Die Debatte um die Konferenz zum Thema Kopftuch an der Goethe-Universität in Frankfurt geht in die zweite Runde. Der Grund ist ein Video, das Alice Schwarzer in einer Diskussion mit jungen Muslim*innen und Aktivist*innen zeigt.

Höchstwahrscheinlich hat sich dabei folgendes ereignet: Inmitten der Diskussion berührt Schwarzer eine der jungen Frauen leicht am Arm, diese droht daraufhin mit einer Anzeige. Und Schwarzer sagt: „Oh, ich dachte nur ein Mann darf Sie nicht anfassen.“

Klar islamfeindlich, finden viele Menschen, auch die Gruppe #wirbleibenlaut, die die Proteste gegen die Konferenz initiiert hatte. Auf Instagram und Twitter wird das Video immer wieder geteilt, Medien berichten. Auch die Zeitschrift Emma postete auf ihrer Website ein Video, das Schwarzer in der Diskussion zeigt. In dem verbreiteten Video sind die 20 bis 30 Sekunden vor Schwarzers Äußerung allerdings nicht zu sehen, die Berührung wurde also nicht aufgenommen.

Alice Schwarzer ist für jetzt auf Anfrage nicht telefonisch zu erreichen, lässt aber ein schriftliches Statement zukommen. Ihre Äußerung „Ich dachte, nur Männer dürfen Sie nicht anfassen“ sei ironisch gemeint gewesen. „Eigentlich zu läppisch, überhaupt darüber zu reden“, schreibt Schwarzer weiter.

Zuher Jazmati, Sprecher der Gruppe #wirbleibenlaut, sagt dazu am Telefon: „Ich weiß nicht, wie man sowas ironisch meinen kann.“ Das trüge nicht dazu bei, die Debatte zu entschärfen. „Ich erwarte von einer Person mit so viel Erfahrung, die so viel getan hat, einfach mehr.“ Und fügt dann noch hinzu: „Auch, wenn es sarkastisch gemeint war, geht es einfach gar nicht.“

In dem Video sieht man weiter, wie Schwarzer den Demonstrierenden anbietet, zum Gespräch vorbeizukommen. Sie nennt das in ihrem Statement „einen Versuch zu verstehen“. Zuher meint: Mal sehen, ob es zu diesem Gespräch kommen wird. Die Gruppe wolle ihre Energie lieber in andere Dinge stecken. Eine Anzeige gegen Schwarzer sei vorerst auch nicht geplant.

Die Konferenz am Mittwoch trug den Titel: „Das islamische Kopftuch. Symbol der Würde oder der Unterdrückung?“ Im Vorfeld gab es harsche Kritik sowohl an der Organisatorin, Professorin Susanne Schröter, als auch an einigen der Rednerinnen, zum Beispiel an Alice Schwarzer und der Soziologin Necla Kelek. Beide plädieren für ein Kopftuchverbot für Kinder.

soas