„Ich bin zusammengebrochen“

Vier Frauen erzählen, wie sie die Minuten vor und nach einem Schwangerschaftstest erlebt haben.
Protokolle von Sophie Aschenbrenner

Illustration: Federico Delfrati

Fast jede Frau macht in ihrem Leben einen oder mehrere Schwangerschaftstest(s). Manchmal geplant, manchmal ungeplant. Er kann verbunden sein mit der Hoffnung, endlich ein Baby zu bekommen, oder mit der Panik davor, wirklich schwanger zu sein. Wir haben vier Frauen in ganz unterschiedlichen Situationen gefragt, wie sie die Minuten vor und nach einem Test erlebt haben.  

„Nach dem Testergebnis habe ich heulend meine Eltern angerufen“

Lisa, 26, ist verheiratet. Ihr Mann und sie wollten zu dem Zeitpunkt noch kein Kind: 

„Ich war damals seit ein paar Monaten verheiratet, mein Mann und ich hatten aber nicht vor, demnächst ein Kind zu bekommen. Wir haben mit der Kupferspirale verhütet, und die ist ja eigentlich sehr sicher. Aber ein bisschen Restrisiko bleibt natürlich immer. Eigentlich hatte ich meine Tage immer so richtig nach der Stechuhr. Als sie überfällig waren, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Aber es war auch Weihnachtszeit, ich hatte viel Stress und dachte, es läge vielleicht daran. Nach fünf Tagen wollte ich dann aber doch wissen, was Sache ist, und auch, ob ich an Silvester richtig feiern und trinken kann. Also habe ich meinen Mann spätabends losgeschickt, um zwei Tests zu kaufen. Vor dem Test habe ich immer noch versucht, mir das auszureden. Die Spirale hatte ich erst wenige Monate vorher checken lassen, sie saß richtig, es war eigentlich alles gut. Also habe ich den ersten Test gemacht und dachte währenddessen noch: Der wird schon negativ sein.

Und dann war der positiv. Ich bin zusammengebrochen, psychisch und physisch. Ich war damals mitten in der Masterarbeit, hatte so viele Pläne. Ich habe mich überhaupt nicht gefreut – mein Mann hat mir rückblickend gestanden, dass er sich direkt ein bisschen gefreut hat. Nach dem Testergebnis habe ich heulend meine Eltern angerufen, ich konnte überhaupt nicht sprechen. Ich wollte immer eher mit Anfang 30 Mama werden und nicht schon mit 26. Dazu kam dann noch die Unsicherheit: Bin ich trotz Spirale wirklich schwanger? Über die Feiertage hatte kein Frauenarzt geöffnet, deswegen musste ich noch mal fünf Tage warten. Ich stand am 2. Januar direkt vor Praxisöffnung vor der Tür und habe um einen Ultraschall gebeten. Danach wusste ich dann ganz sicher, dass ich schwanger bin. Aber da habe ich mich tatsächlich sehr gefreut. Ich hatte Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Heute sind wir wahnsinnig glücklich mit unserer Tochter.“

„Mein Körper hat gezittert“

Maria, 23, war damals Single und wollte kein Kind:

„Ich hatte Sex mit einem Bekannten, es war eine lose Affäre. Zu dem Zeitpunkt wollte ich auf keinen Fall ein Kind, weder mit ihm noch in meinen damaligen Lebensumständen. Damals habe ich die Pille genommen, außerdem haben wir ein Kondom verwendet. Aber dann waren meine Tage überfällig, und ich habe mich erinnert, dass ich einmal an einem Tag vergessen hatte, die Pille zu nehmen. Außerdem war ich unsicher, ob beim Vorspiel nicht doch schon was passiert sein könnte. Ich wusste gar nicht, was ich im Falle einer Schwangerschaft gemacht hätte. Wahrscheinlich hätte ich sie abbrechen wollen. Aber ich habe keine Ahnung. Den Test habe ich allein bei mir daheim gemacht. Mein Körper hat gezittert, ich habe wahnsinnig oft hintereinander die Packungsbeilage gelesen, um genau zu wissen, was ich machen muss. Ich hatte noch nie einen Test gemacht, mir sind die ganze Zeit diese Filmszenen durch den Kopf gegangen von Frauen, die im Bad sitzen und diesen Test machen. Als ich gesehen habe, dass er negativ ist, war ich einfach nur wahnsinnig erleichtert.“

„Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen“

Vera, 27, und ihr Freund haben sich ein Kind gewünscht, als sie den Test gemacht hat:

„Wir wollten unbedingt ein Kind haben, aber ich dachte eigentlich, dass es nicht so schnell klappt. Mein Zyklus ist ziemlich unregelmäßig. Deswegen habe ich mich auch zuerst nicht gewundert, als meine Tage ausgeblieben sind. Irgendwann habe ich mich dann aber doch für einen Test entschieden. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass ich danach enttäuscht sein könnte und wollte das Ganze lieber noch ein bisschen rausschieben. Mein Freund meinte dann aber: ,Wir machen ihn jetzt‘. Ich war wahnsinnig aufgeregt. Mein Herz hat sehr schnell geschlagen und mir war ein bisschen schlecht vor Nervosität. Wir waren beide ganz hibbelig. In der Zeit, die man auf das Ergebnis warten muss, haben wir den Test auf der Waschmaschine abgelegt und sind aus dem Bad gegangen, um uns irgendwie abzulenken. Mein Freund hat dann zuerst nachgeschaut. Der Test war positiv, aber der zweite Strich war ganz dünn. Erst hatte ich Angst, dass das Ergebnis nicht stimmt. Wir haben uns total gefreut, konnten es gleichzeitig nicht glauben und haben immer wieder wiederholt: ,Glaubst du wirklich, dass wir jetzt Eltern werden?‘ Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen, und am nächsten Tag stand ich schon um halb acht Uhr morgens vor der Drogerie, um noch mal drei Tests zu kaufen – die waren dann auch alle positiv. Bis ich das wirklich realisiert habe, hat es aber ein paar Tage gedauert.“

„Ich habe den Test damals sehr lange vor mir hergeschoben“

Jana, 27, ist in einer festen Beziehung, fühlt sich aber noch nicht bereit für ein Baby:

„Ich habe den Test damals sehr lange vor mir hergeschoben. Ich hatte meine Pille abgesetzt und mein Freund und ich haben mit Kondom verhütet. Aber mein Hormonhaushalt ist durch die abgesetzte Pille total durcheinander geraten und ich habe ewig meine Tage nicht bekommen. Da hatte ich irgendwann Panik. Vor dem Test habe ich mir natürlich Gedanken gemacht und überlegt, was wäre, wenn ich jetzt wirklich schwanger wäre. Mein Freund studiert noch, ich bin frisch in meinem ersten Job. Damals habe ich zu meinem Freund gesagt, dass ich jetzt kein Kind haben könnte und zumindest überlegen würde, die Schwangerschaft abzubrechen. Er hat aber gesagt: ,Wir wollen doch irgendwann mal Kinder haben, wieso nicht jetzt schon, auch wenn wir anders geplant haben.‘ Das hat mir geholfen und das fand ich cool von ihm. Er war bei mir als wir auf das Ergebnis gewartet haben. Wir waren beiden sehr erleichtert, als wir gesehen haben, dass der Test negativ ist. Jetzt ist es gut so. Rückblickend muss ich aber sagen, dass ich mich vielleicht sogar über das Kind gefreut hätte.“

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