Die Schaukel wurde in die Hall of Fame der Spielzeuge aufgenommen

Und was da noch alles drin ist!
Von Kolja Haaf
schaukel jornorator photocase
Foto: jornorator / photocase

Draufsetzen, Fahrt aufnehmen, den Himmel küssen: Die Schaukel war immer ein Garant für unkomplizierte, Gravitationskraft-basierte Glückseligkeit. Wir haben sie benutzt, wieder und wieder. Im Kindergarten, beim Familienspaziergang, letzte Freitagnacht im Vollsuff. Und nie hat sie sich beschwert, nie Dank eingefordert. Möglicherweise, weil sie einfach ein unbelebter Gegenstand ohne Kommunikationsmöglichkeit ist (abgesehen von völlig unverständlichem Quietschen). Möglicherweise aber auch, weil sie geahnt hat, dass wir ihr irgendwann den Respekt zollen würden, den sie verdient: Die Schaukel wurde offiziell in die Hall of Fame der Spielzeuge aufgenommen. 

Ja, so was existiert und ja, der Gameboy ist da auch drin. 1998 wurde die National Toy Hall of Fame gegründet, mittlerweile Teil des Strong National Museum of Play in Rochester, New York. Jedes Jahr werden ein paar neue Spielzeuge von einer weisen und wohl auch ein bisschen verspielten Jury in die Sammlung aufgenommen. Dieses Jahr wurden neben der guten alten Schaukel noch Dungeons and Dragons und Fisher-Price’s Little People (eine Art rudimentäre Form von Playmobil) auserwählt.

Bei vielen der Spielzeuge in der Hall of Fame lässt sich darüber streiten, ob sie diese Ehre verdient haben. Über jeden Zweifel erhaben sein dürfte wohl nur eins: der Karton. Richtig. Die klassische Kartonbox. Das wahrscheinlich einzige Spielzeug, das keinem was beweisen muss. Noch nicht mal, dass es überhaupt ein Spielzeug ist. Eine nahezu endlose Projektionsfläche für kindliche Phantasie, die bis eben noch geglaubt hat, dass der Karton unterm Weihnachtsbaum ein tatsächliches Geschenk enthält und an dessen schlichter brauner Eleganz sie sich jetzt austoben darf. Während die anderen Kinder mit der X-Box spielen müssen. (Danke für nichts, Christkind.)

Es kann übrigens jeder ein Spielzeug für die nächste Auswahlrunde 2017 vorschlagen. Dabei sollten folgende Kriterien erfüllt sein: ikonischer Status, Langlebigkeit, der Entdeckungsfaktor (das Spielzeug fördert lernen und Kreativität) und Innovation. Im Prinzip also eine Beschreibung des Kartons. Insgesamt wurden bisher 62 Spielzeuge aufgenommen, von Murmeln über Roller Skates bis... Ach, was soll’s, hier die komplette Liste:

  • Twister
  • diese kleinen grünen Spielzeugsoldaten
  • Schach
  • Dominosteine
  • Star-Wars-Action-Figuren
  • Decken (für Zimmerhöhlenbau)
  • Hot-Wheels-Autos
  • Spiel des Lebens
  • Spielkarten
  • Dreirad
  • Game Boy
  • der Ball
  • Skateboard
  • Puppenhaus
  • Puppen
  • Baby-Puppen (spätestens jetzt vermuten wir: latenter Puppenfetisch der Jury)
  • Raggedy Ann (keine Ahnung)
  • Mr. Potato Head (?)
  • Seilspringen
  • Astragaloi (?)
  • Fahrrad
  • Barbie
  • Tonka Trucks (?)
  • Knete
  • Drachen (die zum steigen lassen)
  • Modelleisenbahn
  • Spielzeugofen
  • Jack-in-the-box
  • Candy Land (?)
  • der Stock (absoluter Klassiker)
  • Scrabble
  • Schaukelpferd
  • G.I. Joe
  • Atari 2600
  • Quietscheentchen (Quietscheentchen!)
  • Dame
  • Baukasten
  • Puzzle
  • Zauberwürfel (fick dich, Zauberwürfel!)
  • Seifenblasen
  • Frisbee
  • Hula Hoop
  • Lego
  • View-Master (?)
  • Murmeln (mjamjam!)
  • Monopoly
  • der Teddybär
  • Roller Skates
  • diese lustige Spirale, die die Treppe runtersneakt
  • Radio Flyer (?)
  • Tinkertoy (??)
  • Lincoln Logs (???)
  • Supersoaker (!)
  • das Yo-Yo.

Und als persönlichen Dank an die Schaukel hier noch das Gedicht, das auf der Homepage der Toy Hall of Fame unter anderem als Begründung für die Wahl selbiger steht. Schaukel, falls du das liest, dieses Gedicht ist für dich:

How do you like to up in a swing,                        

Up in the air so blue?            

Oh, I do think it the pleasantest thing                        

Ever a child can do.

                                                                               (Robert Louis Stevenson, 1885)

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