Mos Def hat keine Lust mehr auf Rap

Verkündet hat er das via Freestyle auf Kanye Wests Anrufbeantworter.
Von Max Sprick
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Mos Def beim Filmfestival in Cannes 2015.

Foto: Loic Venance/afp

Neulich verkündete Kanye West, großtönig wie eh und je, dass er keinen Bock hat mit Leuten zu arbeiten, die nachts um drei Uhr nicht ans Telefon gehen. 

Und jetzt? Rief ihn Mos Def an, der eine HipHop-Generation vor Kanye groß war. Mitten in der Nacht. Kanye hob nicht ab, also sprach Mos Def mit dessen Anrufbeantworter. Zum Glück, wie man jetzt einerseits sagen kann, denn er hinterließ einen ziemlich wirr klingenden, zehn-minütigen Freestyle-"Rap". Ärgerlich andererseits, weil er irgendwann ganz nebenbei erklärt, er habe keinen Bock mehr auf seine Karriere als Musiker und Schauspieler. Die sei nach dem Album, das irgendwann in diesem Jahr erscheinen soll, endgültig vorbei: "And that's that." 

Ob er das dann tatsächlich durchzieht, bleibt abzuwarten. Bei Mos Def fragt man sich das in letzter Zeit eh häufiger, was er ernst meint und was nicht. Denn immer wieder versucht er sich als politischer Aktivist, immer wieder wirkt er dabei ähnlich wirr wie seine Anrufbeantworter-Message an Kanye.

No more Parties in SA

Er nennt sich seit einiger Zeit Yasiin Bey und nutzt seinen US-Pass nicht mehr, weil er die Politik seines Heimatlandes ablehnt. Vor drei Jahren ließ er sich aus Protest genauso zwangsernähren wie die Häftlinge in Guantanamo.

Nun war übrigens auch seine Ansage an Kanye größtenteils eine politische. Darin wettert er gegen Südafrika, das Land in dem er seit einigen Jahren mit einem (abgelaufenem) Touristen-Visum lebt. Deswegen nennt Mos Def seinen Rap auch "No more Parties in SA" (Anm. SA = South Africa) – in Anlehnung an Kanyes neuesten Song "No more Parties in LA". Mos Def-Beys Ärger auf Südafrika beruht darauf, dass er vor einigten Tagen am Flughafen festgenommen wurde und die Behörden ihm mitteilten, er habe zwei Wochen Zeit, das Land zu verlassen.

Weil der 42-Jährige eben auf seinen richtigen Pass verzichtet, nutzt er einen sogenannten Welt-Pass, der von der Weltbürgerbewegung (World Service Authority) herausgegeben wird. Das ist eine Organisation, die der Friedensaktivist Garry Davis 1948 gegründet hat. Ihren Pass haben zwar auch Leute wie Wikileaks-Gründer Julian Assange und Whisteblower Edward Snowden, doch viele Länder erkennen ihn nicht an. Unter anderem Südafrika.   

Das Land, in dem er ungerechterweise festgehalten wird, sagt Mos Def. Sein Pass sei doch völlig in Ordnung! Jeder könne das nachlesen und überhaupt sei der Weltbürgerpass doch ein anerkanntes Dokument. Mos Def wolle jetzt nur nach Hause. Stellt sich bloß die Frage: Was meint er damit? Seinen Geburtstort Brooklyn, seine Heimat New York? Wohl kaum. Denn das Leben in den USA sei inzwischen für ihn "unnötig schwierig", erzählte er letztes Jahr in einem Interview. Sein Zuhause seien die USA nicht, sagt er jetzt auf Kanyes Anrufbeantworter. Vielleicht kann der ja Ratschläge geben – wenn er nicht gerade Nächte mit Schlafen verbringt.

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