Neil Young wettert gegen Google, Facebook und Amazon

Und solidarisiert sich mit jungen Musikern, denn: Wie sollen sie künftig überleben?
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Foto: Will Oliver / dpa

Vergangenen Freitag hat Neil Young einen zornigen Post veröffentlicht. Einen dieser Posts, die einem zunächst einen Schauer über den Rücken schicken: Ein alter weißer Mann erzählt von früher, wo doch alles besser war, bitte setzen Sie sich, nehmen Sie Platz im gedanklichen Ohrensessel.

Kommt dann aber anders.

Neil Young, einer der Säulenheiligen unter den Songwritern, sinniert darüber, wie junge Musiker und Künstler heute gefordert seien, in der digitalen Welt Geld mit ihrer Musik zu verdienen. In „einer Welt, in der der Künstler von den Tech-Giganten als Letzter, wenn überhaupt, bezahlt wird.“ Und dann schreibt Young: „Heute, im Zeitalter von FaceBook (sic), GOOGLE und Amazon, lässt sich schwer sagen, wie ein neuer, heranwachsender Musiker es schaffen soll, so wie wir es geschafft haben.“

Young hat den Post auf seiner Seite „Neil Young Archives“ veröffentlicht. Einer Seite, die seine Musik Fans und Musikhistorikern gebündelt zur Verfügung stellen soll. Die großen Technik-Unternehmen, schreibt er, hätten Wege gefunden, Musik auszunutzen, „ohne über die Anzahl der Plays eines Künstlers zu berichten oder den Musikern auch nur einen verdammten Cent zu zahlen“, wettert er weiter.

Neil Young solidarisiert sich mit jungen Menschen, die eine Pop-Karriere anstreben

An der Stelle verlässt der 72-Jährige also den Opa-erzählt-von-früher-Pfad – und solidarisiert sich mit jungen Menschen, die eine Karriere im Pop anstreben. Die also in der gleichen Situation stecken wie er selbst vor etwa 50 Jahren.

Young greift eine Diskussion auf, die im Pop seit Jahren lodert. Eine Diskussion darüber, wie Künstler mit ihren Songs noch Geld verdienen sollen, wenn Streaming-Dienste diese den Usern gratis oder für wenige Cents zur Verfügung stellen. Dass Musiker immer mal wieder ihre lächerlich niedrigen Streaming-Abrechnungen veröffentlichen, heizt die Diskussion zusätzlich an. Ein bekanntes Beispiel: Vor drei Jahren teilte die Trip-Hop-Band Portishead mit, dass sie durch 34 Millionen Spotify- und Youtube-Streams gerade mal 1700 Pfund verdient hätten.

 

Neil Young hat seine Songs 2015 von Streaming-Plattformen entfernen lassen, unter anderem wegen der schlechten Soundqualität. So ganz zuwider ist ihm Streaming aber anscheinend doch nicht. Im Dezember 2017 hat er seinen eigenen Streaming-Dienst gelauncht, die „Neil Young Archives“. Dort kann man nahezu seinen gesamten Back-Katalog in hoher Audioqualität hören, über den Player Xstream, an dessen Entwicklung sich Young per Kickstarter beteiligt hat.

 

Momentan ist das Streaming in den „Neil Young Archives“ noch kostenlos, ab Juni 2018 sollen User dafür aber bezahlen müssen. Was aber nicht so recht zu Youngs Post gegen die bösen Tech-Giganten passen will: Auf den „Neil Young Archives“ kann man sich unter anderem mit seinem Google- oder Facebook-Account einloggen.

 

jwh

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