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Jungs, wie findet ihr das perfekte Kondom?

Foto: Oliver Berg/dpa; Illustration: jetzt

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Liebe Jungs,

Produktauswahl kann einen in den Wahnsinn treiben. Auch bei Kondomen. Was es da alles gibt! Neben den bekannten Klassiker-Marken wie „Durex“ und „Billy Boy“ kann man unter unzähligen Alternativen wählen, die dann „Condomi“, „Malesation“ oder „Château du Coq“ (!) heißen. Und jede Marke hat mehrere Sorten im Angebot: „Fun Explosion“, „Gefühlsecht“, „Insvisible“, „Länger lieben“, „Sensation“, „Prosecco“, „Nature“ und so weiter. Die Oberfläche kann glatt, gerippt oder genoppt sein, die Beschichtung feucht, extra feucht oder Spermien abtötend. Es gibt verschiedene Größen und Wandstärken und Farben und Geschmacksrichtungen. Und natürlich gibt es auch noch eine Auswahl an nachhaltigen, fairen und veganen Kondomen (vegan, weil bei der Herstellung kein Milchprotein verwendet wurde, was ansonsten anscheinend üblich ist).

Kondome gehen uns natürlich alle an, Männer wie Frauen. Männer, die mit Frauen oder Männern Sex haben, kaufen sie, und Frauen, die mit Männern Sex haben, kaufen sie auch. Aber wir glauben, dass ihre Beschaffenheit auf eure Sexualität größere Auswirkungen hat als auf unsere. Immerhin seid ihr drin im Kondom und wir kriegen es „nur“ von außen mit. Ihr wisst ja, einer Vagina und einer Klitoris muss man schon mit ein bisschen mehr kommen (höhö) als mit Noppen am Kondom, um sie glücklich zu machen.

Kurz: Die Art des Kondoms ist uns oft egal. Von euch allerdings haben wir schon öfter gehört, wie ihr verschiedene Kondome bewertet: Dass es ja schon einen Unterschied mache, wenn da „extradünn“ draufsteht. Dass die Kondome, die längeres Durchhalten versprechen, tatsächlich wirken, und dass manche von euch das gut finden, andere sich dadurch unsensibler fühlen. Dass die eine Marke sich besser anfühlt als die andere, wobei der eine auf Marke A schwört und der andere auf Marke B. Und so weiter.

Ist die Wahl des Kondoms wenn ihr so richtig, richtig Bock habt, am Ende doch ganz egal?

Und darum fragen wir uns: Wir findet ihr, liebe Jungs, im Laufe eures sexuell aktiven Lebens das für euch perfekte Kondom? Wie habt ihr euch fürs erste Kondom entschieden? Kauft man als 16-Jähriger halt Billy Boy, weil’s alle kaufen, und wenn man älter wird, nimmt man Durex, weil das erwachsener ist? Oder gibt es eher so eine „Einmal Billy Boy/Durex/whatever, immer Billy Boy/Durex/whatever“-Regel? Macht ihr alle mal eine experimentierfreudige Phase durch und probiert bei jedem neuen Sexualpartner oder nach jeder geleerten Packung was Neues aus?

Oder ist das reine Typsache und es gibt quasi konservative und progressive Kondomträger? Wie steht ihr zu neuen Marken wie dem faire Einhorn-Kondom oder dem „Lelo Hex“, das angeblich ganz nach den Bedürfnissen der Benutzer designt wurde? Wollt ihr sowas ausprobieren? Und was passiert eigentlich, wenn ihr ein Lieblingskondom gefunden habt, dann spontan mit jemandem Sex habt und der- oder diejenige hat aber eine Marke da, die ihr superdoof findet? Geht dann die Lust flöten – oder ist die Wahl des Kondoms wenn ihr so richtig, richtig Bock habt, am Ende doch ganz egal?

So viele Fragen! Wir sind gespannt auf die Antwort.

Eure Mädchen

Die Jungsantwort:

jungsfrage text
Illustration: Katharina Bitzl

Liebe Mädchen,

so viele Fragen! Leider muss ich gestehen, dass ihr euch in dieser Frage wohl mehr Gedanken über Kondome gemacht habt, als wir in unserem ganzen Leben. Aber gut, wir arbeiten uns mal Schritt für Schritt durch:

Zunächst mal war da die Frage nach dem „ersten Kondom“: Die Antwort ist ziemlich banal, vergleichbar vielleicht mit der Antwort auf die Frage nach dem ersten Alkohol. So wie für den frühen Teenage-Rausch der Sherry aus dem elterlichen Weinregal oder die Wodkaflasche aus dem Zimmer des großen Bruders herhalten muss, sind wir bei Kondomen erstmal ebenso willkürlich. Nur eins wissen wir vielleicht schon, möglicherweise auch vom großen Bruder: Billy Boy ist brutal uncool, diese ganze Fruchtgeschmacknoppengedöns ebenso.

Auch eigenartig: Kondome, dank deren Passform man angeblich „länger kann“

Abgesehen von dieser Einschränkung folgt nun die große Ernüchterung für eure Neugier: Nach dieser „Was halt grad da ist“-Regel verfahren wir eigentlich mehr oder weniger für den Rest unseres Lebens. Klar, ab und zu glaubt man, ein halbwegs „gefühlsechtes“ Kondom gefunden zu haben und bleibt ein Weilchen dabei. Die Anführungszeichen stehen da übrigens, weil es ein komplett gefühlsechtes Kondom leider noch nicht gibt. Aber selbst wenn man einen okayen Favoriten gefunden hat, ist der im Fall der Fälle nicht verfügbar oder von einem Tag auf den anderen aus dem Sortiment verschwunden. Oder man ist eben bei jemandem zu Gast, der eine ganze Schuhschachtel einer anderen Marke unterm Bett stehen hat – dann nehmen wir halt die.

Wir sind also weder konservativ noch progressiv, sondern gewissermaßen wahllos. Ein paar Dinge gilt es aber dennoch zu beachten. Die folgenden Absätze sind dabei allerdings streng subjektiv:

Doofe Marken? Gibt es eigentlich nicht. Nur doofe Modelle: Zum Beispiel die, die angeblich „einen besseren Sitz“ versprechen. Die Wahrheit ist nämlich, dass diese Kondome schlicht etwas kleiner als Normalgröße sind. Und weil „für den kleinen Penis“ halt nicht so super klingt, wenn man mit der Freundin vor dem Kondomregal steht, schreiben die PR-Menschen hier eben die Sache mit dem „besseren Sitz“ drauf. Eine (mitunter wirklich schmerzhafte) Falle für alle Normalpenis-Träger! Denn wenn das Kondom zu klein ist, fühlt sich das so richtig blutabschnürend an, außerdem steigt das Risiko, dass das Kondom reißt.

Auch eigenartig: Kondome, dank deren Passform man angeblich „länger kann“. Die sind nämlich auch schlicht enger – und enger ist einfach beschissen, aus genannten Gründen. Andere haben eine Benzocain-Schicht im Reservoir, ein lokales Betäubungsmittel, das ebenso das Vergnügen verlängern soll. Wir haben aber noch nie von jemandem gehört, der seinen Penis gerne gefühlsärmer oder gar betäubt hätte.

Kondome mit Gleitschicht – riechen meist nach Arztpraxis

Was gibt es sonst noch auf dem Markt? Kondome mit Gleitschicht – riechen meist nach Arztpraxis, eigentlich nur sinnvoll, wenn es ansonsten tatsächlich nicht wirklich „flutscht“. Extradicke Kondome – wer’s braucht, ein bisschen Sicherheit kann vielleicht nicht schaden, geht eventuell auf Kosten des Gefühls. Auf Reißfestigkeit muss aber sowieso jedes Kondom getestet werden, bevor es auf den Markt kommt. Eine für ständiges Reißen bekannte Horror-Kondommarke ist uns nicht bekannt. Extra-gefühlsechte, angeblich irgendwie dünnere Kondome sind wiederum meistens einfach nur teurer und halten nicht, was sie versprechen. Vegan-Kondome? Noch nie probiert. Öko-Kondome? Unterscheiden sich nicht im Material (Naturkautschuk aka Latex), dieses wird aber bei den Fairtrade-Produkten unter besseren Herstellungsbedingungen für Mensch und Natur produziert. Kann man fürs Gewissen machen, einen physisch spürbaren Unterschied gibt es allerdings nicht.

Abgesehen von diesen diversen Auswüchsen des Kondommarkts gilt also als ultimativer Maßstab und zusammenfassende Antwort auf eure Fragen also eigentlich nur eines: Das beste Kondom ist das, von dem man überhaupt nichts spürt. Den Angaben auf der Packung sollte man hier nicht trauen. Im Zweifel immer das Normalkondom ohne Passform-, Gleitschicht- oder Betäubungsspecials. Preiswert ist auch nicht schlecht. Das klingt jetzt doch wieder ziemlich konservativ.

Eure Jungs

 

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