Tinder führt einen Panik-Button ein

So sollen die Nutzer*innen vor Übergriffen geschützt werden.

Illustration: jetzt

Online-Dating ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden – vor allem, sobald es sich mit einem echten Date in die reale Welt verschiebt. Neben der Angst, dass das Gegenüber dann nicht so aussieht wie auf den Fotos oder der Befürchtung, dass einem die Gesprächsthemen ausgehen könnten, kann auch ein anderes mulmiges Gefühl mitschwingen. Wie verhalte ich mich, wenn ich Angst vor der fremden Person bekomme? Was mache ich, wenn sie plötzlich sexuell übergriffig wird und ich alleine mit ihr bin?

Um in solchen Situationen für die Sicherheit der Tinder-Nutzer*innen zu sorgen, bietet die Datingplattform bald eine neue Funktion an: den Panik-Button. Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag an. Über den Button kann in bedrohlichen Momenten automatisch die Polizei gerufen werden. Er soll zunächst nur in den USA eingeführt werden, ob und wann weitere Länder die Funktion erhalten, ist noch unklar.  

Tinder arbeitet dafür mit der Firma „Noonlight“ zusammen, einer mobilen App, die Rettungsdienste alarmieren kann. Um den Sicherheits-Button zu aktivieren, muss der Firma Noonlight erlaubt werden, auf den Standort zuzugreifen. Vor einem Date können Nutzer*innen dann Informationen darüber eingeben, wo und mit wem sie verabredet sind. Fühlt sich eine Person bedroht, kann die Panik-Taste gedrückt werden. Daraufhin fordert die App dazu auf, einen Code einzugeben. Passiert das nicht, bekommt man eine Nachricht von Noonlight. Wenn auch darauf nicht reagiert wird, ruft die App das Handy an. Passiert auch daraufhin nichts, geht die App davon aus, dass etwas Schlimmes passiert ist. Der Notfall wird bestätigt. Noonlight informiert die Polizei und gibt auch den Standort durch. Voraussetzung dafür, dass das System wirklich schützt, ist natürlich, dass man das Handy auch zur Hand hat, wenn man sich bedroht fühlt. 

Tinder wurde in der Vergangenheit bereits wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen kritisiert. Bis jetzt werden verdächtige Profile und Fotos überprüft und Nutzer*innen können gemeldet werden. Mit dem Panik-Button bietet Tinder nun das erste Mal eine Funktion, um die Nutzerinnen und Nutzer in Echtzeit zu schützen. Und damit folgt das Unternehmen dem Trend, innerhalb der App Sicherheitsfunktionen anzubieten. Wer mit Uber fährt, kann zum Beispiel in gefährlichen Situationen über die App einen Notruf betätigen. Der Polizei werden automatisch der Standort und die Fahrzeugnummer übermittelt. 

Die Geschäftsführerin von Match Group, dem Mutterkonzern von Tinder, sagte gegenüber dem Wall Street Journal: „Man sollte eine Datingplattform wie eine Mutter führen. Wir geben unseren Nutzern bereits viele Tipps, wie sie sich vor bedrohlichen Situationen schützen können. Aber wenn wir dazu auch noch eine weitere Funktion anbieten können, sollten wir das tun.“

Wenn die Funktion des Panik-Buttons aktiviert ist, wird in der App unter dem Profil angezeigt: „Von Noonlight geschützt“. Das könne laut des Tinder-CEOs Elie Seidmann schon als Abschreckung für potenzielle Täter dienen. 

Ob die neue Funktion wirklich zu weniger Übergriffen bei Tinder-Dates führt oder eher zu einem Anstieg von Fehlalarmen, bleibt abzuwarten. In den kommenden Monaten soll der Button auch bei anderen Dating-Apps in den USA eingeführt werden. 

nopa

  • teilen
  • schließen