Sohn des Sex-Pistols-Managers will Punk-Heiligtümer verbrennen

Im Wert von sechs Millionen Euro. Weil die Queen Punk jetzt angeblich auch cool findet.
Foto: Reuters

Im November 2016 wird der Punk sterben. Dieses Mal wirklich. Endgültig.

Das sagt Joe Corré, Sohn zweier Legenden der Punk-Bewegung: Seine Mutter ist Designerin Vivienne Westwood, sein Vater Malcolm McLaren, Musiker und Manager der Sex Pistols. Corré ist im Besitz einer großen Sammlung von Punk-Devotionalien im Wert von angeblich sechs Millionen Euro – und die will er aus Protest verbrennen, wie er jetzt ankündigte.

Der Grund: Die englische Königin soll laut Corré das Jahr 2016, das Jahr des 40. Jahrestages des Punk, tatsächlich als das "Jahr des Punk" ausgerufen. Der Guardian hat daraufhin beim Buckingham Palace nachgefragt - dort aber wollte man die angeblich neue Haltung der Queen zum  Punk aber nicht bestätigen. 

Die Königin! Diejenige, die von den Sex Pistols in "God save the Queen" beschuldigt wurde, ein faschistisches Regime zu führen. "Wenn die sich um ein Punk-Jubiläum schert, weißt du, dass etwas verdammt schief gelaufen ist", schreibt Corré in seiner Pressemitteilung.

Wenn er nicht gerade das Image des guten alten Punks bewahren will, ist Corré übrigens selbst Modedesigner. Er gründete das Label "Agent Provocateur". Jetzt sagt der 49-Jährige: "Dass die Königin dem Punk ihren offiziellen Segen erteilt, ist das Erschreckendste, was ich je gehört habe." Der Mainstream mache sich alternative Popkultur zu Eigen. "Statt für Veränderung zu stehen, wurde der Punk ein verdammtes Museumsstück." 

 

Die Flucherei scheint Corré dabei wichtig zu sein, er benutzt ziemlich oft das F-Wort in seiner Mitteillung. Er will dieselbe Stimmung in der Gesellschaft festgestellt haben, die 1976 zum Ausbruch der Punk-Bewegung geführt hatte. "Die Menschen sind gleichgültig geworden. Und mit Gleichgültigkeit kommt Selbstzufriedenheit. Man kommt sich vor, als hätte man keine Stimme mehr." Am gefährlichsten sei aber, dass der moderne Mensch aufgehört habe, für das zu kämpfen, woran er glaubt. "Er hat die Jagd aufgegeben. Wir müssen den ganzen Scheiß noch einmal explodieren lassen."

 

Mit diesem großen Knall will Corré am 26. November, genau 40 Jahre nach dem Erscheinungstag des Sex Pistols-Albums "Anarchy in the UK", den Punk zu Grabe tragen. Im Londoner Bezirk Camden wird Corré dann seine Sammlung verbrennen. Wenn er das tatsächlich durchzieht, könnte man allerdings sagen: Vielleicht ist der Punk doch noch nicht ganz tot. 

 

max

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