Das ist: Kira Marie, die jüngste Europaabgeordnete aller Zeiten

Die 21-jährige Dänin wechselt direkt von der Uni ins Parlament.
Von Nadja Schlüter

Screenshot: sf.dk/Socialistisk Folkeparti

Das ist...

… Kira Marie Peter-Hansen, die jüngste Europaabgeordnete, die es jemals gab. Allerdings hat sie diesen „Rekord“ nur knapp gebrochen: Am Wahltag, dem 26. Mai 2019, war sie 21 Jahre und drei Monate alt – als 1991 die Deutsche Ilka Schröder für die Grünen ins Europaparlament einzog, war sie einen Monat älter.  

Die kommt…

… direkt aus der Uni. Ihr Wirtschaftsstudium an der Universität Kopenhagen wird sie für die Arbeit als Europaabgeordnete vorerst unterbrechen müssen. Sie hatte von ihrer Partei auch das Angebot, statt für die Europawahl für die dänische Parlamentswahl am 5. Juni zu kandidieren (die die dänischen Sozialdemokraten gewonnen haben, indem sie stark nach rechts gerückt sind). Das Europaparlament schien ihr aber reizvoller, weil dort ihrer Meinung nach die wirklich wichtigen Fragen entschieden werden. Kira hat bereits ihre ersten Tage in Brüssel verbracht und die waren „wirklich aufregend“, sagt sie. Jetzt muss sie sich um den Umzug kümmern und darum, Mitarbeiter*innen zu finden – und Praktikant*innen, die sie ab sofort auch beschäftigen darf.

Die geht…

… mit einem klaren Ziel nach Brüssel. Kira zieht für die rot-grüne dänische „Socialistisk Folkeparti“ (Sozialistischen Volkspartei) ins Europäische Parlament ein und sagte der taz, dass sie sich wegen der Klimakrise zur Wahl habe aufstellen lassen: „Wenn wir das nicht lösen, sind wir voll abgefuckt. Dann sind die meisten anderen Probleme völlig egal.“ Sie will sich für eine „green transition“ in Europa einsetzen, also das Ende der fossilen Energieträger und einen ökologischen und nachhaltigen Umbau in allen Bereichen. Dabei ist es ihr wichtig, dass dieser Umbau sozial vonstatten geht, dass also zum Beispiel Menschen aufgefangen werden, die dadurch ihre Jobs verlieren. Persönlich will sie zum Klimaschutz beitragen, indem sie die Reisen zwischen Kopenhagen und Brüssel regelmäßig mit dem Zug antritt, was immerhin 16 Stunden Reisezeit bedeutet – einfache Strecke.

Weitere Punkte auf ihrer Agenda sind die Rechte von Minderheiten und Geschlechtergerechtigkeit. „Frauen machen mehr als die Hälfte der EU-Bevölkerung aus, trotzdem sind sie in entscheidenden Positionen unterrepräsentiert“, sagt Kira. „Wenn das so weitergeht, dauert es noch mal 70 Jahre, bis wir gleiche Bezahlung haben, 40, bis Hausarbeit gerecht geteilt wird, und 20, bis das Geschlechterverhältnis in der Politik ausgeglichen ist.“ Und so lange will sie nicht warten.

Die kann…

… junge Menschen erreichen. Kira interessiert sich für Politik, seit sie 15 Jahre alt ist und war während ihrer Schulzeit Mitglied einer Jugendpartei.  In den kommenden Jahren will sie ihren (bisher noch etwas spärlichen) Instagram-Account nutzen, um ihren Follower*innen das alltägliche Leben im Europaparlament zu zeigen und über Politik zu informieren. Auf der anderen Seite möchte sie im Parlament jungen Menschen eine Stimme geben, sagt sie: „Denn die Klimakrise und der Mangel an politischer Verantwortung nach der Finanzkrise haben gezeigt, dass die Politiker die Jugend nicht gerade priorisieren.“ Kira freut sich, dass in der grünen Fraktion, in der sie sitzen wird, so viele junge Abgeordnete vertreten sind: „Wir sind elf Leute unter 35 – also bin ich nicht alleine, wenn ich mich gegen das männlich dominierte und recht betagte Parlament durchsetzen muss.“ 

Daraus lernen wir…

… mal wieder, dass Parlamente eben nicht nur was für Menschen Ü40 sind. Wissen wir natürlich schon lange – aber es schadet nicht, das immer wieder zu betonen. Denn den Vorwurf „Geh erstmal arbeiten und dann in die Politik“, kennt auch Kira Marie Peter Hansen. Und hält ihn natürlich für unbegründet, sonst wäre sie ja jetzt nicht Europaabgeordnete.

Nur Google weiß…

… warum sie ins Europaparlament einzieht, obwohl sie eigentlich gar nicht gewählt wurde. Sie stand auf Platz drei der Liste und ihre Partei hat zwei Sitze gewonnen: Der erste ging an Margrete Auken, die schon in der vorigen Legislaturperiode im Parlament saß, der zweite an Karsten Hønge. Der hat sein Mandat aber abgelehnt, weil er seine Wiederwahl ins dänische Parlament, das Folketing, anstrebte. Kira ist darum nachgerückt.

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