Das ist: Madeleina Kay, das Gesicht der Anti-Brexit-Bewegung

Sie zeigt, wie bunt und kreativ politischer Protest sein kann.
Von Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr

Foto: dpa / Rebecca Brown

Das ist ...

... Madeleina Kay, 25, auch bekannt als #EUSupergirl, die sich seit dem Brexit-Referendum mit Songs und viel kreativem Protest für einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark macht.

Die kommt ...

... aus Leicester und lebt heute in Sheffield, rund 200 Kilometer nördlich von London. Dort studierte sie Landschaftsarchitektur, brach nach dem Brexit aber ihr Studium ab, weil sie nicht tatenlos zusehen wollte, wie ihr Land aus der EU fällt. Seit 2016 ist sie als Aktivistin, Sängerin und Künstlerin in Großbritannien und europaweit unterwegs, um mit kreativem Protest für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU zu werben. Sie lebt zusammen mit ihrem Vater, der sie in ihrer Aktivistinnenkarriere unterstützt und selber regelmäßig an Protesten teilnimmt. Immer mit dabei ist ihre Gitarre, mit der sie ihre vielen Anti-Brexit-Songs spielt.

Die geht ...

… mit vollem Einsatz für einen Verbleib in der Europäischen Union auf die Straße und durch das Internet. Sie ist eine politisch engagierte Künstlerin, die sich auf unterschiedliche Weise ausdrückt: Sie schreibt Bücher, Songs, sie singt, zeichnet und arbeitet an Texten. Bekannt wurde sie mit ihrem #EUSupergirl-Outfit, grellen Boots und einer markigen Stimme, die sie zu einer Ikone der Remain-Bewegung machten. Dabei scheut sie die Konfrontation nicht und kämpft gegen die EU-Skeptiker an – ob vor dem Parlament, in Youtube-Videos oder ganz direkt mit Nigel Farage bei einer Diskussion in einem Pub vor dem EU-Parlament. Rund 30 000 Menschen folgen ihr auf Twitter. 

Die kann ...

… großartig singen, kluge Texte schreiben und furchtlos in hitzige Debatten gehen. Ihre Songs sind voller Energie und Europa-Leidenschaft. Das überzeugt selbst einige Hardcore-Brexit-Befürworter, die ihr Facebook-Nachrichten schreiben, weil sie wegen ihres Engagements die Meinung geändert haben. Mittlerweile kann sie davon auch leben. Nach ihrem Studienabbruch startete sie ein Crowdfunding und sammelte rund 20 000 Pfund, um als Vollzeit-Aktivistin für einen Verbleib des Landes in der EU kämpfen zu können.

Daraus lernen wir ...

… dass man politische Zustände, die man nicht in Ordnung findet, mit Kreativität bekämpfen kann. Madeleina beweist außerdem, dass politisches Engagement eine Vielzahl von Formen annehmen kann. Ihr Erfolg bei ihren Fans gründet sich genau darauf, dass sie ist, wer sie ist. Sie verbiegt sich nicht, um irgendjemandem zu gefallen, sondern nutzt, was sie hat und setzt es innovativ ein. Texte mit viel Pathos. Knallige Outfits. Songs mit Ohrwurmpotential. Von Madeleina kann man lernen, dass man auf seine eigene Stimme hören und sich trauen sollte, anders zu sein.

Damit schenkt sie zehntausenden Menschen in Großbritannien Mut und zeigt, dass es nicht zu spät ist, für ein vereintes Europa auf die Straße zu gehen. Sie verkörpert außerdem eine neue Generation junger Frauen, die politische Protestbewegungen weltweit anführen und Millionen Menschen mobilisieren.

Nicht einmal Google weiß ...

... ob Madeleina siegen wird und Großbritannien in der EU bleibt. Doch wenn sie weiter so macht, kann noch vieles passieren. Der EU-Spitzenpolitiker Guy Verhofstadt wünscht sie sich sogar schon als Nachfolgerin von Premierministerin May. Und was auch nicht viele wissen: Boris Johnsons Vater ist ein großer Fan von Madeleina. Er lässt sich sogar gemeinsam mit ihr fotografieren und hat sich das ein oder andere Mal  schon für einen Verbleib in der EU ausgesprochen

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