Zwei Irinnen twittern von ihrer Abtreibungsreise nach England

Unter #twowomentravel bekommen sie viel Unterstützung - nur von einer Person nicht.
Foto: Screenshot Twitter / twowomentravel

Zwei Frauen, ein Twitteraccount – und ein Land in Aufruhr: Unter #twowomentravel haben zwei Irinnen ihre Reise nach England dokumentiert. Der Zweck ihres Kurztrips: eine Abtreibung. In Irland ist Abtreibung verboten. Der achte Zusatzartikel der irischen Verfassung legt fest, dass ein Ungeborenes dieselben Rechte besitzt wie die Mutter. Aus Protest gegen das Abtreibungsverbot, gegen den Umstand, dass Frauen in Irland nicht selbst über ihren Körper entscheiden dürfen, haben die zwei Irinnen über ihre Unternehmung getwittert: "Wir machen diese Reise aus strikter Solidarität mit all unseren irischen Schwestern, die dies vor uns durchgemacht haben."

Am Freitag haben die zwei Frauen ihren Twitteraccount "Two Women Travel" angelegt, mittlerweile hat ihre Aktion bereits 24 900 Follower. Auf dem Profilbild ist die Zahl "8" zu sehen, versehen mit der Bildunterschrift "Repeal Eight", dem Aufruf, den achten Zusatzartikel außer Kraft zu setzen. In ihrem Twitter-Profil heißt es: "Zwei Frauen, ein Eingriff, 48 Stunden weg von Zuhause". Zwei Tage also hat die Abtreibungsreise insgesamt gedauert.  Wer die beiden sind, ob nur eine von ihnen oder beide eine Abtreibung haben vornehmen lassen, ist nicht bekannt. Bislang haben sie sich ausschließlich anonym auf ihrem Twitter-Account geäußert.

Während der Reise posteten die Frauen immer wieder Fotos, vom Flugzeug, der Taxifahrt, dem Aufenthaltsraum der Klinik. Ihre Tweets mit Überschriften wie "Nicht die erste oder letzte Frau, die mit Blutungen einen harten, langen Weg nach Hause antreten muss" bekommen mehrere hundert Likes.

Die irische Bevölkerung fordert schon seit Jahren eine Abschaffung des Abtreibungsverbots - wird aber nicht gehört. Im Juni 2016 wurde Irland sogar vom UN-Menschenrechtskomitee verwarnt. Die Kritik betrifft den Fall Amanda Mellet: Während ihrer Schwangerschaft 2011 wurde entdeckt, dass ihr Fötus aufgrund einer schweren Gesundheitsschädigung nicht überlebensfähig sein würde. Dennoch durfte sie die Schwangerschaft nicht abbrechen. In dieser degradierenden und inhumanen Behandlung Mellets sieht das Komitee eine Verletzung ihrer Menschenrechte. Bis zu 14 Jahre Gefängnis kann es eine Frau in Irland kosten, sich gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Um einer Verurteilung zu entgehen, reisen dem Guardian zufolge circa zehn Irinnen täglich nach England oder in ein anderes europäisches Land, um den Eingriff vornehmen zu lassen.

In Deutschland sind Abtreibungen ebenfalls grundsätzlich verboten: Im Strafgesetzbuch findet man unter § 218 ein Verbot, das man jedoch durch Befolgung der Ausnahmeregelung umgehen kann. Wer sich nämlich beraten und einen Abbruch durch einen Arzt vor Vollendung des dritten Monats durchführen lässt, macht weder sich noch den ausführenden Arzt strafbar. 99 237 Schwangerschaftsabbrüche wurden 2015 an das Statistische Bundesamt gemeldet, 96,1 Prozent fanden unter Einhaltung der Beratungsregelung statt. Die Dunkelziffer aller Abbrüche dürfte Experten zufolge aber weit höher liegen.

Für ihren Mut, ihre Offenheit und ihren Einsatz bekommen die irischen Frauen viel Unterstützung: 

Nur einer hat nicht geantwortet: Enda Kenny, der irische Premieminister. Obwohl jeder Tweet auch an ihn ging, enthielt er sich eines Kommentars. Dabei stünde es in seiner Macht, ein Referendum einzuleiten und den achten Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen. Irischen Frauen würde dadurch solch eine Reise erspart bleiben.

mew

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