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Foto: afp / Jon Super

Gestern Nacht um 3 in der englischen Stadt Hull: 3200 Menschen versammeln sich im Zentrum. Nicht, um zu feiern oder zu protestieren. Sondern um sich auszuziehen und sich anschließend blau anzumalen.

Ausgelöst hatte dieses seltsame Verhalten der amerikanische Fotograf Spencer Tunick. Dieser bekam von der Ferens Art Gallery in Hull den Auftrag, eine Fotoserie für anstehende Kulturfeierlichkeiten zu machen. Und Tunick entschied sich dafür, die Bewohner der Stadt nackt abzulichten.

3200 Menschen unterstützten begeistert seine Idee. Tunick sagte dem Guardian: "Ich war sehr überrascht, so viele alte Menschen teilnehmen zu sehen. Sie hatten Probleme mit dem Gehen, kamen im Rollstuhl, mit Krücken, Orthesen. Es war wie das Ende eines Krieges, aber sie waren belastbar und es kamen Junge und Alte und ich bin ihnen allen so dankbar."

Die Stadt Hull liegt nicht weit vom Meer entfernt, besitzt einen Hafen und war einst Zentrum der Fischerei und des Walfangs. Die Beziehung des Ortes zum Meer wird durch die mit vier verschiedenen Blautöne bemalten Teilnehmer eingefangen. Sie stellen auf den Bildern die Wellen und das Wasser dar, das so über die geteerten Wege der Stadt hinwegfließt.

Mithilfe seiner Assistenten dirigierte Tunick seine Meermenschen durch die Straßen der Stadt, die von Mitternacht bis 10 Uhr morgens gesperrt waren. Er positionierte sie auf freien Plätzen, in Parks und auf Brücken. Die Inszenierung sollte die maritime Geschichte des Ortes betonen.

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Foto: reuters / Andrew Yates
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Foto: reuters / Andrew Yates
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Nach der gelungenen Aktion durften die Teilnehmer wieder nach Hause. Natürlich immer noch mit meerblauer Hautfarbe ...

Nach der gelungenen Aktion durften die Teilnehmer wieder nach Hause. Natürlich immer noch mit meerblauer Hautfarbe ...

Foto: Reuters / Andrew Yates
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Foto: afp / Jon Super
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Foto: afp / Jon Super
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Foto: afp / Jon Super

Einer der Freiwilligen, Stephane Janssen, ließ sich von Tunick bereits bei anderen Gelegenheiten ablichten. Der 80-Jährige erzählte dem Guardian: "Ich sage immer, dass es die am wenigsten sexuelle Sache ist, die ich in meinem Leben jemals gesehen habe. Wir sind nackt, aber es ist nicht wichtig." Im Gegenteil, meint er. Es betone eher, dass alle Menschen gleich seien. Egal ob wir groß oder klein sind, welche Hautfarbe wir haben und aus welcher Gesellschaftsschicht wir stammen - unter den Klamotten sind wir letztendlich nur Lebewesen ein und derselben Spezies.

Tunick initiierte bereits mehr als 100 dieser Kunstaktionen dieser Art. Seit 20 Jahren fotografiert er Menschen auf der ganzen Welt, auch in Deutschland war er schon kreativ. So haben sich in Düsseldorf und München bereits Leute für ihn und seine Kunst ausgezogen. Die Aufnahmen aus Hull werden 2017 zu sehen sein, wenn die Stadt die Rolle der "City of culture" übernimmt.

 

mew

 

 

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