Jeder sollte seinen Namenstag feiern

AndreasF./like.eis.in.the.sunshine/photocase / Collage: Daniela Rudolf

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Der 15. Mai ist für mich ein besonderer Tag: Da hab ich Namenstag. Als Kind habe ich meinen Lieblingskuchen bekommen und ein paar kleine Geschenke. Meine Mutter hat den Tisch  immer mit einem ganz speziellen Geschirr gedeckt, das wir ausschließlich für diese Gelegenheiten verwendet haben, und das für mich auch heute noch besonders kostbar ist. 

Jetzt, mit Mitte 20, schicken mir meine Eltern zum Namenstag ein kleines Päckchen, meist mit Süßigkeiten („als Kuchenersatz“) und einem kleinen Geschenk. Als ich vergangenes Jahr im Frühling bei meiner Schwester in der WG gewohnt habe, haben wir am 15. Mai ein bisschen gefeiert.

   

Ich finde, Namenstage sind wunderbar. Es gibt Kuchen, oder zumindest ein gekauftes Törtchen, vielleicht Blumen oder ein kleines Geschenk. Man organisiert keine Party und erwartet keine Glückwünsche von Freunden oder Kollegen. Der Namenstag ist einfach ein bisschen schöner und spezieller als normale Tage, und er erhellt den Alltag, wie es auch der erste richtig warme Sommertag oder das Gefühl der Freiheit nach einer wichtigen Prüfung tun. Er kommt ganz sicher jedes Jahr wieder. Und das ist beruhigend und schön. 

Früher war der Namenstag in gut katholischen Familien wichtiger als der Geburtstag, auch manche Protestanten haben ihn gefeiert oder tun das noch. Als meine Mutter klein war, gab es für sie an diesem Tag größere Geschenke als am Geburtstag. Wir sind zwar keine religiöse Familie, aber immerhin auf dem Papier katholisch. Und die Namenstags-Feierei hat sich gehalten. Gott sei Dank, sozusagen. Ich weiß, dass ich den Namenstag von seiner ursprünglichen, religiösen Bedeutung zweckentfremde. Aber wie viele Menschen feiern Weihnachten, ohne an die Geburt des Jesuskinds zu glauben?

Aber eigentlich geht es doch um mehr: um Kuchen 

Ich bin fast die Einzige in meinem Freundeskreis, die überhaupt weiß, wann ihr Namenstag ist. Warum?! Natürlich gibt es Hipperes, als den Gedenktag des Heiligen zu feiern, der den gleichen Namen trägt wie man selbst. Aber eigentlich geht es doch um mehr: um Kuchen. Ums Morgens-lieber-aufstehen und um einen Tag, auf den man sich freut. An so einem kleinen Feier-Tag muss man nicht bei den Großeltern vorbei wie an Weihnachten, und auch keine Schnittchen oder anderen Quatsch mit ins Büro bringen wie beim runden Geburtstag. 

Ich finde, alle sollten Namenstag feiern. Jeder heißt irgendwie, und wenn es keinen Heiligen zum eigenen Namen gibt, kann man sich ja ein Datum aussuchen. Kinder werden es sowieso lieben, einen zweiten Tag im Jahr zu haben, der ein bisschen so ist wie Geburtstag. Und wenn es um Geburtstage geht, sind wir doch alle noch ein bisschen Kind. 

Falls man sich gegen die Heiligen sträubt, gibt es viele andere Gelegenheiten, um kleine Feste zu feiern: In einigen protestantisch geprägten Bundesländern, wie zum Beispiel Sachsen oder Brandenburg, wird am 31. Oktober Reformationstag gefeiert. Schon Tage vorher gibt es überall Reformationsbrötchen: süßes, klebriges Gebäck mit Zuckerguss und Marmeladenfüllung. Wieso nicht einen Schwung davon kaufen und Freunde zum Kaffee einladen? Wieso nicht an Frankreich orientieren, wo Dreikönig am 6. Januar traditionell mit der Galette des Rois, einem Blätterteigkuchen mit Mandelcremefüllung, gefeiert wird? Dazu gibt es Saft für die Kinder und für die Großen – Champagne, bien sûr. 

Einmal haben wir mit vielen Freunden am Buß- und Bettag gebruncht. Als sich unser Nachbar über „so viele junge Leute auf einmal im Treppenhaus“ wunderte, meinte eine Freundin zu ihm: „Wir feiern Buß- und Bettag!“ Das war zwar nie unsere Absicht, aber irgendwie doch eine schöne Vorstellung. Eine kleine Extra-Feier-Ebene, die sich zum Brunch dazugesellt hat. 

Klar kann man sich auch einfach so mit Freunden zum Kaffeeklatsch treffen, aber ganz ehrlich: Wann macht man das schon mal? Ich bewundere diejenigen, die regelmäßig ausgedehnte Sonntagnachmittage bei Kirschkuchen und Kaffee zusammen versacken. Zum Abend hin dann vielleicht auch noch mit einem Aperitif. Für Menschen wie mich wäre es gar nicht so schlecht, ab und zu bisschen dazu gezwungen zu werden. Vielleicht lade ich dieses Jahr am 15. Mai einfach mal ein paar Leute zum Picknick ein. 

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