Red Bull unterstützt seit 20 Jahren elektronische Nischenmusik.

Red Bull unterstützt seit 20 Jahren elektronische Nischenmusik.

Foto: Brandon Zack / Unsplash

Das Berliner Label und Künstlerkollektiv Live From Earth hat Konsequenzen aus den rechtspopulistischen Äußerungen des Red-Bull-Geschäftsführers Dietrich Mateschitz gezogen und seine diesjährige Kooperation mit dem Red Bull Music Festival beendet. Seit 20 Jahren fördert Red Bull mit seiner „Red Bull Music Academy“ elektronische Nischenmusik und pusht international Künstlerkarrieren. Jedes Jahr hostet die Firma ein Festival in einer anderen Stadt, dieses Jahr in Berlin. Eigentlich sollte Live From Earth, dem auch Acts wie Yung Hurn, Ticklish oder die WOS-Girls angehören, das offizielle Closing des Festivals am heutigen Freitag kuratieren. Das haben die Künstler jetzt kurzfristig abgesagt.

In einem langen Statement auf Instagram erklärt das Label, Grund dafür seien die politischen Positionen von Red-Bull-Geschäftsführer Dietrich Mateschitz. Dieser hatte sich in der Vergangenheit immer wieder fremdenfeindlich und rechtspopulistisch geäußert, zum Beispiel in einem Interview mit der Kleinen Zeitung aus Graz. Dort sagte er, das „unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle“ störe ihn. Mateschitz gehört zudem der österreichische Sender Servus TV, in dessen Talkshow „Talk im Hangar 7“ zum Beispiel Leute wie Martin Sellner von der Identitären Bewegung eingeladen werden. Und er finanziert die Rechercheplattform Addendum. Die schreibt über sich selbst, „einen Beitrag zur Wiederherstellung einer gemeinsamen Faktenbasis für eine qualifizierte politische Debatte“ leisten zu wollen, bedient aber auch gerne das Narrativ von der „Lügenpresse“.

Live From Earth sagt: Nicht mit uns. Erst seien sie begeistert gewesen über die Anfrage, im Rahmen des Red Bull Music Festivals ein Programm zu gestalten, schreiben die Künstler auf Instagram. Grund für die Zusage seien die vielen spannenden teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler gewesen – und nicht zuletzt auch die großzügige Gage. Doch in den vergangenen Wochen sei es innerhalb des Kollektivs immer wieder zu Diskussionen gekommen.

„Nicht erst seit den Ereignissen in Chemnitz ist es offensichtlich, dass ein Diskurs über die zunehmende rechte Gesinnung in Deutschland und darüber hinaus geführt werden muss. Für jeden von uns ist es selbstverständlich, dass ein aufkommender Rechtstrend nicht hingenommen werden darf – besonders als Kollektiv, das sich durch seine Arbeit am kulturellen sowie politischen Geschehen beteiligt“, heißt es in der Stellungnahme. Es falle ihnen schwer, „die politische Konstellation bei dem geplanten Event zu ignorieren“. Weiter heißt es: „Durch die Teilnahme an einem von Red Bull finanzierten Festival machen wie uns zu Mitwirkenden und Unterstützern eines Konzerns, der den öffentlichen Eindruck seines CEOs als Rechtspopulist toleriert.“

Die Reaktionen unter dem Post sind überwiegend zustimmend und sehr positiv. „Sehr sehr gute Sache. Find ich Klasse von euch. Gerade jetzt müssen wir alle klar Haltung gegen Faschismus, Rassismus und Extremismus beziehen“, schreibt ein User, ein anderer: „Sehr, sehr große Geste. Respekt!“

Red Bull reagiert schriftlich recht knapp auf die Bitte nach einem Statement: „Wir als Red Bull respektieren die Entscheidung von Live From Earth.“ Die Closing-Night finde jetzt im Club Prince Charles statt – mit einem neuen Line Up.

Wie das Image der Music Academy und die Äußerungen des Brause-Chefs zusammenpassen, darauf wird man von Mateschitz wohl keine Antwort bekommen. Thorsten Schmidt, einer der beiden Macher der Red Bull Music Academy, sagte der SZ aber: „Wir stehen ganz klar für eine diverse Welt und unterstützen mit dem Red-Bull-Music-Programm seit zwei Jahrzehnten KünstlerInnen jeglicher Herkunft, Identität, Religion und Kultur. Die Werte, die dadurch vertreten werden, sprechen für sich.“ 

soas

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