Jungs, warum verbringt ihr so viel Zeit auf dem Klo?

Liest es sich woanders nicht gemütlicher?
Von Tabea Mirbach und Niko Kappel

Foto: Photocase Bearbeitung: jetzt

Liebe Jungs,

wieso bleibt ihr eigentlich oft so wahnsinnig lange auf dem Klo sitzen? Bei mir ist das so: Wenn ich auf die Toilette gehe, dann ist das eine Sache von maximal fünf Minuten. Und das, obwohl zum Beispiel bei meinen Eltern zu Hause ein kleiner Hocker mit einer Menge Klatschzeitschriften steht. Klar, ich schaue da auch immer rein. Aber wenn ich fertig bin, dann verlasse ich das stille Örtchen wieder, ohne da meine Freizeit zu verbringen. Es kommt auch öfter vor, dass ich mein Handy mit aufs Klo nehme und da Sprachnachrichten abhöre, die schon lange auf eine Antwort von mir warten. Aber wenn ich fertig bin, dann spüle ich ab, wasche mir die Hände und verlasse das Badezimmer wieder. Selbst wenn eine Zeitschrift so spannend ist, dass ich sie unbedingt weiterlesen möchte – ich lese sie viel lieber da weiter, wo es gemütlicher ist und mein nackter Po nicht auf einer Kloschüssel thront. Es gibt doch viel bessere und gemütlichere Orte, um Zeit mit sich selbst zu verbringen. Findet ihr die Toilette ernsthaft gemütlicher als euer Bett?

Denn wenn ihr Jungs zu Hause auf die Toilette geht, dann kann bei euch schon mal schnell ein Weilchen vergehen, bis ihr das Badezimmer wieder verlasst. Und wenn dann noch ein neues Handyspiel zu euren aktuellen Lieblingsbeschäftigungen gehört, dann bleibt ihr gefühlt so lange im Bad, bis eine neue Jahreszeit angebrochen ist. Warum ist das so? Kommt ihr dort erst zur Ruhe?

Ist das Badezimmer für euch der letzte Zufluchtsort vor dem Alltag?

Wenn mir mal wieder die Decke auf den Kopf fällt, dann flüchte ich mich in mein Bett oder gehe einfach raus in die Natur. Jeder hat so seine Orte, die er aufsucht, um zur Ruhe zu kommen. Aber ich habe das Gefühl, dass bei vielen Männer die Toilette ganz oben auf der Liste der Orte steht, an denen sie sich am liebsten aufhalten – wenn man bedenkt, wie lange ihr auf dem Klo bleibt, obwohl ihr schon fertig seid.

Es heißt zwar nicht umsonst das stille Örtchen, weil man dort seine Ruhe hat. In der Regel geht man ja alleine aufs Klo. Allerdings kann man sich in jedem anderen Zimmer genauso einschließen. Da hat man sogar noch eher seine Ruhe, denn die Toilette wird schließlich auch von anderen Menschen in einem Haushalt benutzt. Wollt ihr einfach nicht zugeben, dass ihr eine Pause vom Alltagstrubel braucht und der Toilettengang ist eure Ausrede? Findet ihr das so gemütlich, dass ihr dort die Zeit vergesst? Oder gibt es da Gründe, die wir uns gerade nicht vorstellen können? Erzählt doch mal.

Eure Mädchen

Die Jungsantwort:

Liebe Mädchen,

wir lieben Klos! Wir lieben es, auf der Schüssel zu sitzen, für uns allein im stillen Kämmerlein, ohne andere Menschen, hinter einer verschlossenen Tür, ausgestattet mit einem Handy und LTE. Das kalte Porzellan kühlt angenehm unser nacktes Hinterteil, durch das vorsorglich geöffnete Fenster kommt eine Brise, die leicht unsere Beine umweht und der Blick auf das verschlossene Türschloss sagt: Jetzt sind wir allein, das hier ist unsere Zeit.

Natürlich könnten wir auch einfach in unser Zimmer gehen und die Türe abschließen. Es stimmt auch, dass man es zum Beispiel auf der Couch oder auf dem Bett bequemer hat als ohne Hose auf einer Porzellanschüssel. Aber die Couch oder das Bett kommen einfach nicht an den Vibe heran, den so ein Klo hat.

Das Klo ist der einzige Raum, in dem es gesellschaftlich anerkannt ist, sich einzusperren. Wer eine halbe Stunde auf der Toilette sitzt, begibt sich damit nicht in soziale Isolation. Vielleicht denken Mitbewohner, Partner oder Eltern dann, dass man ein Problem mit dem Darm hat – aber zumindest keines mit deren Gesellschaft. Auf dem Klo klopft keiner und fragt, was denn los sei und warum man denn abgeschlossen habe. Jedem ist klar, warum diese Tür zu ist und warum sie die nächste Zeit auch geschlossen bleiben sollte. Wenn es auf der Familienfeier mal nervig wird, dann ist das Klo der einzige Ausweg, um sich kurz eine Pause zu gönnen. Wenn man auf der Arbeit eine neue Aufgabe nicht gleich anfangen möchte – ab auf die Schüssel!

Wir sehen Toiletten als Ruhepole

Die Zeit auf dem Klo ist, zumindest bei einer erfolgreichen Sitzung, keine verschwendete Zeit. Man tut nichts, aber tut trotzdem etwas. Deshalb hängen wir so gerne auf dem Klo ab: Wir sitzen nicht nur so rum und spielen am Handy. Wir erledigen etwas dabei. Man hat zum Beispiel Zeit, in Ruhe einen guten Artikel zu lesen oder Insta-Storys zu gucken. Oder wir denken einfach mal nach und fragen uns irgendwelche Dinge: Mit wem wollen wir mal wieder ein Bierchen trinken gehen? Wie wird es sein, wenn Merkel nicht mehr Kanzlerin ist? Wer wurde 1994 nochmal Weltmeister? Solche Sachen eben.

Ständig verfügbar zu sein, im Privatleben oder bei der Arbeit, kann ungemein stressig sein, das wisst ihr. Vor allem, wenn es darum geht, dass man einfach mal für einen Moment alleine sein möchte, ohne dass das gleich jemand komisch oder problematisch findet. Bei zu viel Trubel kann ein ausgedehnter Klogang inklusive Insta-Story-Marathon oder spontaner Zeitschriften-Lektüre wie eine Meditation an einem blauen Gebirgssee unter freiem Himmel sein. Das wirkt jetzt vielleicht sozial inkompetent, aber sich einfach mal für eine gewisse Zeit im Klo einzuschließen, das hat echt was. Auch wenn es – und auch da habt ihr Recht – sicher gemütlichere Orte dafür gibt.

Auf der Toilette werden wir in Ruhe gelassen, weil da halt oft auch aus gutem Grund kein zweiter Mensch drin sein sollte. Deshalb finden wir lange Sitzungen auf der Toilette so super. Probiert es doch auch mal aus. Aber blockiert sie nicht zu lange. Wir wollen auch mal!

Eure Jungs

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