Wie mich das Kochen zu einem schlechteren Menschen macht

Unsere Autorin versinkt beim Kochen im Chaos, wird aggressiv und am Ende zur undankbaren Schnorrerin.
Von Madeleine Buck
Collage: Daniela Rudolf

Ich mag Kochen nicht. Man könnte sogar behaupten, dass ich es hasse. Das wäre nicht übertrieben. Denn alles, was man zum Kochen braucht – Geduld, Timing, Multitasking – besitze ich nicht. Und alles, was andere daran entspannend oder vielleicht sogar erfüllend finden, finde ich einfach nur ätzend: Es dauert zu lange, ist gefährlich und meist war die ganze Mühe eh für die Katz und es schmeckt nicht – zumindest ist das bei mir so.

Ja, ich gebe zu, ich habe einfach keinen Bock zu kochen. Und weil ich eben so unglaublich wenig Lust auf diesen Firlefanz zwischen perfekter Garzeit und Aschehäufchen habe, kann ich regelmäßig beobachten, wie ich zu jemandem werde, der ganz und gar nicht cool ist. Meist gefolgt durch eine Kettenreaktion, die mich immer schlechter dastehen lässt. Denn kommt diese eine unsympathische Seite an mir erst einmal hervor, folgen die anderen unwiderruflich auch. Meine Verwandlung in eine widerliche, aggressive Schmarotzerin erfolgt in drei Phasen.

1. Das Chaos in meiner Küche

Ich muss zugeben: Ich war noch nie besonders geduldig. Und weil ich das leidige Vorhaben schnell hinter mich bringen möchte, versuche ich auch beim Kochen möglichst effizient und fix zu arbeiten. Während hier das Spiegelei brutzelt und da die Kartoffeln kochen, räume ich nebenbei noch auf und erledige andere Sachen. Was ich wirklich nicht kann, ist, einfach nur neben dem Topf zu stehen und zu warten. Todeslangweilig. Während ich also (noch) fröhlich nebenbei herumwerkle, verliere ich die Zeit aus den Augen und plötzlich muss alles gleichzeitig passieren. Hier schäumt das Salzwasser bis an den Topfrand, da brennt etwas an, dort muss gerührt werden. Ich breche in Panik aus. Ich wende, schnipple, hacke überall zur selben Zeit und schon fährt das rasierklingenscharfe Messer – das besonders scharf ist, weil ich es ja nie benutze – durch meine Fingerkuppe wie durch Butter. Ich blute, die Eier brennen weiter an und das Wasser läuft über. Das Multitasking, das ich sonst ganz gut beherrsche, kommt also auf dem Weg zum perfektem Mahl abhanden. Ich kann kaum zwei Töpfe gleichzeitig auf dem Herd haben, ohne Schlimmstes zu befürchten. Kommt noch eine Pfanne dazu, kann ich eigentlich gleich aufgeben und die Nummer meines Lieblingslieferanten wählen.

2. Blut und Aggressionen

Nicht nur, dass ich trotz aller Mühen verletzt aus dieser Tortur rausgehe, nein, das Essen schmeckt jetzt auch noch scheiße. Der ganze Aufwand, die Zeit, die durch das Zwiebelschneiden verursachten Tränen waren umsonst. Ich bin frustriert und werde gleichzeitig wütend. Wütend auf mich, den Akt selbst, den Herd, die Bratpfanne, das Toastbrot, das genau genommen eigentlich nicht einmal eine Zutat war, aber als Notfallplan in meinem Brotkorb bereitliegt. Ich bin selbst an meiner Misere Schuld, das weiß ich. Und Wut auf Gegenstände, die in Wirklichkeit gar nicht für das misslungene Essen verantwortlich sind, macht das nicht besser. Trotzdem ist der restliche Abend für mich gelaufen. Ich bin bockig, nicht mehr ansprechbar. Wer es dann noch wagt, über meinen Fehlschlag zu lachen, wird von meiner schlechten Laune in Form von „Dann mach es doch besser!“-Ausrufen niedergeschrien.

3. Der Weg zur Schnorrerin

Ich bin nicht besonders stolz drauf, aber letzten Endes werde ich durch meine nicht vorhandenen Kochkünste zur Schnorrerin unter meinen Freunden. Während ich bei neuen Bekanntschaften noch zu vertuschen versuche, dass ich eigentlich nur wegen des Essens zu Besuch bin, und deshalb noch fleißig Kartoffeln schäle, kennen mich gute Freunde mittlerweile von einer ganz anderen, widerlichen Seite. Während sie fleißig für mich den Kochlöffel schwingen, schaue ich ihnen vom Sofa oder Küchenstuhl zu – ich kann ja eh nicht helfen! Dabei treibt mich der Hunger dazu, Kommentare über die Zubereitungszeit und -art abzugeben. Eigentlich wäre es mir sowieso lieber gewesen, das Essen hätte schon auf dem Tisch gestanden, als ich ankam.

Das ist natürlich sehr undankbar. Aber der Hunger verändert einen. Ich bin nicht ich, wenn ich hungrig bin.

Das alles kürt mich wahrlich nicht zur besten Freundin des Jahres. Wenn man ehrlich ist, haben meine Freunde das nicht verdient. An dieser Stelle also ein kleines „Sorry“ an alle herausragenden Mitmenschen. Ohne sie würde sich meine Ernährung auf Toastbrot und Salat beschränken.

Sobald die ganze Koch-Angelegenheit rum und mein Magen gefüllt ist, bin ich übrigens wieder ganz in Ordnung. Dann lobe ich auch brav meine Gastgeber und denke daran, mich beim nächsten Mal via Lieferservice zu revanchieren.  

Mehr zum Kochen:

  • teilen
  • schließen