Frida in einer Fabrik in Kambodscha

Frida in einer Fabrik in Kambodscha

Foto: Hacienda Film

Stundenlange, monotone Arbeit an der Nähmaschine, armselige Unterkünfte und 3 Dollar Lohn am Tag – wie Textilarbeiter in Kambodscha leben, haben zwei junge Modebloggerinnen 2014 vor laufender Kamera erfahren. Die norwegische Serie „Sweatshop - Deadly Fashion“ wurde zum Interneterfolg. Jetzt gibt es eine zweite Staffel. Anniken Jørgensen und Frida Ottesen wurden durch „Sweatshop“ mit den Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie konfrontiert, dabei flossen viele Tränen. Wir haben mit den beiden darüber gesprochen, was sich seitdem geändert hat, in ihrem eigenen Leben und in Kambodscha. 

Am Set vom Sweatshop

Am Set vom Sweatshop

Foto: Hacienda Film

Jetzt: Was ist der Unterschied zwischen euch heute und den Personen, die ihr vor zwei Jahren wart?

Frida: Nach so einer Reise beginnst du, die Dinge um dich herum wertzuschätzen. Dein Bett, dein Haus, dein Essen, deine Familie. Dann wollte ich natürlich etwas ändern. Also bin ich in Norwegen herumgereist und habe Vorträge über die Textilindustrie und meine Reise nach Kambodscha gehalten. Ich erzähle dann, wie ich mit 17 drauf war und wie ich heute bin. Und von dem starken Kontrast: Wie wir arbeiten und wie sie dort arbeiten, wie unser Leben ist und ihres. Ich versuche wirklich, mein Bestes zu geben. Ich arbeite jetzt auch in einem Fairtrade-Laden und habe einen Job in einer Umweltorganisation in Norwegen. Und das alles, weil diese Reise mich verändert hat.

Anniken: Mein Job ist es, zu bloggen. Also schreibe ich natürlich viel über Klamotten, Schuhe und die Modeindustrie. Ich glaube vor dieser Sendung war ich eine ziemlich egoistische Person. Ich wollte die neuesten Klamotten, ich wollte gut aussehen, alles andere war mir egal. Aber seit der ersten Staffel bin ich, glaube ich, ein sehr viel emotionalerer und besserer Mensch geworden. Auf einmal interessiert mich das alles und wird gerade zum größten Ding in meinem Leben.

Du bist immer noch Fashionbloggerin. Ist es nicht manchmal schwierig, auf der einen Seite Mode zu promoten und auf der anderen die Bedingungen zu kennen, unter denen sie produziert wird?

Anniken: Ich schreibe nicht mehr so viel über Mode. Klar geht es darum, was ich heute trage, aber ich schreibe nicht mehr so viel über die Klamotten selbst, sondern mehr über mein eigenes Leben, meine guten und schlechten Tage. Genauso wie ich hat sich auch mein Blog verändert.

Im Februar hast du aber zum Beispiel eine Adidas-Hose „made in Cambodia“ gepostet. Wie passt das mit deiner Arbeit als Aktivistin zusammen?

Anniken: Es ist schwierig, das zu erklären. Es geht nicht wirklich um die Arbeit. Jeder braucht einen Job. Jemand muss Häuser bauen, den Müll abholen. Jemand muss unsere Klamotten nähen. Die Menschen im Kambodscha haben uns gesagt: „Es ist okay, diese Arbeit zu machen. Aber ich brauche einen Lohn, von dem ich leben kann.“ Sie müssen genug Geld haben, um zu essen, sie müssen unter menschenwürdigen Bedingungen leben können.

Warum seid ihr zurück nach Kambodscha gefahren?

Frida: Wir haben gespürt, dass wir mehr über die Textilindustrie herausfinden wollen und deshalb sind wir noch mal da runter gegangen, um mehr über das Lohnniveau, die Produktionsbedingungen und den Leistungsdruck in den Fabriken zu lernen. Die zweite Staffel geht also mehr ins Detail. 

Anniken mit einer Näherin

Anniken mit einer Näherin

Foto: Hacienda Film

In der ersten Staffel habt ihr entsetzt reagiert, als ihr die Fabriken besichtigt habt. War es wirklich so neu für euch, dass eure Kleidung unter schlechten Bedingungen hergestellt wird?

 

Anniken: Ich war schockiert. Ich dachte, meine Kleidung wird von Maschinen hergestellt. Und das will man ja auch denken. Wenn du die Klamotten im Laden siehst, dann glaubst du nicht, dass das jemand mit seinen Händen gemacht hat. Ich glaube, es gibt viele Teenager, die nicht wissen, dass ihre Klamotten von Menschen hergestellt werden, die wie Sklaven behandelt werden. Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass es so schlimm ist. 

 

Frida: Ich hatte noch nichts davon gesehen, als ich mich für die erste Staffel beworben habe. Ehrlich gesagt wusste ich nicht viel über die Modeindustrie. Als meine Mutter mir sagte, dass meine Klamotten von Menschen hergestellt werden, war ich schockiert. Dann sind wir nach Kambodscha gefahren.  Aber das war die erste Staffel. Dieses Mal waren wir nicht mehr so naiv, wir haben das alles mit anderen Augen gesehen. Jetzt versuchen wir, eine Lösung zu finden.

 

Wie könnte die aussehen?

 

Frida: Wir können eine Menge tun. Ich glaube wir sind alle verantwortlich. Wir als Konsumenten, aber auch die großen Ketten. In der zweiten Staffel sprechen wir mit H&M und fordern sie auf, Verantwortung zu übernehmen. Wir leben im Jahr 2016. Wir brauchen einen Wandel.

 

Habt ihr etwas verändert, dadurch, dass ihr mit H&M gesprochen habt?

 

Frida: Wir hatten schon nach der ersten Staffel mit H&M gesprochen. Sie haben uns gesagt, dass sie natürlich etwas ändern wollen, dass sie einen ausreichenden Lohn und gute Arbeitbedingungen für die Näherinnen wollen. Da waren wir uns alle einig. Aber das ist jetzt zwei Jahre her. Und nichts hat sich verändert.

 

Aus dem Hintergrund schaltet sich plötzlich Joakim Kleven ein, Produzent der Serie:

 

Joakim: Wir haben in der Show versucht, mit H&M zusammenzuarbeiten. In einer Episode fragt Anniken bei H&M an, um in eine der Fabriken zu kommen, die als die schlimmste gilt. Einen Tag später löschte H&M die Fabrik aus der Datenbank. Da kann man wirklich sehen, wie manipulativ das alles ist. Hoffentlich werden die Zuschauer darauf reagieren.

 

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