink des Abends spendierte, war klar: Das wird noch ein langer und legendärer Abend. Wie recht ich damit behalten sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst.

Als wir gegen Mitternacht schon leicht betüddelt in unserer früheren Stammdisco aufschlugen und uns der Türsteher, genau wie früher, an der Schlange vorbei ins Innere winkte, stürmten wir sofort die Tanzfläche, wie wir es schon hunderte Male getan hatten. Und während meine Freundinnen beseelt und lasziv ihre alkoholisierten Körper zum Takt der Musik bewegten, fiel mir bereits der Kerl auf, der da mit einem Kumpel am Tresen stand, und der auch mich bemerkt hatte. Er sah gut aus: trainiert, klare, blaue Augen, etwas klein zwar, aber dafür hatte er ein paar süße Lachfalten um die Augen, die er in seinem Alter noch gar nicht hätte haben dürfen – denn der Typ war locker zehn Jahre jünger als ich. Aber scheiß auf den Altersunterschied, dachte ich, und so flirteten wir den gesamten Abend hindurch miteinander – und das war schön. Ich war schon viel zu lange Single und konnte einen kleinen Egoboost gut gebrauchen. Nur gesprochen haben wir die ganze Nacht nicht miteinander, aber das störte mich nicht.

Als ich mit meinen Mädels irgendwann im Morgengrauen den Club verließ, war ich glücklich – was für ein geiler Abend! Zumindest bis hierher. Dann fragte mich meine beste Freundin plötzlich: „Was ist eigentlich mit dem Typen, der dich schon seit Stunden angeschmachtet hat? Wieso schleppst du den denn nicht ab? Du bist doch solo und dein letzter Sex ist nun immerhin schon…“ – „Okay, okay,“ unterbrach ich sie. Als ich mir in Gedanken ausmalte, wie er seine Arme um mich legte und mich küsste, kam mir ihr Vorschlag wie der einzig richtige vor. Als ich mich umdrehte, um zurück in den Club zu gehen, stand er bereits vor mir. „Da vorne steht ein Taxi“, sagte er lächelnd. „Nimmst du mich mit?“ Ich drehte mich zu meinen Freundinnen um, die allesamt grinsten, als hätten sie gerade den besten Sex ihres Lebens gehabt, und stieg mit ihm in den Wagen.

Bereits im Taxi küssten wir uns und machten bei mir zuhause genauso weiter. Er war ein guter Küsser, vielleicht etwas ungestüm, aber es war toll. Wir zogen uns langsam aus, doch als ich dann hoffte, gleich den Sex meines Lebens zu haben, nun ja, wollte es bei ihm nicht so recht klappen. Er schob es auf den Alkohol, kann ja durchaus passieren, und obwohl ich ein kleines bisschen enttäuscht war, fand ich es nicht schlimm. Es war trotzdem schön, mal wieder nackt neben jemandem einzuschlafen.

Wach wurde ich dann, es war bereits hell, von einem leiser Plätschergeräusch, so, als würde jemand die Blumen gießen. In diesem Dämmerzustand zwischen Schlaf und wach konnte ich das Plätschern in meinem pflanzenlosen Schlafzimmer nicht ganz zuordnen, also öffnete ich langsam die Augen, schaute zum Fußende des Bettes und – war plötzlich hellwach! Der Typ pisste! Er stand auf meinem Bett und pisste! Auf meine Matratze, auf den Stuhl in der Ecke mit meinen Klamotten und auf den alten Teppich von Oma. Er pisste einfach überall hin. Ich schrie! Er schrie!

Davon wachte er aus seinem Schlafwandelzustand auf. Er schaute etwas verwirrt auf die Szene, begriff und rief: „Ich mach’s weg! Ich mach’s weg!“ Er sprang vom Bett, griff sich seine Klamotten, legte sie auf die Urinpfützen und wischte ungelenk darauf herum. „Siehst du: Ich mach’s weg!“, schrie er und rubbelte hastig seine Jeans über sein Urin. Ich schrie noch lauter und die Kopfschmerzen von dem vielen Alkohol hämmerten dumpf gegen das Innere meines Schädels. „Verschwinde!“, kreischte ich. „Raus hier! Sofort!“ Ich sprang aus dem Bett, schubste ihn aus meinem Schlafzimmer in den Flur, zog ihn von dort vor die Wohnungstür und schmiss die Tür wieder ins Schloss. Und während ich hörte, wie er, nackt mit seinen urindurchtränkten Klamotten in der Hand, die Treppen hinunterging, stand ich einige Sekunden einfach nur da, ebenfalls nackt, gelähmt und mit diesen höllischen Kopfschmerzen. Dann heulte ich. Und heulte. Ich heulte ähnlich große Tränenpfützen in den Flur wie die Urinlachen in meinem Schlafzimmer.

Als ich mich wieder etwas gefasst hatte, säuberte ich stundenlang das Schlafzimmer, desinfizierte jede Ecke, bestellte anschließend eine neue Matratze im Internet und duschte mir dann eine volle Stunde den Ekel vom Leib. Die folgenden zwei Nächte schlief ich auf dem Sofa – bis endlich die neue Matratze geliefert wurde.

Einen One-Night-Stand hatte ich seit dieser Nacht nie wieder. Und: Ich kann seither nicht mehr bei offenem Fenster schlafen. Ich würde schweißgebadet aufwachen, wenn es regnet und ich in meinem Schlafzimmer Plätschergeräusche hören würde.“

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