Brauchen wir noch Feminismus?

Das will Youtuberin Suzie Grime von ihren Kollegen wissen. Auch Gina-Lisa Lohfink antwortet.

Youtuberin Suzie Grime bezeichnet sich selbst als "nervige Feministin". Brauchen wir Feminismus noch, will sie wissen und stellt diese Frage anderen Youtubern.

Screenshot: Youtube / suzie grime

Suzie Grime ist eine Berliner Youtuberin, macht irgendwas mit Mode – und nervt. Das behauptet sie zumindest selbst. "Die Leute sagen immer: Suzie! Du nervst mit deinem Feminismus." So eröffnet sie ihr neues Video. Um herauszufinden, ob Feminismus 2016 nicht mehr notwendig sei, hat sie eine Umfrage gestartet. Und neben anderen Youtubern, Bloggern und Modeln auch Gina-Lisa Lohfink vor die Kamera geholt.

Die Antworten hat Suzie Grime zu dem knapp 30-minütigen Video "Sexismus - brauchen wir Feminismus?" zusammen geschnipselt. Was darin vor allem zu hören ist: Meinungen von Frauen. Klar. Aber auch die Unterstützung von Männern. Youtuber De Changeman etwa erzählt, dass er die Farben Lila und Rosa mag. Und die schon in der Grundschule getragen habe. "Erst in der Pubertät habe ich so gemerkt, dass es doch nicht mehr so cool ist, solche Sachen anzuziehen. Weil man sich doch sehr viel Scheiß anhören musste", sagt er. "Aber mir steht Lila, verdammt noch mal! Also, warum sollte ich es nicht tragen?!"

Worin sich die neun Kollegen von Suzie Grime einig sind: Sie alle finden die Gendergrenze scheiße. Für Mädchen gebe es mädchengerechtes Spielzeug, wie rosa Rucksäcke und Barbies. Frauenthemen sollen Make-Up und Mode sein, bei "Männerthemen" wie Autos oder Rap-Musik allerdings hätten sie nichts zu suchen. Lisa Ludwig, Chefredakteurin von Broadly, erzählt: "Man macht ein Interview und der Künstler nimmt einen nicht ernst und sagt: 'Hä? Okay, ich dachte, ein Mann macht das Interview.'" Jungs hingegen gälten als Freaks, wenn sie lange Haare tragen und nicht nur durch Frauenabteilungen spazieren – sondern dort sogar was kaufen.

Und das einzige, womit man diese willkürliche Aufteilung "Mädchen dürfen nur das" und "Jungs dürfen nur das" nach wie vor zu halten versucht, ist mit der absoluten Tabu-Begründung: Das war halt schon immer so.

Große Streitthemen, alte Streitthemen – aber deshalb unnötig? Nein.

Ein großer Punkt in dem Video ist das Thema Slut-Shaming. Und die in der Gesellschaft verankerte Doppelmoral: Wenn Frauen mit vielen Männern schlafen, entwerten sie sich. Wenn Männer das tun, sind sie Helden. Dazu taucht auch Gina-Lisa auf und sagt: "Ich wurde schon als Schlampe, Hure beschimpft, obwohl ich noch gar keinen Sex hatte." Make-up-Artist Tali Quindio holt noch weiter aus, indem sie die viel zitierte Heimgeh-Problematik beschreibt: "Allein, wenn du schon von Weitem irgendeine Männertruppe siehst, musst du dir Gedanken machen: Wie vermeide ich jetzt irgendeine Konfrontation, nur für den Fall, dass denen langweilig ist?"

Und gleichzeitig wehren sich alle Beteiligten dagegen, dass Männer absolut männlich sein müssen. Nicht weinen dürfen. Vergewaltigungen nicht anzeigen dürfen, weil das gegen die "Du bist ein Mann, komm gefälligst allein damit klar"-Regel verstößt. Schwäche zeigen und Hilfe in Anspruch nehmen sollte Männern genauso erlaubt sein wie Frauen.

Die Themen, die im Video angesprochen werden, sind im Prinzip nicht neu: Chauvinismus, Gleichberechtigung, Cat-Calling, Frauenquote, Sexismus, fehlende Toleranz. Die Youtuber beschweren sich darüber, dass man das Wort "Feministin" immer noch zu oft mit männerfeindlichen Frauen gleichsetzt. Und dass Frauen nach wie vor nicht ernst genommen, als süß und launisch abgestempelt werden und sich in der Arbeitswelt doppelt beweisen müssen.

Diese Probleme kennt man, hat man ja schon oft genug gehört. Also: Braucht es heute noch Feminismus? Ja, sagen die Beteiligten in Suzie Grimes Clip.

Dieses "Ja" sollte auch vom Rest der Welt geteilt werden. Und zwar genau aus diesem Grund: weil diese Themen mittlerweile schon jeden nerven. Aber offensichtlich noch nicht genug, um den Kampf Frau-gegen-Mann zu beenden. Und das Wort "Gleichberechtigung" nicht nur aufzuschreiben, sondern auch zu leben.

mew

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