So fröhlich schauen wir selten, wenn ihr uns untertaucht, liebe Jungs!

So fröhlich schauen wir selten, wenn ihr uns untertaucht, liebe Jungs!

Foto: Ingo Müller / photocase

Liebe Jungs,

eigentlich gehen wir angesichts der aktuellen Temperaturen gerne ins Freibad oder an den See. Natürlich nicht nur unter uns Mädchen, sondern auch gerne mit euch Jungs.

Nur wenn es dann tatsächlich ins Wasser geht, wünschten wir manchmal, wir hätten euch nicht mitgenommen. Denn wir müssen uns schon wundern, wenn nicht sogar ärgern, wie ihr euch uns gegenüber im Wasser verhaltet. Irgendwie scheint ihr nämlich oft großes Interesse daran zu haben, uns unterzutauchen – und dabei jegliches gute Benehmen zu vergessen.

Das war schon in der Pubertät so: Sobald wir mit euch das Becken betraten, warft ihr euch auf uns, um unsere Köpfe mit euren Händen unter Wasser zu drücken. Es folgte ein erbitterter Kampf, in dem wir versuchten, euch die Peinigung zurückzuzahlen – was viel zu oft in weiteren Tauchgängen unsererseits endete.

Aber auch heute habt ihr immer noch Spaß daran, uns in die Opferrolle zu pressen. Nichts anderes bezweckt das Tauchen doch, oder? Merkt ihr dabei gar nicht, dass uns euer Untertauch-Spaß ein Untertauch-Gräuel ist?

Wir schlucken währenddessen Wasser und kriegen unfreiwillig keine Luft, ab und zu packt ihr uns dabei sogar ziemlich grob an. Das Ganze ist für uns also einfach nur unangenehm. Schließlich bringt ihr uns mit eurem spaßig gemeinten Getunke oder Getauche (oder wie die Menschen in den verschiedenen Ecken Deutschlands das nennen mögen), in die blöde Situation, gezwungenermaßen die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren.

Versteht ihr das nicht? Dass unser „Lass das“-Gekreische meistens wirklich ernst gemeint ist? Glaubt ihr, wir wollten das doch auch? Was wollt ihr mit dem Getauche denn eigentlich bezwecken? Habt ihr Spaß daran? Lebt ihr einfach eure heimlichen sadistischen Fantasien dabei aus? Oder warum fällt es euch so schwer, es zu lassen? Erklärt doch mal!

Eure Mädchen  

Jungs-Antwort

Liebe Mädchen,

Wir haben tatsächlich nicht den Eindruck, dass das „Lass das“-Gekreische so richtig ernst gemeint ist und ihr wirklich ganz schlimm leidet, wenn wir euch untertauchen. Ich meine: zwei, drei Sekunden unter Wasser, so schlimm ist das jetzt auch nicht, oder?! Ich glaube nicht, dass wir euch da ernsthaft verängstigen. Im Gegenteil: Wir haben eher den Eindruck, dass ihr den kleinen Kampf, den so eine Tauch-Aktion ja immer mit sich bringt, oft auch ganz gerne mögt. Dass ihr den Fight gerne annehmt, dass ihr sehr genüsslich ein paar Minuten nach unserem Angriff leise angeschwommen kommt und uns überraschend in die Tiefe befördert.

Früher hat euch das doch auch gefallen. In Teenie-Freibad-Zeiten, da gehörte das Getauche zum guten Ton. Mit 13 oder 14 oder 16, da ging’s ja nicht ums Schwimmen und Sonnen, da ging es immer und ausschließlich um die Einleitung späterer Knutschhandlungen. Deshalb machten da vor allem wir Jungs allerlei unbeholfenen Scheiß, denn wir hatten ein Problem: Wir mussten cool sein. Und konnten deshalb natürlich zu dem Mädchen, das wir toll finden, nicht einfach nett und zuvorkommend sein oder ihm gar sagen, dass wir es toll finden. Nein. Wir tauchten es unter. Das war nichts anderes als unsere unausgereifte Form einer Zuneigungsbekundung.

Tauchen ist ein Schrei nach Liebe

Das Tauchen hat zudem den praktischen Nebeneffekt, dass sich Körperkontakt im darauffolgenden Wasser-Nahkampf nicht vermeiden lässt. Da ist dann plötzlich eure Haut an unserer, eure Arme schlingen sich beim Rache-Tauchen um unseren Hals - alles Dinge, die wir uns sehnlichst wünschen, aber uns an Land natürlich niemals trauen würden. Unser Tauchen ist ein Schrei nach Liebe, und in der achten Klasse habt ihr ihn auch verstanden und erwidert.

Und wahrscheinlich habt ihr euch dann einfach weiterentwickelt, und wir nicht. Jedenfalls würde ich sagen: Wenn ein Mittzwanziger eine Mittzwanzigerin untertaucht, geschieht das immer noch aus demselben Grund wie zehn Jahre zuvor. Es ist (unbeholfene) Zuneigungsbekundung, Herstellung von körperlicher Nähe.

Und eins spielt glaub ich noch eine Rolle. Ich gebe es ungern zu, weil es so was Putin-mit-nacktem-Oberkörper-Mäßiges hat und mir deshalb unangenehm ist. Aber ich glaube, dass wir, wenn wir euch untertauchen, euch und uns auch die eigene Kraft beweisen wollen. Dass wir beeindrucken wollen, indem wir euch zeigen, dass ihr hier keine Chance habt und wir euch mit einem starken Arm einfach unter Wasser befördern können. Genau das ist aber, vor allem jenseits der Pubertät, eigentlich ziemlich bescheuert. Wir werden versuchen, dran zu denken, wenn wir euch das nächste Mal tauchen wollen.

Und jetzt auf ins Wasser, ist eh zu heiß hier!

Eure Jungs

Was die Jungs sonst noch von den Mädchen wissen wollen: