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Illustration: Federico Delfrati

„Boah, das kann ich so auch nicht anziehen! Wie sieht DAS denn aus?“ Ein bunt gemustertes Kleid fliegt im hohen Bogen quer durchs Zimmer und landet auf meinem Schoß. Ich will meine Freundin gerade fragen, ob es nicht auch eine alte Jeans und eines ihrer T-Shirts tut, aber da fliegen sie mir schon um die Ohren.

Meine Freundin hat ein Date. Man kennt das: Du lernst einen süßen Typen auf Tinder, Lovoo oder weiß der Kuckuck wo kennen. Ihr schreibt euch viel zu viele Nachrichten hin und her, um euch im Voraus ein gutes Bild machen zu können. Nachdem man sich gegenseitig zu allen uninteressanten Punkten seines Lebens ausgequetscht hat, ohne tiefer darauf einzugehen – man will ja nur ein paar Stammdaten sammeln – geht die Dating-Spirale los. Und die besteht aus verschiedenen Stufen der Panik.

Wo treffen wir uns? Was ziehe ich an? Was erzähle ich? Wie präsentiere ich mich überhaupt? Was bestelle ich zu essen? Wer bezahlt? Wie verabschiede ich mich? Wann melde ich mich zurück? Und was zur Hölle machen wir beim nächsten Date?

Diese ganzen Fragen ließen sich hervorragend vermeiden, in dem man ganz einfach das Date vermeidet! Hä? Keine Dates? Wie soll das denn gehen?

Ein Date mit „Puh. Vorbei. Geschafft. Endlich.“ zu beenden, ist der falsche Ansatz, um glücklich zu werden.

Ich spreche nicht davon, dass man sich einfach gar nicht trifft. Sondern einfach weniger datig. Mit weniger Druck, Erwartung und Regeln. Denn erst die Bezeichnung „Date“ führt dazu, dass wir meinen, uns jede Menge Grenzen setzen zu müssen. Das Internet ist voll mit No-Go-Sammlungen für das erste Zusammentreffen. Nachdem man sich dann endlich mal geeinigt hat, wo man sich trifft – was in Dreiviertel der Fälle „Kaffee trinken“ oder „Essen gehen“ bedeutet – kommt automatisch die Panik, wie es denn jetzt weitergehen soll mit dem Date.  

„Stelle diese zehn Fragen und ...“ „Beachte diese sieben Regeln, wenn ...“ „Mach auf keinen Fall diese 25 Dinge ...“ sind dann vielleicht gut gemeinte Hinweise, aber am Ende kontraproduktiv. Weil wir dann nicht mehr darauf hören, was wir selbst eigentlich wollen. Und das ist meistens kein knapp zwei Stunden langes Aufplustern überm Kaffeebecher. Sobald man sich von einem Date verabschiedet hat, fällt vielen erst mal ein Stein vom Herzen. „Puh. Vorbei. Geschafft. Endlich.“ Das ist ganz sicher nicht der richtige Ansatz, um glücklich zu werden.

Ich sage immer gerne, dass ich noch nie ein Date hatte. Stimmt bedingt. Natürlich habe ich mich mit Jungs getroffen, die ich nett fand, aber ich habe nie ein Date draus gemacht. Ich habe dieses Wort bewusst abgelehnt. Auf die Frage: „Wollen wir auf ein Date gehen?“, sage ich: „Sorry, ich date nicht. Aber lass mal einfach so treffen.“ Mit meinem ersten Freund habe ich mich zum Subway essen verabredet. Jaaa – ganz genau! Subway – die mit dem labbrigen Brötchen mit viel zu viel Sauce, bei dem früher oder später der halbe Inhalt auf der anderen Seite des Brötchens wieder rausfällt. Wir saßen in irgendeinem Treppenhaus in der Innenstadt und haben über krass tiefgehende Themen gesprochen.

Das nächste Nicht-Date entstand, weil ich keine Zeit für ein Date hatte. Musste einkaufen gehen. Ein Standard-Haushaltseinkauf. Ich sagte dem Jungen also, was ich vorhabe und dass er mich gerne begleiten könne. Er sagte zu – wir verbrachten zwei Stunden im Kaufland. Er hat es geschafft, dass selbst dieser Einkauf spannend wurde.

Wann hat es aufgehört, dass wir uns einfach mal so treffen? Zum Kochen in der Jogginghose? Auf einen Spieleabend mit offenem Ausgang? Spontan schreiben: „Hey, ich hab heute nach der Arbeit Zeit und Langeweile.“ Ohne viel Vorbereitung, ohne Tamtam? Wer sagt, dass man sich nur ein gutes Bild von jemandem machen kann, wenn man ihn oder sie so offiziell trifft wie bei einem Staatsbankett?

Sperrt euch nicht in einem Käfig voller glitschiger Antipasti und Fahrstuhlmusik ein.

Tatsächlich glaube ich, diese Regel, dass man sich daten muss, hat auch mit der Art zu tun, wie wir die Liebe suchen. Wir filtern mit Apps vor, was zu uns passen könnte. Und auch für das Treffen danach stellen wir zahlreiche Bedingungen und Regeln auf, die eingehalten werden müssen, damit es am Ende auch wirklich die große Liebe ist. Dabei vergessen wir, worauf es uns eigentlich wirklich ankommt.

Viele Menschen beschreiben ihren Traumpartner als spontan, (abenteuer)lustig, intelligent und wünschen sich, dass er oder sie sich nicht ganz ernst nimmt. Sich piekfein zurechtgemacht in einem schicken, italienischen Ambiente zu treffen und nur zu essen, was auch Date-geeignet ist (Kein Knoblauch! Keine Spaghetti!) hilft da null weiter! Gebt euch doch lieber die Chance, euch richtig zu präsentieren und sperrt euch nicht in einem Käfig voller glitschiger Antipasti und Fahrstuhlmusik ein! Denn ob man es auch schaffen würde, bei ganz alltäglichen Dingen miteinander Spaß zu haben, lernt man dabei sicher nicht. Und eine Beziehung, bei der man nicht man selbst sein konnte, hat auch noch nie funktioniert.

Bei einem Date soll man ein genaueres Bild von seinem Gegenüber bekommen und letztendlich entscheiden, ob man es zu einem zweiten kommen lassen will. Wer aber bereits zu seinem ersten Date eine Maske aufsetzt und sich verkneift über Dinge zu sprechen, die einem persönlich wichtig sind, muss diese Maske auch früher oder später wieder runterreißen. Oder sie für immer aufbehalten. Dieser Druck fällt weg, wenn man sein Date anders aufzieht. Nicht-Dates, die völlig inoffiziell ablaufen und keinem festen Schema folgen, sind deshalb viel besser.

Also: Schluss mit No-Go Fragen und festgefahrenen Dating-Regeln!

Du willst wissen was dein Partner beruflich macht und verdient, weil du Karriere und Finanzen geil findest? Go for it! Er findet das uncool und rennt weg? Dann war er sowieso nicht der Richtige. Dir ist deine Gesundheit super wichtig und du achtest darauf, keinen Zucker zu essen und immer viel Sport zu treiben? Eine wichtige Regel beim ersten Date ist es, auf keinen Fall über Themen zu sprechen, von denen man besessen ist. Schwachsinn! Das bist du, so lebst du! Niemand möchte erst nach vielen zwanghaften Dates herausfinden, dass die neue Liebe am liebsten nur über seine selbstgezüchteten Geckos redet und meinte, das bisher verheimlichen zu müssen. Was bringt es also, dem Partner von Anfang an etwas vorzuspielen und seine Interessen zu verstecken?

Wenn man sich zum offiziellen ersten Date verhält, wie es von einem „erwartet“ wird,– anstelle einfach in Jeans zu erscheinen und sich im Schneidersitz auf den Barhocker zu krümeln, weil man es sonst auch so machen würde – dann muss man sich nicht wundern, wenn der Partner nach kurzer Zeit sagt: „Du hast dich ganz schön verändert. Am Anfang warst du irgendwie anders.“ Ja, war man. Weil man nie die Chance hatte, ganz man selbst zu sein. Und wer schon beim ersten Date den Inhalt seines Sandwichs vor sich im Treppenhaus verteilt, der weiß zumindest ganz genau, woran er ist.