Australien lädt Brexit-müde Brit*innen zu sich ein

Das Musikvideo, mit dem Australien da für sich wirbt, könnte aber auch falsch verstanden werden.
quokka

Quokkas sind einer der Hauptgründe, mal nach Australien zu kommen, findet wohl die australische Tourismusbehörde.

Foto: James Vodicka / Comedy Wildlife Photography Awards 2019

Mit Boris Johnsons Wiederwahl sieht es nun (jetzt aber wirklich und endgültig) sehr danach aus, dass das Vereinigte Königreich Großbritannien die EU verlassen wird. Am 31. Januar soll die Scheidung finalisiert werden. Durch den dreijährigen Schwebezustand seit dem Referendum hatten die Brit*innen wenigstens genug Zeit zu planen, wie sie als Privatpersonen mit den politischen Umwälzungen umgehen wollen. Aber nicht nur die Brit*innen haben sich Gedanken über ihre Zukunft gemacht, auch Australien – immerhin Teil des Commonwealth – hat über die Situation gegrübelt und ist zu folgendem Schluss gekommen: Sollen die Brexit-müden Brit*innen doch zu uns kommen! Und das meinen die Aussies so ernst, dass sie einen musikalischen Werbespot gedreht haben, der die Inselbewohner*innen zu ihnen locken soll.

In dem Clip mit dem Titel „Matesong“ treten die ganz großen Hits des Kontinents auf: Kylie Minogue, der Komiker und Moderator Adam Hills, Strand, Bier und – nicht zu vergessen – Quokkas, die süßesten Beuteltiere überhaupt. Vor allem aber werben die Australier*innen bei den Brit*innen mit etwas, das der Rest Europas in seiner Häme gerade nicht garantieren könnte: „Wir werden euch niemals verurteilen.“ Das „großartige Vereinigte Königreich“ solle sich einfach an seine australischen „Wingmen und -women“ lehnen, seine Freunde in „Down Under“ anrufen und sich eine Auszeit gönnen. Ausgestrahlt wurde der Song zur Primetime an Weihnachten im britischen Fernsehen – direkt vor der Ansprache von Queen Elizabeth II.

Allerdings könnte der Werbespot der australischen Tourismusbehörde einen etwas anderen Effekt haben als geplant – in dem Clip wird nämlich nicht deutlich gesagt, dass die Brit*innen nur zum Urlauben vorbeikommen dürfen. Man muss fast fürchten, dass die erschöpften Brit*innen nach den hochtrabenden australischen Versprechungen auch kommen, um zu bleiben. Dass einige der britischen Staatsbürger*innen sich nicht auf immer und unter allen Bedingungen mit ihrem Heimatland verbunden fühlen, wurde 2019 sehr deutlich: Fast eine Million Brit*innen sollen vergangenes Jahr einen irischen Pass beantragt haben. Wer weiß, wie viele auch übers Auswandern nachgedacht haben.

Immerhin gäbe es auf dem australischen Kontinent zumindest Platz für alle: Im Gegensatz zu den 66 Millionen Einwohner*innen im Vereinigten Königreich leben in Australien nur etwa  25 Millionen Menschen – und das obwohl Großbritannien flächenmäßig rund 30 Mal auf den australischen Kontinent passen würde. Auf der anderen Seite müssen sich die Australier*innen vielleicht doch keine Sorgen machen, dass ihr Land von Anti-Brexiteers überrannt wird: Die stolzen Brit*innen haben sich in den sozialen Medien nicht nur amüsiert über den Werbespot gezeigt – sondern vielmehr irritiert. Irgendwie fanden sie wohl den Zeitpunkt etwas unpassend. Und auch die Star-Besetzung:

mpu

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